Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 7 (22.12.1864)
- Date
- 1864-12-22
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Meisterschaft zu beherrschen verstand. Feuer und Wasser gedankenlvs durcheinander gewcrfen gibt aber noch nicht den Himmel, nicht einmal etwas irdisch Brauchbares; eS prasselt und zi'cht, wie wenn Wasser mit Feuer sich mischt, aber das Resultat ist— Ranch. Wie nun vollends die Rosengluth deS StocktalmudiömuS mit dem Lilienschnee der philosophischen Fakultät sich vereinigen, wie aus dieser Verbindung ein gesunder Organismus hervorgchcn soll, „nach dem Urbild von dort oben/" daS, wir gestehen es offen, ist unS durchaus unbegreiflich.*) W. Korrespondenzen und Mitteilungen ans der Zeit. Major Prüsker. Thatfachcn bcwciseir, wo Behauptungen oft bloS hingestcllt werden, um ein ungerechtes Gebühren zu entschuldigen.—Der Geschichte entgegen, die Beispiele vom Todesmnlhe israelitischer Helden zum Uibcrrnaßc gebracht, hat man in den letzten Jahrhunderten dem Juden jeden Muth abgesprochcn, hat ihn als ängstlich und feige dargestellt; den Beweis hievon ist man schuldig geblieben und konnte ihn auch in solange nicht liefern, als man den Juden geknechtet, cnmcrvt, ihm die Hände gebunden und ihn jedes Mittels beraubt hat, seinen Math, seinen Sinn für Gercchligkeit und Freiheit bethätigcn zu können. Kein Wunder wäre es gewesen, wenn der lange L ruck, die andauernde Knechtung dci.'.Iuden dcn Muih genommen hätte, wie die stärkste Feder endlich die elastische straft verliert, wenn sic sich unter steter Belastung befindet; aber ein Wunder isl's, wie die ihm von jeher innewohnende Widerstandsfähigkeit, das Bedürfniß nach freier und ungehemmter Bewegung so schnell sich bei ihm wieder Ungesunden, als kaum die beengende Fessel ihm abgenvmmen wurde. — Und er Hai es sich selbst nicht zugetraut, daß er dies im Stande fein werde. — Als das große Wort Kaiser Josefs, des unsterblichen, den Juden «n die Reihen seiner Krieger rief, da schien es dem Juden selbst ein strenges, unmögliches wie ungcrechtferrigcs Gebot, ja ein Unglück für ihn und seine Kinder zu sein. Man konnte sich noch mit den Gedanken nicht bcfreuikden, hicrlands eine Heimat, ein Vaterland zu haben, und wollte sein Kind ebensowenig diesem Stande willig hingeben, um für dasselbe zu bluten, als man glaubte, cs werde hier eine geeignete Stellung finden. Die Zeilen sind anders geworden. — Eine Beschränkung nach der andern ist gefallen. Die zu gleicher Zeit stattgefundene Eröffnung der Schulen und höherer Lehranstalten für Juden hat einen neuen Geist in das jüdische Bewußtsein hineiugetragen, man sing an sich gleichberechtigt zu ''üblen, und trug dem Staate gerne sich aufgelegte Verpflichtungen entgegen in der gewissen Voraussetzung, daß auch die gleiche Berechtigung seitens desselben nicht auf sich werde warten lassen.— Bei dem Umstande, daß der Corpsgeist des Militärs einen Unterschied des Religionsbekenntniffes nicht hervortreten läßt, indem nur der Mann und die Erfüllung feiner Pflicht ins Gewicht fällt, dcrßserner der Stand, in welchem nur das Verdienst Anerkennung findet, nicht ftagt,was Jemand glaubt, sondern, was er leister, konnte cs nicht fehlen, daß der neu erstandene Muth in den jüdischen Jünglingen manchen dazu bewog, einem Körper sich gerne anzuschließen, wo ihm einige Aussicht zur Auszeichnung, zur Beförderung geboten ward, und der Jude hat sei: dieser Zeit