Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 6 (15.12.1864)
- Date
- 1864-12-15
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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54 senlanz gegenüber erklärt bat, sich nicht in der Lage zu befinden, bis ZUM Jahre ISIS die nöthigen Ausweise beischaffen zu können. Das Eonsoninm hat vielmehr biö zum Jahre 1858 der hr?heil LandeSslellc, respccrive der hohen Statthalrerei, Rechnung gelegt, nnd über die Richtigkeit der gelegten Rechnungen ein Absolntorinm erhalten, das zu Jedermanns Einsicht beim Eom'vrtinm erliegt; es ist unwahr, daß das Eonsortinm der Landesrepräsentanz gegenüber sich bereit erklärt hat, von da ab — d. i. vom Jahre 1818 an, der Anforderung der Repräsentanz zur'Rechnungslegi'ng um so vollständiger nachzukommcn. A4 2. Was die zweite Frage des so gut unterrichteten Anonymus betrifft, warum die vom Jahre 1817—ISIS vorgenommencn Absindungen, oder, wie er sich in. euphemistischer Weise anszudrncken beliebt, diese „Landplage" nur einige Kreise getroffen und andere davon verschont geblieben sind? so mag er seine Beschwerde hierüber vor den nun größtentheils im Todesschlunimcr ruhenden ehemaligen Steuerdirektionsbeamten, so wie da, von wo der allerhöchste Gnadeuakt, dem zu Folge die jüdische Sondcrsteuer für den ganzen Umfang der Monarchie aufgehoben wurde, ausgegangcn ist,- Vorbringen, oder aber vor den Geist — des Jahres ISIS, das so manche Tinge anders gestaltete, als menschliche Voraussicht berechnen konnte. Das jetzt bestehende Eomire, da? erst seit dem Jahre ISIS die Leitung nnd Ordnung der durch die Wendung der Ereignisse im Jahre 1818 in Böhmeir sehr verwickelt geworde.nen Srcuorangelegenheit übernommen hat, tragt daran keine Schuld. Was von diesem seit dieser Zeit geschehen ist, und wie es nur seinem rastlosen Bemühen, in Folge der mir dem allerhöchsten Acrar eingeleitetcn j Dergleichsverbandlnttgen gelungen ist, zum Besten der böhrnischen! Judemchast, die bis dahin nur über eilt kleines und unbedeutendes j Vermögen zu verfügen hatte, ein bis auf circa 400.000 fl. ö. W stch bezifferndes Vermögen zu erzielen, das ist fürwahr .ein Verdienst eines anderen Dankes werth, als deffen, der ihm bis- , her zu Thcil geworden ist, und kann und wird nur von jenen in Abrede gestellt werden, die entweder verblendet das wahre Sach- : verbältniß nicht ein scher: können, oder boshaft genug sind, um es nicht einsehen zu wollen. < stk eh men S ", Herr Redakteur! die Versicherung hin, daß das mit dcrVerwa.nrng, der Srenerangelegenheit bis jetzt aus den achtbarsten Männern bestehende Eomiie stets bereit sein wird, arrs jede an dieselbe in dieser Beziebring gestellte Anfrage, auf jede irr honetter Weise verlarigte Auskunft, Rede mib Antwort zu, geben; daß es aber jeder, ohne Kennrniß der wahren Sachlage von woher immer ausgehenden Verdächtigung, sowie jeder unbercchngren Einmischung, auf das entschiedenste entgegentrcren , werde. Leider haben derlei, wenn auch mitunter in guter Absicht gemachte Einstreuungen lind erboberie Einwendungen verschuldet, | daß daö prosikiirte und allerhöchsten Ortes genehmigte israelitische Waisenbans, das schon längst hätie für Prag und Land segenreich wirken können, bis jetzt nech ein frommerWunsch geblieben- und nech jetzt nicht mit Gewißheit bestinunt werden kann, wann! ZU deffen Realisirung mit Ernst geschritten werden wurde. k. Gänse fleisch und Orthodoxie. Pest 0. Dez. Mein erpe: Bericht betrifft einen cigeuthümlichen Gegenstand, | tcr ]u1 erlich 'eine korni'chc— aber auch leine unbestritten ernste Seite hat, der dein Nicktkcnner ungarrlch-jüd. Verhältnisse von sehr ' Anicrgcordnerer Bedeutung, hingegen dem nur der Sachlage j -^errrantcru als ziemlich in die geistigen, ivie geistlichrn Zttstäude! w.archer