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Das Abendland · 1864-12-08 · 5 (8.12.1864) · p. Seite 45

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
5 (8.12.1864)
Date
1864-12-08
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
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— 46 Amsterdam, weil diese Stadt durch dieft Fremden ihren Secbandel bedeutend auszudehnen im Stande sein wird; wir hätten diese Fremden nach andern Städren führen können, wo man ihnen die unbcscbränklcste Freiheit?en, gewährt baden würde, aber wrr führten sie hierher, aus Vorliebe für diese Stadt, denn diese spanischen Fremden haben große Sckätze mit sich gebracht. Wenn es ruck gefallen würde, ihnen die Erlaubniß zu geben, hier unbelaüigt wohnen zu dürfen, so können wir euch die Versickerung crtbeilcn, daß binnen Iabres'rist mehr als fünfzig Familien aus Spanien und Portugal mit großen Eapiialien hierher kommen würden, und daß durch derer Vermittlung Amsterdam, welckcs jetzt nur einen kleinerr Handel hat. der Hauplsitz des Seehandels worden würde." Als der Bürgermeister dieses börte, fragte er sie, wo die Spanier jetzt sich aufhieltcn. Die Antwort war: , In demselben Hause, in welchem wir verhauet wurden." Der Bürgermeister ließ dann die Fremden vor sich kommen, und da sie nur spanisch oder lateinisch verstanden, so wurden sie in der letzteren Sprache befragt. Ihre Antworten stimmten mit denen mnn.s Großvaters und meines Vaters überein. Die Fremden wiederholten namentlich die Versicherung, daß, wenn ihnen die gewünschte Freiheit enheilt werden würde, viele ausgezeichnete Familien von Spanien und Portugal mit großen Schätzen herbeikämen. Ihre Bitte wurde gewährt, und mein Großvater und mein Barer wurden in Frechcit gesetzt. Die Fremden waren ganz außer sich vor Freude und dankten Gott für seine gnädige Fürsorge. Sie schrieben sofort nach Spanien und Portugal und berichteten, daß ihnen von den Amsterdamer Behörden unbeschränkte Freiheit zugesichert worden sei. In Folge dessen kamen viele Fremde von Spanien und Portugal, um sich gleichfalls hier uiederzulassen. Mein Großvater wurde als Chacham und mein Vater als Vorsänger in der neuen Synagoge angeftellt, und zugleich wurde;: sie als die Gründer derselben betrachtet. Als nun die polnischen und deutschen Juden erführe;:, daß Juden auS Spanien und Portugal hier wohnten, kamen auch viele derselbe« hierher und benutzrcn die eAan ste Freiheit, deren sie noch genießen. Dieses Schriftstück trägt die Unterschrift: „U ben Abron Halevy, Sohn des ehrwürdigen Chacham Rabbi Moses Uhri Halevy, des Gründers der heiligen Gemeinde, welche Gott beschützen möge! Amen." ... * Paris, 20. November. Der Temps enthält traurige Nachrichten auS Tunis. D.e gräulichen Scenen, die irr Nabal und Safar stattgcfunden, haben sich auf der Insel Gerby erneuert. Die Arabcrstämme der Akara und der Urghamnm haben nämlich das Iudenviertel dieser Insel überfallen und dort alles vernichtet, nachdem ihre Angriffe aus die Märkte von den Muselmännern znrückgcschlagcn worden waren. Es war am 10. Oktober, als die Araber in den Ternpcl eindrangen und denselben entheiligten. Sic zerrissen die Gesitzrollen, traten die Männer mit Füssen, verwundeten sie und schändeten die Frauen und Mädchen. Der Gouverneur der Insel liest die A.aber ruhig gewähren und verweigerte militärische Hilie. Das Rauben dauerte fünf Tage und fünf -lackte. Der französische Agent von Gerby war der Einzige, der den Unglück.icken ein Asyl anbot. In ganz Tunis herrscht natürlich die größte Aufregung. Kein Europäer glaubt sich mehr sicher. (Blau juht, das aus diesen Barbareöken nicht eher etwas wird, als bicnrvpc.lsche Fahnen dort wehen! (CreheBries au« Tunis.) Paris, im November. Hier erschien unlängst eine Broschüre unter dem Titel „Leben deS Judas", welche voll von Ge- Höffigkeiten gegen unsere Glaubensgenossen war. Sowohl die Alliance israi'litc «1$ auch das Pariser Rabbinat ließen die Absicht merken, gegen dieicS Pamphlet den Rechtsweg zu beschreiten. Als Amor und Verleger davon Kunde erhielten, beeilten sie sich die ganze Auflage den; hiesigen Rabbinate auözuliesern, da beide nicht gesonnen waren, die gerichilichcn Folgen zu tragen. Ai liebt hieraus, wie erfolgreich manchmal energisches Vorgcl <In Wien pcrhorrcscirr man solche Energie.) D. N. 