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Das Abendland · 1864-12-15 · 6 (15.12.1864) · p. Seite 56

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
6 (15.12.1864)
Date
1864-12-15
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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— 56 — -daß, die- Juden das Kind gestohlen hätten, um cs bei Gelegenheit der Eamich-bairam-Fcste zu opfern; er befahl den Polizisten Hie beiden Israeliten' zu greifen und zu binden, was auch unter Säbelhieben und- Stockfchlägcn geschah. Alsdann begab sich der Kavas-Baschi mit seiner Eskorte in einige israelirische Hauser, indem er sich dieselben Mißhandlungen gegen Männer, Franzi und Kinder erlaubte, um zu erforschen, wer das türkische Kind gestohlen habe. Indem er durch die Straße ging, um" noch andere Häuser in derselben Weise zu durchsuchen, bemerkte er an die Mauer gelehnt ein weinendes Kind, das nach feinem Vater rief. Es war das verlorene. Als man es fragte, ob es von den Juden mißhandelt worden sei, sag:e es, daß ihm Niemand etwas zu Leide gcthan habe. - Der „Courrier d'Orient" sagt in Bezug hierauf: „Wann wird man denn endlich aufhören, die Juden für Kinderfreffer zu halten, wann wird man aufhören,-sie bei den geringsten Anlässen zu mißhandeln? Es wäre, gerecht, daß der Kavas-Baschi in eremplarischer Weise bestraft werde." Die „Archives isr." fügen noch Folgendes hinzu. „Wenn die hohe Pforte solche Vorgänge erfahren würde, so würde sie sich beeilen, den Urheber derselben zu bestrafen. Die türkische Regierung ist in Bezug auf ihre israelitischen Unterthanen von den besten Absichten, von dem gcrechtesten.Geiste beseelt.' Die Leiter derselben stehen hierin den Staatsmännern des Occidents nicht nach: aber sie erfahren nicht Alles, und die'Subalternbeamten sind wie in manchem . europäischen Lande noch um ein halbes Jahrhundert zurück. Die mißhandelten Personen sollten" sich an die Regierung wenden. Die Zeiten sind vorüber, in denen eine solche Klage hätte gefahrbringend werden können.". Konstantinopel. Der „Edicatore israelita“, eine italienische Zeitschrift, gibt einige interessante Daten über den Ursprung der hiesigen israelitischen Gemeinde. Als Sultan Mahomed II. 'am 29. Mai 1113 Konstantinopel erobert und somit dem oströmischen Reiche' ein Ende gemacht hatte, ließ er einen 'großen Th eil der christlichen Bevölkerung tödten. Um nun die verödete Sradt wieder'zu bevölkern, gestacrete er den Juden seines weiten Reiches nach Konstantinopel zu ziehen und' gewährte denselben viele Dortheile. Als der Sultan nach einigen Jahren die Insel Morea eroberte, veranlaßte er die jüdische Bevölkerung derselben, nach Konstantinopel überzusiedcln. Während, in Europa um dieselbe Zeit die Juden in äußerster Niedrigkeit lebten, verfolgt und gedrückt wurden, genoßen-sie unter Sultan Mahomed II. der vollsten Freiheit; einer der Leibärzte des Sultans war ein Jude, ein anderer Jude wurde vom Sultan mit einer Gesandtschaft beehrt. Rabbiner zu Konstanunopel war zu jener Zeit R. MoseS Kapsali. Als sich nun unter türkischer Herrschaft die Gemeinde ' ungemein vergrößerte, so ließ der Sultan Erkundigungen einziehen, vb der Rabbiner der ehemals unbedeutenden Gemeinde auch befähigt sei, dcnr nunmehr so großen Wirkungskreise vorzustehen. ES ergab uch, daß der Rabbiner ein eben so gelehrter, wie weiser und strengrechtlicher Mann war. Der Sultan bestätigte ihn in seinem Amte, erwies ihm viel Ehre, ließ ihn vor sich kommen und gab ihm auf dem Rückwege das Geleit vom kaiserlichen Pallan bis zur Wohnung deS Rabbiners, wiewohl der Weg! ziemlich weit war. Einst wollte der,Sultan sich persönlich von der GercchtigkeitSliebe deS Rabbiners überzeugen. Verkleidet wohnte er unerkannt einer jüdischen Gerichtssitzung bei. Gerade hatte ein armer Mann einen Prozeß mit einem der reichsten