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Das Abendland · 1864-12-08 · 5 (8.12.1864) · p. Seite 43

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
5 (8.12.1864)
Date
1864-12-08
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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— 43 — Volk, tiefen treucfien Hüter nnb Pfleger bet Familie, au-3 der fein Schönstes „rid Größtes entsprang, bestimmen konnte, offen, herzlich und brüderlich die Arme für diejenigen zu öffnen, die gleich ihm am lodenden Feuer des" heimatlichen HerdcS ibren liebsten Sitz haben. Der Poet darf es nickt sagen, was der Politiker ironisch läckelnd ablehnen wird: dieser Zug innerer Verwandtschaft war am Ende das entscheidende Moment!" Wie herzgewinnend die Kompert'schen Erzählungen sind, möge FolgendeS beweisen, das uns aus dem nördlichen Deutschland ruitgetheil: wurde. In einem Eirkel am Hofe des Großherzogs von Weimar war von der ersten der „Geschickten einer Gaffe": „Die Iahrzeit," in welcher das Todrengebec am Sterbetage eines Familiengliedes, „Kadifch" genannt, vorkommt, bte Rede. Se. königliche Hoheit, der einen Sohn durch den Tod verlor, bemerkte: „Zn protestantischen Kreisen weiß man nichtvom Kadisch, der jedes Jahr au den Heimgang eines geliebten Familiengliedes in wahrhaft poetischer Weise erinnert; ich aber und meine Gemaliu, wir waren beide aufs tiefste ergriffeu, als wir die Komperstsche Geschichte auS der Gaffe: „Die Zahrzeit", gelesen haben." Prcnburg wie Alba bilden in ibren Kultusgemeinden zwei Pa.c.err: die Orthodoxen nnb die Fortschrittspartei. Hat gleich Preßburg der öffentlichen Skandale nickt so viele als Weißenburg aufzuweisen, so gibt es deren im Innern genug, was doch, glaube ich, auf Eins hinauskommr. Weißenburg har gekämpft, beharrlich und ausdauernd gekämpft, so konnte der Sieg 'nicht ausbleiben. Die Fortschrittspartei, als die Majorität, steht rn Gl nz und Eintracht da, zum Nutzen und Frommen der Nachwelt , ach zu Preßburg wird gekämpft! — es ist der Kamps ein stiller, aber nur desto hartnäckiger und ungleich schwieriger, nachdem die Fortschrittspartei den Orthodoxen gegenüber nur klein ist. Ein Beispiel dieses im Stillen geführten Kampfes möge den geehrten Lesern zur Begutachtung vorgeführt werden. Tie Preßburger Iudengemeinde, trotzdem sie zahlreich ist, besitzt nock keine öffentliche Mädchenschule. Die Herren Vorsteher der Primärschule, die zugleich das Innere der Resormpartei repräsentireu, iahen die Nothwendigkeit einer solchen ein, und machten höherrrOrres Schritte dazu. Ihr Gesuch, welches nebst der Bewilligung auch eine lluterstützung beanspruchte, ward vou der köu. uug. Statthalkerei dahin beantwortet, daß sie, im Falle die im Bittgesuche angeführte Armuth der Gemeinde sich konstaiirt, geneigt wäre, (wem: ich eut unterrichtet bin), einen jährlichen Beitrag von 1000 fl. der Gemeinde Preßburgs zufließen zu lassen. Was thaten aber die Obskuranten? Eilends gaben sie das Gutachten ab, daß sie der Hilfe nicht bedürftig sind, und nahmen die Verpflichtung aus sich, binnen drei Jahren eine öffentliche Mädchenschule zu errichten. Bald sind es zwei Jahre, und noch ist nichts zur Sache geschehen, und Eltern, die ihren Töchtern so gerne rmc bessere Erziehung geben möchten, sehen sich in der peinlichsten Lage, denn in den christlichen Instituten finden jüdische Mädchen hier keine Ausnahme; und die eürzige hier bestehende Pripatmädchenschule — ist eben nur eine Privatschule. Die wachsende Armuth allhier, die den Lehrern der Gemeirrdeschule ein Vierteljah r lang den Sold vorenthält, kann und wird dem bereits herrschenden Elend nickt noch mehr Elend hinzusügen, und es ist evident, daß Preßburg keine öffentliche Mädchenschule zu erwarten hat. Dieses Beispiel sonder Gleichen ist nicht nur gceigner, jedwedem öffentlichen Skandal die Spitze zu bieten, sondern ist auch eine Todsünde, begangen an schuldlosen, harmlosen Kindern. Und von wem? Von Frömmlern und Heuchlern! Tie Synagoge von Außen, der Mode nach mit weithin glänzender Kuppel zugestutzt, einem Thürsteher, der in moderner Livree steckt, ist von Innen die alte Schul geblieben. Noch mehr, das alte Gitter hatte wenigstens weite Oeffnrmgen, und die Frauen konncen unbehindert das Aus und Einhebensehen, während jetzt ein enges Drahtgeflecht, wo kaum eine Fliege durchschlüpfen kann, den Frauen das Himmterschauen verleidet. Zum Nebenfluß wollte Reb Feisch besagtes Gitter noch mit Vorhängen