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Das Abendland · 1864-12-15 · 6 (15.12.1864) · p. Seite 53

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
6 (15.12.1864)
Date
1864-12-15
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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— 53 auszusprechen, das Recht hat; er wird da wie dort ein vom Staate wie heute vom Volke berufener Beamte fein. Aber daf; mau uns recht verstehe. Alles diese« gilt von der Volksschule, oder wie man vulgär sagt, von den jüdischdeutschen Schulen; anders ist es mit der jüdischen Religionsschule, die rein konfessionell sein soll. Diese wird der Staat eben so wenig von einem katholischen Geistlichen wollen überwachen lassen, als es einem Kleriker einfallen wird, sich alö solcher den Juden aufdringen zu wollen. Diese Schulen oderdie dies bezüglichen Lehrgegcnstände sind gewiß der israelitischen Gemeinde anheimgegeben, und hat sie die Organe zur Überwachung derselben anzustellen. ' * Wir wollen schließlich nicht fragen, wie es um die Schulen bestellt wäre, wo man Rabbinern oder Vcticit die Aussicht anvertrauen wollte, die zur sogenannten orthodoxen Partei züh'lenj die jeder fortschreitender Strömung feind, jedem Bessern nur hinderlich in den Weg treten würden. Beweise für solches uiizeft j gemäßes Gebühren haben die Rabbiner eines Kronlandes gegeben, I die selbst bis zu den Stufen deö Thrones drangen, um die > Errichtung von Rabbinerschulen zu hintertreiben.*) Korrespondenzen und Will Heilungen aus der Zeit. Israel. Cnltusrcpräsentan;. ' > Am 11. Dez. fand eine außerordentliche Sitzung statt. — Der Tag gehörte Herrn Sradrralh Dr. Wiener. Trotz des ihm zu Thcil gewordenen einstimmigen DankcS der Repräsentanz können wir seinen ausführlich ent- I wickelten Ansichten keineswegs beipflichten. — Wir beschränken uns diesmal! auf ein kurz-s Referat mit Vorbehalt eingehenderer Besprechung. >— Herr Dr. Wiener r.-rlaS die von ihm ausgearbeitete Eingabe an die Statthalterei, worin er nachweist, wie nach den vom Steuerkonsorlium vorgelegten Statuten das beabsichtigte Waisenhaus gar nicht gedeihen könne. — Das Vorhaben, mir dieser Anstalt ein Lehrerseminar zu vereinigen, sei ein Eingriff in die Legislatur, (das fehlre uns noch, daß man die Regierung noch^mehr zu dem leidigen Bevormundungssystem hindränge.) * , Schlnßlich wird in der Eingabe angesucht, das Snnungskapital nach dem Verbältniße 2:1 zu trennen; mit dem Drittheile soll das bereits bestehende Träger isr. Waisenhaus vergrößerr werden.— Weiter wird gebeten, daß, falls die Sratthalterei diesem .Ansuchen nicht nachzukommen sich in der Luge ssche, so solle unter ihrem Vorsitze, eine gemeinsame Commission zur Schlichtung dieser Angelegenheit zusammengesetzt werden. ' Die Sonntag den 11. d. M. stattgefundene Plenarversammlmtg der Mitglieder der Meiselsynagoge war eine an unerquicklichen Scenen so reiche,"daß sie resulratlos blieb. Die beabsichtigte Neuwahl des Ausschusses und der Beiräthe konnte nicht vorgenommen werden und mußte für eine nächste Versammlung verschoben werden. Noch einmal die „Ueberschußgelder." Von derselben „kompetenten Seite", von der der Aufsatz in Nr. 2 unseres Blattes herrührte, geht uns folgende Zuschrift zu, die wir um so bereitwilliger veröffentlichen, als wir cs für eine Hauptmission eines öffentlichen, Blattes ansehen, die Meinungen zu berichtigen und ansznklären. Nun glauben wir mit vollem Rechte in der, rücksichtlich der Angelegenheit der „Steuerüberschnßgelber" obwaltenden Consusion der Begriffe den wichtig-! stcu Grund jener Verstimmung und Verbitterung der Gemüther i suchen und sinken zu müssen, die sich nicht selten maniscstirt, sobald ans dieses leidige Thema die Aufmerksamkeit hingelenkt wird. Die Zuschrift lautet: Verehrtester Herr Redakteur! — Die in