Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 5 (8.12.1864)
- Date
- 1864-12-08
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- 45 - Regierung wolle bochgeneigtest gestatten, daß wir dem Dr. Rah- M e r zu Thorn, a!S einzigem Rabbiner im Kreiße, der uns auch seine Bereitwilligkeit hierzu erklärt hat, die P: ifuug der Zöglinge unserer Schule im Hebräischen änillich üb rcragen." Dieses Gesuch beschieß die königl. Regierung abschlägig, „weil die gesonderte Kontrolle des jüd. Religionsunterrichts durch einen eigens bestellten Revisor — in der Personj des Rabbiners Di'. Rahmer — weder irn Gesetze noch im Herkommen begründet sei, solche auch voraussichtlich zu Unznträglichkeiten führen würde.' i Die Sänrlkonlmifsion ließ es bei dieser Antwort nicht bewenden, sie wiederholte vielmehr ihr Gesuch, sich auf das hohen Orts bestätigte Gründungs-Statur berufend, wonach der jüd. Lehrer verpflichtet sei, im Hebräischen zu unterrichten. Wozu er aber verpflichtet sei, davon müßte mail sich doch dmch Prüfungen überzcngen können. Den christlichen Inspektoren fehle aber hierzu die nvthige Qualifikation. Die Negierung blieb bei ihrem erstcri Bescheide stehen. Hlerauf beantragte die Schulkommission, daß, da statuten' mäßig der angestellte Lehrer nach den ersten 3 Jahren definitiv angestellt werden müsse, bevor dies geschehe, eine Prüfung der Schüler im Hebräischen durch denDr. Rahmer gestattet werden möge. ' Hierauf antwortete die Regierung, wie folgt: „Die Revision der jüd'. Schule tu der Religion und im Hebräischen durch den Rabbiner Dr. Rahmer ist unstatthaft; dagegen stehr es Ihnen frei, Ihre die dortige jüd. Schule besuchenden Kinder^ außerhalb der Schule durch den Rabbiner Rahmer aus Thorn oder durch eine beliebige andere Persönlichkeit privatim prüfen zu lassen." : (5s blieb nun der Schulkommission nichts weiter zu thun , übrig, als über einen so eklaranren Eingriff in die Rechte der Gemeinde, ihre Kinder in ihrem Schullokale prüfen zu lassen, bei dem Eulrusminister Beschwerde zu führen. „Wir haben nicht gebeten," heißt es in jener würdevoll und mannhaft gehaltenen Beschwerdcschrifc, „die Prüfung der Schüler in Religion und _ Hebräischem Seitens des Staates vorzunehmen, sondern nur, sie zuzulassen und ihr keilt Hinderniß in den Weg zu legen. Sie gebört aber in die Schule und ist nicht Privacunternehmen, weil die Schule im Ganze»» eiire öffentliche ist, und der Rellgionsuntcrrichr einen ir.:egrirenden Bestandcheil des Unterrichts, und einen _ sehr wesentlichen, auSmacht. Es liegt auch im Interesse des Staates, zu verlängert, daß Religionsunterricht erlheilt, und daß er gut errheilt werde u s. w," . , Am 23. September c. langte' nun folgende ministerielle. Entscheidung herab:. i: .. " : Auf die Eingabe vom 17/v. Mts. eröffne ich der Eomurission der israelitischen Eleinenrarschule, daß es derselben un- ' benommen bleibt, eine Prüfung der israelit. Schüler. iit der ' Religion durch den Rabbirrer Dr. Rahmer in Thorn zu ver- " anstalten, und daß die königl. Regierung in Marienwerder auch Nichts gegen die Beilutznng deo Schullokales zu die-' sem Zwecke einzuwenden bat. Ein amtlicher Charakter der Schulaufsichtsbehörde gegenüber kann aber dieser Prüfung nicht zngesprochen werden. - - - Berlin, den 23. September 1801. * D er Minr st er der geistlichen Unterrichts- und M e- . d i z i n a l - A n g cl c g en h e i t e n. . . In Bertretullg L e h n e r t. So endete deml dieser langwierige, unerquickliche Streit endlich doch mit dem Siege des Rechts, llnd die Geineindemir glieder sind der Schulkommission, besonders den Herren E. Hirschfeld tind Stern b erg, zu Dank verpflichtet für die Ausdauer und Unverdrossenheit, mir welcher dieselben für die Interessen der Sebttle eintrateu. Möge der Sieg zum Gedeihen der Schttle bcrin.tzt iverden! * Jerusalem. Am 28. Tage des Monats Ellnl wurde die neue Synagoge, genannt die Synagoge des Rabbi Iehuda Hachasid, feierlich in Anwesenheit sämmtlicher Rabbinen eingeweiht. Acht und eilt halbes Iabr wurde an dieser Synagoge gebaut, und