und angesehensten Israeliten Konstantinopels. Der Rabbiner erwog die Angel zcnheit sorgfältig und vernrtheilte dann den Rachen. Dieser weigerte sich daS Urtheil'anruerkennen, pochte auf seinen Reichthum und sein Ansehen. Unerschrocken und unbestechlich that der Rabbiner deu Widerspenstigen in den Bann nnd zwang ihn dadurch die Ansprüche des Armen zu befriedigen. Als der Sulten mit seinen Begleitern deu Gerichtssaal verließ, agte er zu diesen: „Hier habe ich einen Ricktcr gesehen, der ist, wie ich ihn wünsche." Von diesem Tage an gewann'der Sultan den Rabbiner sehr lieb, überhäufte ihn mit Ehren und berief ihn endlich in seinen geheimen Rath. — Der jüdische Leibarzt des Sultanhieß Hakim Jakob; auch dieser war ein Liebling seines Monarchen und wurde von demselben später zum Schatzmeister ernen nt.' Wir erbalteu folgende Zuschrift: , . . - Suum cuique. Verehrter Herr Redacteur. Sie haben in Ihrem geschätzten Blatte vom 8. December S. 38 die- Adresse der Culrusgemeinderepräsentanz an unseren verehrten Herr Professor Wessely, als von mir versaßt bezeichnet; da ich niemals ein lbs? lrxr* rvot:2 Mbn» war, so bitte ich zur Steuer der Wahrheit in Ihrem nächsten Blatte die von mir Unterzeichnete Erklärung aufzunehmen, daß Verfassung und Stil dem Secretär 'unserer Gemeinde, Hrn. J. G. Philipp TeweleS angebört und ich die Adresse als Präses und im Namen der Repräsentanz gezeichnet. Mit aller Hochachtung " ' Prag U. December 1861. ' Ernst Wehli. :;r. Eerespondenz der Redaktion..'' Herrn D. K. Rabb. in H..— Ihr uns frcundlichft zugemittelrer Aufsatz veranlaßt uns, der Gemeinde zu graruliren, die einen solchen Wohlredner besitzt.'— Aber wollen 2ie freundlichst erwägen, daß es ein Anderes ist, von der Kanzel herab und wieder ein Anderes, zu eiuem Zeitungspubü« kum zu sprechen. — Die Logik der Kanzel und eines Ze mngsarnkels sind oft sehr verschieden. — Der Redner besticht oft durch eine geschickte Wendung, seine Beweise sind nicht selten blendende, für den Augenblick berechnete und auch nur für so lange gewinnende und bestechende—Phrasen. — Der Journalist wendet sich an den kalten Verstand, an daS nüchterne Unheil; —■ der Redner meist an das Gemüth seiner Hörer. — Wir freuen uns jedoch' der liberalen Anschauungsweise, die aus Ihrem Artikel hcrvorleuchler und nehmen besonders Akt von der Stelle Ihres Aufsatzes, welche lautet: „Ein Jude, der sein Schema betet, nicht Götzendiener ist, gerecht und liebevoll gegen die Menschen handelt, steht, nach dem Talmud, auf dem Boden des Judenthums, und sein Leben stimmt mit der Lehre mehr übcteiu, als das Leben jener, welche die Gebote pünktlich ausüben, aber die Gotiesidee durch Aberglauben trüben, Frömmigkeit heucheln, hart undJerzlos, ungerecht und lieblos gegen Menschen sind. Letztere nennt der Talmud ,,die Gefärbten"; diese heucheln die Gesinnung des Pinchas, während sie heimlich wie Simri handeln." — Den Herren isr. Lehrern Böhmens geben wir bekannt, daß das Comite zur Bcrathuug der Statutendes Urnerstiitzungsvereincs für hilflose isr. Lehrer, deren Wirwen und Waisen rüstig in seiner Arbeit fonschreitet.— Näheres nnd Ausführlicheres in einer der nächsten. Nnminern. Herr Mn. in Nd. — Sie haben unsstatt 3 fl. 75 kr. —4 fl. 75 kr. geschickt, daher wir.Ihnen 1 fl. gulgcschricben haben.— Ihren Aufsatz werden wir benützen. ... I. B. in R. Ihrem Wunsche werden wir entsprechen. Beiträge willkommen. -L vnlgeud c Bitte. Es gehen uns Klagen über unregelmäßige Expedition zu. — An uns liegt wahrlich nicht orc Schuld. — Wir bitten daher., die etwa abgehenden Nummern stets in offenen nnfrankirten Briefen unter _ . der Überschrift „Zeitnngsreklaination" zn verlangen. — Cigcnthümcr, veraiuw. Ncdaklcur u. Herausgeber: I>r. I. NoftUllUkr. — Druck v. S. Freund's Witwe u. Comp, in Prag.

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