Ihrem geschätzten Blatte gebrachte berichtigende Aufklärung über das wahre Sachvcrhältniß der von dem Srenerpachtttttgskottsortium in Ersparung gebrachten nild von ihm zu Hnmanitätszwccken bestimmten reinen Ucberschüffe. veraillaßte einen Anonymus unter der Chiffre N. G. zu einer Replik in Skr. 11 Ihres Blattes, in deren dicken Schale von Irrrhum — um nickt mehr zu sagen — auch nicbr ein Körnchen Wahrheit enthalten ist. Zwar sagt Herr X. G. in bescheiden sein sollerrder Weise, voll sich: „So viel irr i r voll der Genesis der Steuer- Überschüsse bekannt ist." Wie viel Ilnbcscheidenheit aber im Grunde in dieser „Bescheidenheit" liegt, geht daraus hervor, daß, wie aus dem Elaborate klar ersichtlich, des VerfassersKenntniß von der wahrer Sachlage sich so ziemlich auf Skull reduzirr. : Vor allem verwechselt Ihr Herr Anonymus — irrrhümlich oder absichtlich mag dahin gestellt sein — zwei Vcrmögensensen mit einander, die in gar keinem Zusammenhänge stehen, d D ie S re üe rr e stenab schn it ts ka ssa, welche allerdings zu dem Vermogensstande der böhmischen Landesjudenschaft gehört,, rührr nämlich aus einer Zeit her, wo es noch gar keine Pachtungsgesellschast gab — als nock das Aerar die Judenftener in eigener Regie hatte. Einem Manne, der sich zu einem Anwälte in einer Streitsache — die nach unserer Überzeugung allerdings keine solche mehr äst — aufwirfr, Härte es demnach doch mindestells klar sein sollen, daß dieses Vermögen in gar keinem Verhältnisse zu den Ersparnissen der Ste verpacht ungsgesells chast steht,' die dieser allein und ausschließlich zukommen, nachdem dieselbe wiederum allein und an s sch ließ lich für die richtige Abfuhr der Steuer die Haftung übernommen. Auf letztgedachtes Vermögen nun hat das Sreuerconsortinm in feinem, mir dem Aerar im Jahre 1816 geschlossenen Vertrage zu Gunsten einer für die Israeliten Böhmens zu gründenden Humanitätsanstalc — nicht aber zu Gunsten der der Indenschast Böhmens also solcher — verzichtet. — Bei einer derartigen totalen Verwechselung diverser Verhältnisse darf man sich wohl nicht über den etwas kühnen Schluß des Anonymus wundern, der ihrl zu dem Resultate führt, daß, weil die Sreuerabschniltsreste, die aus einer Zeit herrühren, wo die Juden Böhmens ihre Steuer unmirre lbar an das allerhöchste Aerar entrichteten, und kein Consortinm ne vom Staate in Pacht genommen hatte, ein Eigenchuin der prager und Landesjudenschaft sei, auch die von der Pachtungsgesellschast, die für jedes Deficit zu hasten hatte, erzielten Ersparnisse, als ein Eigenrhum der böhmischen Judenschaft, der als solcher keine Haftungsverbindlichkeit oblag, angesehen werden müsse. Skoch schlimmer steht es mit dem von dem Anonymus zur Begründung seiner Replik aufgeworfenen Fragen, die alle eine Ignoranz manisestiren, fast unverzeihlich bei einem Manne, der vor die Öffentlichkeit: zu treten sich unterfängt. Ad 1. Es ist unwahr, daß das Steiierpachtungs-Eonsortinrn verpflichtet ist und je verpflichtet war, der neuen Landesreprasentanz über daö vonfthin ersparte Kapital Rechnung zulegen.— ES ist unwahr, daß das genannte Eonsorcium^ der Reprä. , .' Wir haben den Herrn bisher reden kaffen, weil wir tiberhanpt jeder berechtigten Meinungsäußerung die Spalten unseres Blattes nicht verschließen mögen, und wir in der Thar in dieser Ansicht so ziemlich jene deö größten TheileS der böhm. jüd. Lebrer erkennen. — Dessenungeachtet chachen wir kein Hehl daranö, daß wir, ohne gerade „VollblutS-Emaneipalionörittcr" zu fein, einer ganz divcrgen Anschauung hnldigen, und werden wir, Ul der nächsten Runirncr unseres Blattes schon UNS erlauben, dieselbe, wie wir glauben, mit triftigen: Gründen belegt, nnsern freundlichen Lesern auseinanderzusetzen. ilaäibcincrkiliig der Ntdalttiou.

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