noch in jüngster Zeit glairbte man nicht, sie vor dem Hcrannaheu der hoben Feiertage eröffnen zu können weil eS an Geld zur Dollerrt :ng derselben fehlte. Da brachte uns die französische Post einen Brief vom Centralcomite zu Amsterdam mir einer Anweisung auf 1200 Frcs., die ein wohlthätiger Mann in Preußen gespendet hatte; da wurde denn Tag und Nacht gebaut, so daß die Synagoge zwei Tage vor dem Neujahrsfestes noch eingeweiht werden konnte, was denn auch unter großein Jubel der jüd. Bevölkerung geschah. , Amsterdam, lieber die erste Attfiedlunff der portugiesischen Jndeil zu Amsterdam bringt folgendes Schriftstück: Der ehrwürdige Chacham Rabbi Moses Halevy, gesegneten' Andenkens, und sein Sohn Rabbi Ahron Halevy, mein ' Vater, lebten beide in Emden, in der Provinz Ostfricsland. lieber ' der Thüre ihres Hauses war eine Inschrift in hebräischer und lateinischer Sprache angebracht, welche lautere: Wahrheit und Frieden sind die Säulen der Welt. Im Jahre 5301 (1601) kamen zwei Schisse von Spanien dort an, auf welchem sich zehn erwachsene Juden mib vier Kinder befanden; diese gehörten zu den d. b. zu den Juden, die gezwungen waren, zum Ehristenthnm überzugeben. Die Schiffe waren mit Gütern von großem Werthe°' befragtet. Einige der Ankönrmlinge kamen an's Land und be-' suchten die Statt. Zufällig sahen sie, wie ein nach jüdischem Ritus geschlachtetes Huhn in das HauS meines Großvaters ge--' bracht wurde, auf das die hebräische Inschrift bereits ihre Auf-; merksamkeit gelenkt hatte. Sietraren ein und erfuhren von meinem" Großvater, daß in Emden u cht allein Inden wohnen, sondern ‘ daß sie auch öffentlich ihre Religion bekennen dürften. : ■'• Am andern Tage erschienen wieder zwei dieser Reiserrden im Hause meines Großvaters; sie redeten ibn auf 'spanisch, an, welches er jedoch nicht verstand; er bat deßhalb seinen Senn Ahron, meinen seligen Vater, mit ihnen zu sprechen. Die Fremden wünschten dieses insgeheim zu thutratet» mit meineln Vater ir» ein anderes Zimmer »md erzählten-ihm, daß sie Inden und a»»S Spanien in zwei Schiffen entflohen seien,' daß sie noch acht Gefährten und neun Kinder bei sich Härten, daß sie wünschten, beschnitten zu werden u»»d zur Religion ihrer Väter zurückzukehren. Mein Vater sagte ihnen, daß es schwierig wäre," ihrem Wunsche, in Emden nachzukommen; er rieth .ihnen jedoch, nach Amsterdam zu gehen, wo sie in einem gewissen Hanse, nahe dem Mo»»ta»lbus-'. Thnrme, eine Zeit lang »vohnen könnten; er würde sie dort in' z»vei ln,' drei Wochen besuchen. Die Fremden folgten dem Ratbe^ meines Vaters, gingen, nach Amsterdam, fände»» das Haus in der Iunkerstraße, gegenüber dein erwähnten Thurine, welchen die Portugiesen noch heute den Abronsthnrm nennen. Meir. Großvater u»»d mein seliger Vater kamen nach Amsterdam. Die Fre»nden} wurden durch diesen Besuch sehr erfreut; die ge»vünschte, förmliche Aufnahme in die jüdische Gemeinschaft fand nun statt und war durch die Beschrieidung besiegelt. - Tie zum Indenthuni Zttrückgetretenen mietheten nunmehr einen Raum, in »velcheut sie den Gottcsdiemt mit großer Andacht begingen. Aber kaum »tunen eiüige Woche»» verflossen, als ihre chnstlichen Nachbarn» sie als Fremde denuncirren, welche von Spanien gckoinmen >väre»l, um hier zu ivohue»», sich bann durch fremde Juden batten beschneiden lassen und sehr heilnlick goitesdienstliche Versammlungen abhielten. Iir Folge dieser Angaben befahl der Bürgermeister, meinen Großvater und nleiuen Vater, zu verhafte»», was auch geschah. 9»ach einigen Tagen »vnrden die Gefangenen vor den Bürgermeister geführt nnd befragt, 'wer ibueit die Erlaubniß gegeben habe, an dieiem One eine nene Kirche zu gründen, Goltesdieilst nach jüdischem Ritus abzuhalteu und die Fremden, »velche aus Spanien komiileu, zu beschneide»»; man cheilte ihnen zugleich mit, daß das G.ietz die Todesitrafe über i»e verhänge. Pinn Großvater n»»d mein Vater antivorceten ringefähr j in folgender Weise: „Es ist »vahr, wir haben daSjeitige gechan, I »vcssen man uns anklagr: aber »vir rbatei» es im Intereffe voit