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Das Abendland · 1864-12-08 · 5 (8.12.1864) · p. Seite 42

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
5 (8.12.1864)
Date
1864-12-08
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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tu ihrer! Nöthen nicht »crlaff«. Herr Krcisrabbiner Haller in Ka« rclüteurbal biesou in .Vfcuurn:[5 geletzt, machte eine Reise in den Wohnort der Unglücklichen und bewog den Mann seinen Entschluß autzugcben. nachdem er ihm in einer Fabrik den Hausmcisierdienst verschafft, für die Uiitafituft dessen Binder in bemittelten Häusern gesorgt und die ganze Familie mit Kleidnugsstücken versehen hatte. Möge dicseni frommen Streben des Herrn KrciSrabbiners die gehörige Anerkennung werden. — * Cz'tthischo Toleranz. Wie die Prager czcckischcn Blätter mir Entrüstung melden, und in Hoffann israelitische Kinder, welche die dortige Gcmcindcschule besuchen ivolltcn, um ezechisch zu lernen, ausgeschlossen worden. Ans BHlmnsch-lZw'ckr.il nrelderein Privatbrief folgenden schauderhaften Vorfall: Der in Prag allgemein geachtete isr. Kaufmann S. K. S. batte, nackdern er sein bicr durch lange Jahre betriebenes Geschäft ausgegeben, auch sein Haus verkaufte, sich mit seiner ganzen Familie nach Böhmisch-Zwickau gezogen, und sich dorr lediglich der Zündproduklen-Fabrikativn gewsidinet. Diese mußte nicht nur keinen Gewinn abgeworsen, sondern dem^ Besitzer sogar ungeheuere Verluste beigebrackr haben, denn derselbe batte sich dieser Tage ins Wasser gestürzt, >vnrde zwar noch lebend Heraus gezogen aber später vergiftet gesunden, und sein Sobn soll sich durch einen Pistolenschuß entleibt Haben; als Ursache gibt man stark zerrüttete VermögcnöverHälcuissc an. * Wie Judas unserem Heiland, so wir Tir!" In Teplitz ist, wie der „Presse"' berichtet wird, folgendes Bubenstück aus geführt worden: Ein junges israelitisches Mädchen ging dieser Tage über den Schloßplatz, als sie vlötzlich eine Schlinge an ihrem Halse kühlte, die ein erwachsener Bursche mit seltenem Geschicke nach ibr geworfen und zugczogcn hatie. Er schleppte daS erschrockene Kind in ein Hans, wo eine Merige Inngen es mir Halloh empfingen, und dann mit Nadelstichen so lange quälten, bis es bewußtlos zusammensank. Der Hilferuf des Mädchens' wurde von dem fortwährenden Geschrei der hoffnungsvollen Jugend : „Wie Judas unserem Heiland, so wir Dir!" überiäubt. Dem b l bischen Streiche konnte erst spät ein Ende gemacht iverden. * Ans Tevlrl; geben uns Klagen;u, daß die Angelegenheit deS dorne u TcmpelbaueS, welche in der Tdat schon eine Ehrensache der Gemeinde geworden in, von Neuem iuS Stocken gereichen. — Wir sehen nähern Berichten entgegen. * Wien. Israelitische- K i n d e r b c w a h r a n - st a l t. Der 21. Jahresbericht dieser humanen Stifrung wird so eben ausgegeben. Bei einer täglichen Frequenz von 170 Kindern beiläufig, die sich zuweilen auch auf 218 Köpfe erstreckte, ist die Ausialt einer wahrhaft väterlichen und - mütterlichen Aussicht überantwortet. Die Iabrcs-Einnadme betrug an baarcm Gelbe 6938 ss. unv an öffentlichen Anlagen 9lO fl.