sich in Oesterreich nicht tinder als in allen anderen Staaten und allen Theilen der Welt in diesem D> . ufe aufs vortheilhafteste ausgezeichnet. Wieviel Juden in dem kaiserlichen Heere dienen, wieviele Chargen sie bekleiden, läßt aus den Schematismus sich nur deswegen schwer ennitteln, weil eben da nur Soldaten und Offfciere, nicht aber Juden und Christen verzeichnet sind. Aber das steht fest, daß der Jude nicht zu den unbrauchbarsten Individuen zählt, und jederzeit Gelegenheit gesucht hat, sich nicht unter den Letzten finden zu lassen, wie überhauptder Jude überall nicht der Letzte ist, wo ihn Gelegenheit geboten wird, seiner Thätigkeit ein Gebiet zu erobern. — Ein Beispiel von vielen ist in dieser Beziehung der in den letzten Tagen hier ins bessere Leben ciugangene Hr. Prüsker, k. k. Major in Pension, der nicht nur als Mensch uno Jude eine ebenso ausgezeichnete als allgemein geachtete und beliebte Persönlichkeit war, sondern auch in so fern die größte Beachtung verdient hat, als er der erste Jude war, der es bis zu diesem Range, zum Range eines Slabsofficiers gebracht hat, wenn er in letzter Zeit auch nicku der Einzige blieb; es bleibt der Verblichene nicht nur immer von kutterhistoriicher Bedeutung für den österreichischen Juden, er hat auch den Beweis geliefert, wie man durch treuerfüllte Pflicht und Thätigkeit in feinem Berufe als Jude selbst in die hohen und höchsten Chargen sich Eintritt verschaffen kann. Als Familienvater, als Glaubcnögenoffe und Mensch liebenswerth und achtunggebietend, gereicht er seiner Vaterstadt, dem Vaterlande, besonders aber der Judcnhcit zur Ehre. Möge er ruhen im Frieden, noch einem vielbewcgtcn Leben. — Herr Simon Prüsker (eigentlich Brißker) war der Sohn rechtlicher, wenn auch nicht reicher aber mit 10 Kindern gesegneter Eltern. Unter den drei ältesten Brüdern, die alle militärpflichtig waren, der jüngste und tauglichste, wurde er im Jahre 1815 zum Militär assentirt, nachdem er früher in der Buchhandlung eines Onkels durch mehrere Jahre im Geschäfte sich verwendet haue. Durch Unterstützung eben seiner Verwandten ward er Kadct und ging nach einiger Zeit als Kadct-Korporal nach einer böhmischen Festung, wo doumtal daö 72. Regiment Vogelfang, später Kynskp, staiionirt war; von da nach ^tenermark, wo er sowohl durch gute Conduitcu in jeder Richtung, Eiser und Pünktlichkeit im Dienste, als durch sein religiös-moralisches Betragen sich anszuzcichnen und die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten sich zu erwerden wußte. — Sein weiteres Avancement hat er dem Jahre 1822 zu verdanken, wo er in Italien den Zug der österreichischen Truppen nachNeape nuimachte und aUmälig von Charge zu Charge stieg, bis er endlich im JL3-."_ium '-icjjor ernannt wurde. In den Jahren 1848 und 1849 wurden dem Major Prüsker mehrere wichtige Aemter anvertraut und er zum Platzmajor von Venedig, später zum Spttalskommaickanteu in Verona ernannt. Im Jahre 1849 heiratete er eine geborene Menzel auS Licbochowitz und ward Vater dreier Kinder. Im Jahre 1854 pensionirt, nahm er sei:, n b!eibendcn Aufenthalt in Prag. Für feine Beliebhcit bei seinen Vorzeichen und der allgemeinen Anerkennung, die seinen Verdiensten wurde, zeugt nicht nur der Umstand, daß er -wcimal im Regimentsbefehle fammtlichen k. k. Ojiicieren zum Murer aufgestellt worden, sie tritt auch aus dem hervor, was uns von einer ihm nahe stehenden Person mttgcthcilt