rinaarrschen Gemcindc eingreifend erscheinen dürste. — Wie Ihnen nämlich auS den offiziellen Blättern vermurblichbereits bekannt, bat der ungarische Stüttbaltcreiratb die Einbebung der sogenannten Koscberfleischtare als nicht zu Recht bestehend ststirt. Sogroß sich auch hiedurch der Ausfall in den Einuabmeu der Pester Cultusgemcinde erwiese, ,'o wäre dieser doch durch eine vcrhälrnißmäßige Erhöhung der Eulrussteuer zu decken, die in dem reichen, mit immensem Handelsverkehr gesegneten P»st uickr sobald eine drückende Last z:t werden vermag. Anders ist es jedoch, j wenn diese Maßregel für die sämuttlichetl Gemeinden Ungarns j Geltung baberr sollte. Da gibt cs nämlich ruauche Gemeinde, in welcher sämnttliche kultuellcu Bedürmiffe blos von dieser Fleischsteuer, alias Briefclgeld, tcirriireit werdeir, und wo durch diese Abgabe der Gemeinde auch der religiöse Charakter aurgedrückr wird, und diese unter anderen Verhältnissen vielleicht von de: Verehrung Löw's überströmre, während sie jetzt mir Somoarhien für Hildensheimer großlhtlt. So B. die von Pest etwa 10 Meilen entfernte Gemeinde X., wo im Interesse der rituellen und der Sreuerkontrole die Ausschrottung des Rind-, Kalbnnd Schasfleisches als ein Gemeinderegal verpachtet und mit allen Nächrheilen und Gehässigkeiten eines Monopols durch den Jffur gegen den Schmuggel in einem Zeitalter geschützt erschien, in welchem selbst die Bannblitze ans Rom kaum mehr mir fairem Schlage treffen. Der bedeutende Ertrag, welchen dieser Gemeinde namentlich das Briefelgeld von den unzähligen, sährlich nach Pest und Wien ansgeführten Gänsen abwarr, machte es ihr bisher möglich, bezüglich der Torirung ibres Kantors u. s. w. mit dem Lurus der Großstädte zu concurriren, nnd zeigte zugleich, in welch' naher Beziehung Gänsefleisch und Onbodorie zu einander stehen können. Ein Freund von uns, der längere Zeit zu X. domicilirte, fand, trotzdem, daß X. weder au der T'.ber noch an cinenr anderen Flusse oder Bache, auch nicht ans sieben Hügeln, sondern in einer unabsehbaren Haideebcne gelegen ist daß es in mancher Beziehung Aehnlichkeir mir Rom habe. Wie in Rom das Kapirol, so wurde hier die Gesetze streue lein beliebter Ausdruck der Hildesheimerianer) durch Gänse gcrerrct. Sollen diese uämlick aus dem Salzgries in Wien als gehörig legirimirr willige Käufer finden, so muffen ihre Paffe, vulgo Hechscherzetrel durch einen Nabbiner von unbezweisell orrhodorer Gesinnung unterschrieben sein. Ein solcher Rabbiner fcmu aber den Hechscherzetrel nur jenen Leuten ausstellen, die irr ritueller Beziehung mackellos sind. So ist nun die Gemeinde, bereit Mitglieder größern TheilsdaS Gänsl ergewerbe betreiben, genörhigt, einen strcnggläubigert Rabbiner anzustellen, und dieser Seelenhirte hinwiederum juut mindesten über einen Theil seiner Heerde eilt sterS wachsames Auge zu haben. Doch noch ein anderes Eharakteristikon haben Roni nnd X. mit einander gement. Wie in Rom die unteren Volksklaffeir voll den Machthabern oft pauem et circenses forderten (Brot nnd Eireusspielc), so verlangen auch die Gänsler zu X. vo>l ihrem Vorstände für ihre Steuer nicht nur die He chscherzettel als Mittel zur Erhaltung, sondern auch das Mittel zur Unterhaltring. Wo aber will der wenig gebildete Jude, der für Theater, Eoncerte, Lektüre u. s. w. weder Verständiriß noch Gelegenheit hat, die Unterhaltung leichter finden als in der Synagoge? Ja, rhcnerer Leser! Dil wunderst Dich; Du hast Dich gewöhnt, de l Tcinoel oder die Sonagvge als Gotteshaus anznschen, wo alles nur ans Erhebung des Geistes nnd Gemüihes $u Gort, nicht am eitlen Obrenkitzel abgesehen ''ein soll. Dich verdrießt es vielleicht, ioeilil der Eaiitor eine profane oder dem Terre nicht angepaßte Melodie vorträgt. Da versteht man'S in X. besser, >vie folgende,