'tzza, den 2. November. Als Kaiser Napoleon unlängst Wn -I\ojntäuu hier seiner: Wnick abüanete, empfing * Ni rnssi'lt' an er- Heu ist. er -Niemanden als die Mitglieder des allgemeinen Naibs und des Sradlrarbs. Der Prär'ect stellte bei dieser Gelegenheit Herrn Abra-;; bam Eolombo, welcher Mitglied des Stadtrarbs ist, dem Kauer in! seiner doppelten Eige-.''ckast, als Präsident des Handelsgerichts und j als Präsiden: der jüdischen Gemeinte, vor. Ter Kaiser unterhielt! sich wohl eine Viertelstunde wir Herrn Colombo, fragte ihn nach . j dem Zu staute des Handels unseres Departements, nach d^n Ver- „ j hältnissen unserer Gemeinte und der Aiuabl der;u Nizza woh- «enden Israeliten. Darauf drückte der Kaiser Herrn Colombo^ die Hand, ernannte ihn zum Ril' r der Ehrenlegion und dcco--; rirte ihn sofort eigenhändig. — lieber diese Auszeichnung waren? nicht nur die Israeliten, sondern auch die Nichtjudcn im höchsten! Grade erfreut, da Herr Colombv eine allgemein geachtete Per-, j sönlichkeir ist. Zu den an unserem Friedbefe norhwendig gewordenen Ver- , bessern«gen haben Herr Camondo aus Constanü opcl 500 F;s>, Herr Sebag ans London 100 Frs. und Frau Baronin von- Hirsch aus München 150 Frs. gespendet. Die Wohllhätigkeit und die den Tobten schuldige Achtung ist bei den Israeliten aller Länder dieselbe. * London, im November. Wie dem „Iew. Chr." milgethcilt wird, war die Laubhütte des Barons Mcntesiore mit Früchten aus dem Garten des Kaisers von Marokko verziert. Tunis, den 28. Oktober. Cs ist wiederum ein Unglück zu berichten: Der muselmännische Fanatismus, welcher von den Localbehörden geduldet, ja ermurhigt wird, hat sich gegen unsere Brüder auf der Insel Gerby entfesselt. Ihr Unglück ist unermeßlich, und eine ganze Bevölkerung, welche alle Schrecken einer entsetzlichen Barba ei erduldet hat, ist nunmehr dcc Verzweiflung und dem traurigsten Mangel preisgegeben. Die arabischen Stämme Akroa und Urzhuaima haben die reiche und bevölkerte Insel Gerby beraubt. Nachdem sie versucht hatten, die Märkte zu plündern, von wo sie der Widerstand der Muselmänner zurückgetriebcn hat, haben sich diese Wilden auf die schwächsten, aus die jüdischen Staditheile, gestürzt, haben Allesberaubt und vernichtet. Es geschah am 10. d. M., am Versöhnungstage. Die Svnagogen wurden beraubt, entweiht, beschmutzt; die Thorarollen wurden zerrissen und verbrannt, die Männer wurden mit Füssen getreten "nd verwundet, die Frauen und Mädchen auf daS Empörendste mißhandelt. Meine Feder sträubt sich, alle die grauenhaften Unmenschlichkeiten zu e zählen, deren Schrecken diese Unglücklichen haben erdulden müssen. Der Gouverneur der Insel weigerte sich den Unglücklichen Hilfe zu. senden. Fünf Tage und fünf Nachte währte-die Plünderung; sic hörte nickt eher auf, bis den Israeliten von Gerby ihr letztes Kleidungsstück geraubr war. Der französische Agent zu Gerby ist der Einzige, welcher den Unglücklichen eine Zuflucktftätte angeboten hat. Unser würdiger Consul, Herr von Bcauval, hat ihm sofort seine Anerkennung hierüber ausgesprochen. Außerdem hat er uns autorisirt, zu Gunsten der Unglücklichen eine Eollccte zu veranstalten, an deren Spitze er sich mit 30!) Piastern stellte. Ich hatte Unordnungen vorausgesehen, aber ich hatte nicht geglaubt, daß sie m diesem Augenblicke «intreten würden, da die Negierung, gestützt auf einige kleine Siege, das Land für beruhigt erklärte,— zumal auf der Insel Gerby, welche häufig von englischen Schiffen besticht wird. Diese Thatsachen sind geeignet, jedes Vertrauen in die Zukunft abzusckneidcn. Bei diesen traurigen Zuständen muß sich die brüderliche Gemeinschaft im großartigsten Maßstabe zeigen. Die „Alliance israülite“ ist berufen, hiervon eine Probe zu geben, mehr noch durch das Gewicht ihrer Stimme alö durch die Reichhaltigkeit ihrer Mittel. Mau zittert bei dem Gedanken, daß im Jahre 1861 nur wenige Meilen von unfern Küsten, an den Pforten unserer Algerischen Colonie, solche Scenen deS mittclalkerlichen Vandalis.l»S sich haben erneuern, solche entsetzliche Gewaltthatcn haben vor sich gehen und unbestraft bleiben können. Mau darf nicht langer dulden, daß die Söhne umeres Volkes der Willkühr nrördcrischcr Horden prcisgcgk'bctt seien. Es ist Zeit, daß in der ganzen Welt die Bibel, der Ursprung unserer Zivilisation, ebenso geachtet werde, wie das Evaugcliunr und der Koran.

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