wurde. Einem Kousin Prüskers, Herrn Kub, in Wien wohnend, ward eines Morgens ein Officier angemcldet, der ihn zu sprechen wünsche. Herr Kuh öffnet selbst die Thllre und erstaunt nicht wenig, den General Kynsky, Inhaber des gleichuamigen Regiments, vor sich zu sehen, der ihm sagt, er möge ja keine Umstände machen, er wäre bloö gekommen, um den Verwandten seines Prüskers kennen zu lernen und freue sich darauf, ihm nach Italien einen Gruß mitbringen zu können. — Ein Kchlkopfleiden, an den Major Prüsker durch längere Zeit gelitten, hat sein Ableben im 68. Lebensjahre herb eigeführt. — Das Leichenbegängniß fand am 18. d. M. 2 Uhr Nachmittags unter der Theilnahme einer außerordentlich großen Menschenmenge statt. Zu dem Leichenbegängniffe war ein Bataillon des Infanterieregiments König von Preußen mit der Musikkapelle ausgerückt. Hinter dem Leichenwagen schritten neben den Verwandten des Verstorbenen viele k. k. Officiere, die Rabbiner und Prediger der hiesigen isracl. Gemeinde und eine ungemein zahlreiche Volksmenge. Der Leichenzug bewegte sich von der Röhrengaffe über den Graben und Wenzelsplatz durch das Roßthor zum isr. Friedhofe. Das ausgerückte Bataillon gab die üblichen drei Dechargen. Herr Prediger Profeffor vr. Kämpf hielt beim Grabe eine sehr ergreifende Rede. — J. B. „Ein Eingriff in die Legislative!^ So klingt die Phrase, mit welcher Hr. Dr. Wiener in der am 11 d. startgehabten Sitzung der Prager jüd. Eultusrepräsentanz das Projekt der Verbindung einer Lehrerbildungsanstalt mit einem Waisenhause kurz abs.rtigte. Freilich, Hr. Dr. Wiener ist Advokat, Stadtrath, etc. erc. und er muß es also verstehen, was ein Eingriff in das Recht oder in die Rechte heißt, und seiner Stimme oder der Stimme eines ebenso graduirten und in gleichen oder ähnlichen Amts- und Würdeverhältnisse stehenden Mannes muß man Folge leisten, will p.an nicht etwa in den Verdacht der Renitenz gegen die bestehenden Gewalten oder gar in den Geruch der Revolution kommen. „Em Eingriff in die Legislative." Wir wollen einmal betrachten, von wem ein solcher auSgehen kann. Erstens, glauben wir, von der erekutirenden Gewalt im Staate, wenn sie ohne Zustimmung der zur Legislative mitberufenen Körper Verordnungen erläßt und aufrecht erhält, die mit den bis daher zu Recht beft.henden Gesetzen im Widerspruche sind, oder wenn sie solches durch die ihr untergeordneten Organe geschehen läßt. Zweitens — ja, wir müssen eben offen unsere Unwissenheit eingestehen, wir wissen von keinem »Zweitens". Der Wunsch, daß irgend ein Gesetz, eine bestehende Einrichtung abgeändert, verbessert, erweitert oder beschränkt werde, und daß diese Acnderung, Verbesserung, Erweiterung oder Beschränkung >nit behördlicher Bewilligung und unter behördlichem Schutze geschehe, kann doch wohl kein Eingriff in die Legislative genannt wetden.Eonsequent müßten dann alle staatSökonomischcn und sonstigen Pläne über allgemeine Interessen, die in Zeitungen, Brocküren und in Eingaben an die Behörde gemacht werden, Eingriffe in die Legislative genannt werden. Ein Eingriff kann dreierlei Natur sein. Er kann fördernd wirken, wie das Eingreifen der Zahnräder in einander; er kann regnliren, wie der Eingriff deS reiten i^L?w<J1icn>.blr,"cv .3"1cu?110 bcr ftfbcr einer lalmudifchen Capacitäk. — Warum wir selbst nicht für „Rabbinerseminarien" schwärmen' “r 14 ^gründender Svene wvhl bald Gelegenheit finden darmleacn. Ai:»,rrlu»z dcr