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Das Abendland · 1864-12-15 · 6 (15.12.1864) · p. Seite 52

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
6 (15.12.1864)
Date
1864-12-15
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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— 52 - Städte allen protestantischen Sekten und allen Juden, und Holland wurde der reichste und glücklichste Staat. Unter dem Geschrei protestantischer Eiferer und heftiger Indepcndentcnpredigten gewahrt daS Indcpendcntenhaupt Eromwell den Juden Duldung; und diese Thatfache ist nicht minder einflußreich wie seine Schiffsahrtsakre; sie erzeugte die religiöse Gedankenfreiheit, die wahre moderne Freiheit auch in England. Nach urjüdischer Tradition sich bildend, von ihr seine Sprache, Sitten, Moral, ja seine nationale Bornirtbeit und seinen Stolz auf besondere göttliche Auserkorung entlehnend, steht der Puritanismus, besten Haupt Eromwell, da in antiker, imponirender Größe. Was ist es, das mit solchem Zauber an ihn fesselt selbst, in seinen schriftlichen Ucberresten uns so sympathisch anwehr? Isis nicht die Starrheit, der wilde Freiheits- Heldengeist, die ernste religiöse Srrenge, die gläubige Fröhlichkeit, der demokratische Geist des Kultus, die energische Begcisterung für das Abstrakte? Sie sind jüdisch-biblischer Natur, und die Bibel gab durch den Zauber ihrer Reminisccnz Männern aus einem andern Volke, anderer Sprache, unter anderem Himmelsstriche, (wenn auch unter bcstcren Verhältnissen) die Energie der Freiheit, die so wenig von dem Gepräge des duldenden Glaubens an sich trägt! Und doch soll das Judenthum selbst nur Knechtschaft, Verdummung, Engherzigkeit ohne den Schwung des Geistes, ohne "die Sympathien des Lebens, ohne Freiheit sein! — Mit demielben Hohn und mit derselben Voreiligkeit, mit der man heute über daS Judenthum zur Tagesordnung überzugehen pflegt, wurde ihm von den Heiden sein lecreS Heiligthum, fein bildloser Tcmpe'raum vorgeworfen (vaeua sedc3 inania arcana); aber wie aus jenem Heiligihum zuletzt d.ch der Blitz ansging, vor dem ihre Idole versanken, so mag wohl auch das Judenthum — wie sein Bestand beweist — noch lange der positiven Kraft besitzen, um auch in der modenwn Welt seine Einwirkungen fühlbar zu erhalten. Mau anerkennt freilich unter 'den Menschen nur diejenigen, denen äußere Mittel und äußere Macht zustcht, in ihrem ganzen Werthe und ganzen Ebarakrcr, während man.sonst wie bedingungsweise einzelne Eigenrhümlichkeiten an ihnen vermerkt, einzelne Züge beachtet; und so muß sich das Judenthum begnügen, um einzelner Tugenden willen belobt, einzelner Schattenseiten getadelt, m G uzen ober verkannt und nicht gewürdigt zu werden. Aber der Bestand des Judemhums, wie sein Aufgehen in der allgemeinen christlichen Nationalität ist mehr als, wie der Rezensent meint, eine bloße innere Frage; sie bleibt immer von welthistorischer Bedeutung — melthistor isch, durch die Namr seines nicht aufgehobenen, noch immer widerstandsfähigen Gegensatzes, welthistorisch aber auch durch seinen Universalismus, der nicht, wie der Kritiker glaubt, bloße Schmiegsamkeit und Gewandtheit ist, sondern in seiner inneren Natur und Gleichartigkeit mit moderner occidentalischer Bildung im Geiste beruht. Line Stimme aus .dem Lehrerkreise. Uiber jüdische Z.i.v. Die Frage, ob dieJnspcktion jüdischer Schulen wie bisher der katholischen Geistlichkeit anheim gegeben bleibe, oder durch jüdische Autoritäten zu ersetzen sei, wurde lange schon und wird allerwärts noch immer vielfach ventilirt, und hat sich hier wie überall, wo es sich um Reform bestehender Einrichtungen handelt, ein Dafür und Dawider geltend gemacht. Diese Frage besonders in jenen Kronländern eine brennende, wo sich viele öffentliche jüdische Volks-, Normal- und Hauptschulen besindcn. Die Vollblut-Emanzipationsritter, die um jeden Preis von allem emanzipirt^ sein wollen, was nur irgend wie mit dem vormärzlichen System^ in Berührung steht, wollen durchaus die klerikale katholische Aufsicht beseitigt haben.