Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1864-12-15 · 6 (15.12.1864) · p. Seite 55

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
6 (15.12.1864)
Date
1864-12-15
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/9050333-9088672-9050386--0061-9050393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

uns verbürgte Anekdote beweist: „Eines Freitagabends ließ es! der damalige (Saurer sich fceifomnteit, das dem Bameh madlikin j Leigefügte Omar Rabbi Chanina mit einer sebr webmüthigen Melodie vorzatragen. Die Mehrzahl der Zuhörer war begeistert; und gerührt. Ein gebildeter Freund des Canrors stellte diesen nach dem Gottesdienste darüber jitr- Nede, wie es ihm einfallen konnte, eine fast ftlologische Mischnah jtt singen. Bevor der kluge, lächelnde Sänger antworten konnte, utischte ein Athenicnser der Pnßta sich niit den Worten in's Gespräch: „($i, Sohlenleder in gute Sauce eingemacht hat auch j Geschmack." So weit geht alles mir einigem, wenn auch nnpas-! sendein Hutnor ab. Doch nun zur traurigen Kehrseite. . I " ' Während diese und ähnliche Gemeinden prachtvolle Tempel! (wir hätten fast Theater gesagt) bauert, sirtd Knaben und Mädchen! in denselben engen, niedrigen und dnmpfi zen Sckullokale zusammen- I gepfercht, und diese sind schon dadurch sanitätswidrig, daß die! Tbüren der Schnlzirnmer direkt auf den allen Luftströmungen artsgesetzten öl^of münden. Za, es ist ein Faktum, daß in der Gemeinde, welche wir zum Mttster genomntert haben," dn ab r durchaus j keine Ainstergemeinde ist, binnen drei Jahren drei Lehrer schon an Lungenkrankheiten darniederlagert. Gibt es nicht aber da auch intelligente Leute, die solche Mißverhältnisse nach ihrem wahren Werthe zu schätzen wissen? O ja; eo gibt auch deren, aber einestheils sind sie in der Minorität, attderetseits besitzen sie nicht Opserwilligkeit genug für eine Knltusstener, oder sie sitzen, trotzdem sie (wie ihre am Sabbath offenen Geschaftslokalc unb andere Umstände beweisen), nicht zu den „Gesetzestreuen" gehören, im Vorstande und sehen sich zu steten Eonceffionen genöthigt. Die orthodoren Freunde des sattg- und klangreicken, keineswegs aber anständig geregelten Gottesdienstes, die als dir bedeutendsten Eontribttenten auch auf das Schulwesen Einfluß üben, denen z. B. Sedrah-Maawirsein höher gilt als moderne Bilduitg, ziehen cs vor, ihre prinzipiellen Antipoden tu beit Vorstand zu wählen, um alle möglichen Concessionen durch Volkstributren in Gestalt einzeltrer Chewrah-Gabaim u. dgl. zu erzwinget!, als sich selbst in den - Vorstand zu setzen und Cynceffionen abzwingen zu lassena Gott und die Einführung einer vernünftig geregelten Eultussteuer besser's. ^Ücutmgfalliges. Schulstiftuug. Der Prager Bürger .und Kaufmann Herr | Joseph Cachler hat, als ehemaliger Schulinspecror der hiesigen! Josephstädter Haupt- und Unterrealschule, vor zwei Jahren, aus s Attlaß der Dee nirung des seither in den Ruhestatid getretenen Hauptschnldirektors Herrn Markus Winternitz mit dem goldenen j Verdienstkreuze, eine Schulstiftung gegründet, deren Interessen | alljährlich am 2. December an einen dürftigen braven Schüler j dieser Schule als Beisteuer zum Ankauf von Schulutensilien vcrj abreicht werden. Zut vorigen Jahre war diese Stiftung behörd-! kich noch nicht realisirt und es wnrdetp daher gestern zwei Zöglinge betheilt. Ter prov. -Hauptschuldirektor Herr Utitz hat damit eine j kleine Feierlichkeit verbunden, der der Cultusvorstand Herr Ernst > Wehli, die gegenwärtige Schulinspection, der Wohlthäter