versehen wissen, lvelche Ausgabe sich aber die Gemeinde aus bessere Zeiten ersparte. Tie al'en Nigunim, die famosen „Esborcs" sind noch an der TageSon uug, nur die heilige Keduscha wird ausnahmsweise mit einer Arie ans irgend einer volkstbümlick gewordenen frivolen Oper — bombastisch vorgetragen. Das Schreien und sich wie wahnsinnig Gebärden, besonders zu: Zeit der hohen Feste, als wäre der liebe Gott taub, oder als wollten sie der Gewohnheit gemäß auch ihn überschreien, gehört noch zum wahren Gottesdienst! Kaum daß die Resormpartei ihren kleinen improvisirren, nach Verhältuiffeu geschmackvoll ausgestatceteu Tempel eröffnet harten, hieß es schnell "iT1 ]E fiÄEnnj DE“, und telegraphisch wurde der Magrd vulgo Prediger Reb Feisch Fischmann ans Siebenbürgen berufen. Niemand kannte ihn — eine unbekannte Größe, sollte er die Brücke bilden, um die verirrten Schafe durch die Mackst seiner Rede wieder ihrem Gotre zuznsühren, oder besser gesagt, das N e u e im Keime ersticken zu machen. Und, aufrichtig gesag.! wäre Fisckmann der wirklich talentirte Redner gewesen, hätten feine Reden Gebalt und Geist gehabt, wären sie logisch durchdacht und ansgesührt, in gediegener, rein deutscher Sprache seinen Zuhörern gegeben worden — ick kann nickt mir Gewißheit sagen, ob der kleine Resormtempel ans der Gaisgaffe nicht längst zu besteben ansgebörr hätte. Da aber die Zeit des T e n t f chchumes ch's vorüber ist, und man in der Nähe Wiens einen Mannheimer und Ielliuek zu Musterbildern hat, mußten die Herren Obskuranten mir ihrem Redner Fiasco machen, während die kleine Fortschrittspartei in Herrn Dr. Brüll, derzeit in Wien domizilirend, eine glückliche Wahl getroffen hat. Die inhaltsvollen Reden, das Gotrbegeifterte, das richtig Durchdachte, und Ausgesührte, die blumenreiche, schwungvolle deutsche Sprache und was über Alles, sein treues biederes, echr jüdisches Gemüth zu schildern, muß ich einem Würdigen: überlassen, deffeil Feder das Erhabene zu schildern gewohnt. Ich konnte das Wahre nur mit schlichten Worten geben. Das hiesige jüdische Casino steht ganz aus dem Niveau der hiesigen Kultur. B. Eh. - * Bonyhad, 11. Oktober. (Privatmitth.) Der durch die Stuhlweißenburger Zwistigkeiten jbekannte rieuortbodoxe Dr. Guggenheimer, der einzige Rabbiner in Böhmen, der den Protest gegen Horwitz und Mannheimer mitunrerzeichnet hat, ist uns von unserm süßen Mob als Rabbiner ausgedrängt worden. Daß er nicht blos als VC” gefeiert fein will, erweist die Vorsorge, mit der er die Bedingung gestellr, daß feilte christliche Dienstmagd aus Böhmen, wenn es ihr hier nicht gefallen sollte, aus—Gemeindekosten nach der Heimath spedirt werden müsse. Das ist doch nicht orthodox, wie cb*tt?E .T£ß rptfn "1 u. a. es verstanden, das ist doch echt neuorthodop und romantisch! Die Dajanim sind übrigens dieser Wahl sehr froh, denn — sie Haber: diesen Mann nicht zu fürchten. Dagegen sieht man schon jetzt Spaltungen und Reibungen auch hier entgegen, und gerade die besten und begütertster: Einwohner sind entschlossen, Bonyhad zu verlassen. * Brody, 28. Oktober. (Privatmitth.) Tie Nachricht, daß der bisherige Statthalter Herr Graf M enSdo rss-Po uilly zum k. k. Minister deS Auswärtigen und des Hauses erhoben worden ist, hat bier die Herzen mit großer Freude und den besten Hoffnungen erfüllt. Zn klein ist der Zeitraum, der seit dem Besticke des^ bisherigen k. k. Statthalters von Galizwu in unserer »Stadt verflossen, als daß die huldvollen Worte, die er bei uns gesprochen, in ihrer ganzen Bedeutsamkeit ans unS geschwunden sein sollten, nnb gerade ans diese bin können wir vertrauen, daß, soweit der Einfluß deS jbockherzigen Grafen reichen wird, die AuSnahmsgesetze, welche noch ans den Schultern der galizischen ' Inden rllhcn, verschwinden, daß die Grunderwerbssähigkeit von j jenen Bedingungen befreit und die Ghcttis anfhörcn werden, i Der treue Minister hat die Vorzüge nnb die Mängel der Inden j in Galizien unparteiisch würdiger: gelerirt und wird, soweit es an! ihm ist, jene s. den: und diese mildern Helsen, j Und so crgeht unser Gebet an Gott, daß dessen Segen! aus dem schwieriger: Werke des neuer: Herrrr Ministers ruhe!! * Bukarest. Ein mysteriöser Fund. Die Auffindung I der Kindcöleiche im Hause des Hrr:. Halsor:, welche der dort er j scheinende „Sncimut" als vor: beit Juden gemordet angegeben; und dadurch eine Iudenbctze vorzubereikcn schnell bci der Hand

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