— Die jüdischen Gemeindevorstäude scheinen nur in soscrne für Anstellung jüdischer Inspektoren zu sein, als sie den Grundsatz geltend machen: „Für sein cld k a n n jeder a u ch r e d c 11", ferner, als ihnen die Hoffnung in Aussicht steht, selbst einmal ein solch' „Aus erwählt er" zu werden, dann noch etwa die Gewißheit, nicht die Schule, doch den Lehrer unter ihre Botmäßigkeit zu. bringen, und dessen Wohl und Weh von sich abhängig zu machen. Tie Rabbiner, die hier am ehesten kompetent wären, wollen, wie in allen Angelegenheiten, sich keine neuen Schwierigkeiten und Vcrdrüßlichkeitcn aus den Hals laden, und sie haben bei ihrer prekären und unsicherst Stellung vollkoinmcn Recht, wenn sie höchilcns nur das leisten, was man eben „von ihnen haben will". — Nun wäre aber noch ein dritter Körper da, der auch ein Wort drein zu reden hätte, und das um so mchr^ als cs sich eigentlich um seine Epistenz handelt: der jüdische Lchrer^ nämlich, wenn. inan sonst auch nach seiner Meinung nicht seht viel fragt. Aber sonderbar, gerade bei den jiidischen Lehrern lsi der Wunsch nahezu allgeniein: cö möge bei der alten Einrichtung bleiben, und Schreiber dieses kann sich seincr- C^Cn nur k.[cicm Wunsche einverstanden erklären. — .nwt nur nn Interesse der Lehrer, denen unter Aussicht der ernenn evorpände oder deren Bestallten keine Rosen erblühen Schulinspektion. . - würden, sondern auch im Interesse der Gleichberechtigung, der man hier gerade entgegenarbeiten würde. Wir zweifeln nicht an der guten Absicht des Unterrichtsralhes und geben gerne zu, daß er den Wünschen der Israeliten entgegen zu kommen glaubt, indem er diese Frage anregte, und doch würden wir die Durchführung des Prinzipcs einer exklusiv jüdischen Schulaufsicht sehr bedauern, dennin'unscrn Augen, wäre dies nichts weniger als eine Vergünstigung für die jüdische Schulen, wie es dies wäre, wenn es eine eigene jüdische Gerichtsbarkeit und eigene jüdische Aemter gebe. Der Staat vindizirt sich das Recht der Aussicht über die Schulen, und sie gebührt ihm nicht nur, sie ist seine Pflicht. Der Staat ordnet die inncrn und äußern Angelegenheiten der Schule, hat in dieser Beziehung allgemein giltige Gesetze für alle Staatsbürger ausgestellt, und würde er nur dann im Unrechte sein, wo er eine Nationalität oder Religionsgesellschast der anderen nachsctzt und ihr eine Vergünstigung nicht zukommen ließe, ans die ein gleiches Recht und gleicher Anspruch ist. Der Staat hat für alle Schulen katholische Inspektoren aufgestellt, nicht etwa weil sie katholische Geistliche, sondern weil sie geeignete Persönlichkeiten si/.d, die das nöthige Wissen haben, und zu einer Zeit gesetzlich zu diesem Amte berufen wurden, wo die Bildung nicht so allgemein war. Der katholische Geistliche erscheint in der Schule nicht als solcher, sondern als ein vom Staate angcstelltcr Schulbeamtc, die Volksschule als solche ist weder christlich noch jüdisch. Weder Sprachlehre noch Rechnen und anderes Wissen ist konfessionell, und wäre cs gerade ein Akt der Intoleranz, wenn der Slaat jüdische Schulen nicht von seinen Bcainten überwachen ließe. Sollte es' einmal mit der Revision des Konkordats Ernst, und die Schule von der Kirche emaucipirt werden, so dürste leicht auch ein Jude Schulinspcktor werden, wie er doch schon im Land- und Reichstage seinen ehrenvollen Platz ciunimiut. und erwirb auch über christliche Schulen die Aufsicht haben, wie er jetzt über Finanzen, innere und äußere Staatsangelegenheiten sowohl der Ehristen als der Juden sich

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