Herr; Gichler, die männliche Schuljugend und das Lehrpersonale beij wohnte. Nach der Feier erlegte der hochherzige Gründer der , vorerwähnten Stiftung noch 5 fl. zur soglcichen Vertheilung an fünf andere arme Schüler. * Herr I. E. Alois Zucker aus Ckpü in Böhmen wird am , 17. d. M. zur Erlangung der juridischen Doctorswürde öffentlich disputircn und am 22. d. M. iin großetr Saale des Earolinttms j zum Doctor der Rechte protnovirt merben ’ j Berlin. Die Wahl für die Direktorstelle der Auerbach'schen j Waisenhäuser ist aus Hin. Dr. Bernhard Auerbach, den Sobn des verewigtet! Baruch Auerbach, gefallen; der Wahlakt geschah unter Leitung eines vorn Magistrate deptttirten Stadtratbs und 1 ergab ein einstimmiges Votum für den Gewählten. Möge die ■ Anstalt unter ihren! neuen Direktor ebenso gedeihlich wirken wie sie bisher'segensreich gewesen; anZnildberzigen Spenden seitens unterer -Gemeindemit.-lieder ttnd besonders ihrer edlett Frauen wird es niebt fehlen. Die Berliner Geineinde hat von jeher im Rnre aufopfernder Wohlthätigkeit gestanden ttnd, ntit Genngthitung! bars ich es austprechen, sie sucht noch jetzt ihren Ruhm im Wohlthun; Zeugnis; dafür geben ihre zahlreichen älteren Stiftungen, > zu denen fast jedes Jahr neue hinztttreteit. Unter letzteren hat! die erst seit kurzer Zeit bestehende Hnmboldstistnng zur Unter- 1 stützung jüdischer Studirender der Medizin bereits einen solchen Fond angesammelr, daß sie jährlich für die Promotion zweier Aerzte Stipendien von je 125 Thalern ausfetzen kann. Aehnliche Ziele stellt sich die von unserem berühmten Glaubensgenossen Herrn Professor Traube im vergangenen Monat begründete Stiftung, mit der einzigen Beschränkung, daß bei Bewerbung um ein Benesizium in erster Reihe jüdische Studireude aus feiner Vaterstadt berücksichtigt werden , sollen. Professor Traube ist für Krankheiten der Brust und der Athmungsorgane anerkannt die erste Autorität in Deutschland, ja ich kann wohl sagen in Europa; denn nicht nur aus allen Ländern dieses Erdtheils, sondern auch aus Asien und Amerika kommen Patienten, ihrt zu confttlrircn und sich seiner Cm zu unterwerfen. Einen auf verwandtem Gebiete gleich ausgezeichneten Israeliten hat Berlin leider vor Kurzem verloren, nachdem er erst seit wenigen Monaten für die hiesige Universität gewonnen worden war. Es ist der Professor der Naturkunde Ist'. Pringsheim; er hat uns verlassen, um einem Rufe als ordentlicher Professor an der Jenaer ,Universität zu folgen. (Hebrew.) * Der ,,Tempo" läßt sich aus Trcviso berichten, daß der dortige Bischof Msgr. Zuitelli an der Dontkirche ein öffentliche Rüge , gegen jene Katholiken gerichtet habe, welche sich am Leichenbegängnisse des Israeliten Herrn David Mandolfo ans Triest betheiligt batten. Falls sich wieder ein solcher Fall ereignen sollte, würde er mit kirchlichen Eensuren Vorgehen. Wir hoffen, daß die Jttdcn in Treviso nicht rachsüchtig sein, und dem Leichenbegängnisse des Herrn Bischofs gern folgen werden. Monstantittgpel. Ein Mnselntann ging ntit seinem Kinde durch das israelitische Stadtviertel, wo das Kind sich von keiner Haitd verlor. Der Vater begab sich aus die Polizei. Alsogleich begab sich der Kavas-Baschn sPolizeilientenant) mit einer Escorte von Polizisteit an Ort und Stelle. Zwei Israeliten, welche in einein Bäckerladen saßen, unterhielten sich mit einartder. Der Eine sagte: „Diese Angelegenheit ist also jetzt beendet." Diese Worte hörte der Kavas-Bastht. Sogleich faßte er Verdacht-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.