-, die Ausgaben sammt Tilgungsraten des Hvvotbekaranlcbeus 6310 fl. Es verbleibt ein Rcinsalto von 1401 fl. baarnnd 13,136 fl. in Effecten, während dw Pagiva 11,312 fl. betragen. Unterzeichner sind als leitendes Eomite der Anstalt die Daincn: Frau Marie Schnapper, Frau Sophie von TodeSco, Frau Henriette Wertheimer, Frau Emilie Schnapper (zugleich Kafficrin), Frau Elise Herz, Frau Louise Beifuß undHr. Joseph Wertheimer. Aerzrlicker Inspicreut in Hx. Dr. W i u r e r n i tz, Lehrer und Lehrerin Hr. Albert Fischer und Gattin. Wien. Wahlbesprechung. Gestern fand eine Wahl' bcsprcwung bebuss der ErgänznngSwabl in den Vorstand der ikraclikischen Kultusgemeinde statt. Die Reibe deS A usrnneS trifft näin.ich tc;t Vertreter Herrn Mor. Ritter von Goldschmidt und die Bciräche Herrn Theodor Bauer, Wilhelm Boschan und Igu. Kuranda. nach den Starnren die Herren wieder wählbar sind, au ihrer Wiedererwäblnng ob. Für Herrn Theodor Bauer jedoch, der auf eine Wiederwahl verzichlere, muß cin^ neuer oeiraih gewählt werden, Unt diese Stelle kandidirren geitern vor einem sehr 'pärlich versammciren Publikum die Herren ^-.gm. chnrichlcr, oearl Schlesinger und Professor, Dr. Goldentbal. Letzterer schien sehr befangen zu sein, wie denn überhaupt, dies m anerkannt airSgezcichueten Gelehrten die Gabe der Beredsamkett nur in sehr geringen Grade zu Theil geworden.Bei Beginn der Sitzung wurde der Vorsitzende, Herr Gcmcinderath Pollak ir.ccrpellirt, wie so es komme, daß der Vorstand nicht den Schutz der Gesetze gegen die heftigen Angriffe der „Kirchcnzcituua" gegen Inden uno Iudcnrbum anruse. DaS Vorstandsmitglied Herr Dr. Engel bemerkte hierauf, daß der Vorstand dem Redakteur der „Kirchenzeirnng," welche nur in einem sehr kleinen Kreise gelesen wird, nicht die Krone des Märcyrcrtbums ansS Haupt setzest wolle. * Wi n, 8. November. lPrivatmitth ) Wiederum bat die' jüdische Wissenschaft einen ihrer fleißigsteir und gediegensten Arbeiter verloren. Profeffor S. Pinsker ist laut hier aitgelanzter Briefe in Odessa am 29sten October rzz) gestorben. Pinsker >varnm den Anfang dieses IaHrhundcrtes inGalizien geboren/ lehrte durch mehrere Jahre auf einer kais. russischen Hochschule iu Odessa orientalische Sprachen und Literarur und wurde auch ' von der Regierung mit Medaillen und Anerkennungsschreiben wiederholten Malen ausgezeichnet. Vor etwa 8 Jahren zog er sich von seinem Berufe zurück und lebte in Wwu ganz seinen' Studien. Die Resultate derselben bat er iu seinen Werken: „Zur Geschichte des Karäismus" "ochp), Wien, IS60, und „Einleitung tu das b a b v l o u i s ck - b e b r ä i sch e PinckiatiouSsvstem" , ("!p; Wien, 1862, aufs glänzendste ni'cdergclegt. Leider hat ihn zu früh der Tod ereilt, und es war ihm nicht gegönnt, die iu der Vorrede zum letzten Werke versprochene, weit ausführlichere' Arbeit ans Licht zu fördern. Er hinterließ zwei durch Intelligenz und hohe Stellung gleich ausgezeichnete Söhne in Odessa; mögen sie dafür Sorge tragen, daß die zurückgebliebenen Mannscripte in die rechten Hände gelangen, um dann durch ihre Veröffentlichung, onnsm svnn zs non anszunb-n! * Wien, im November. (Pciveitmitch. > Die gegen die „Kirchen-Zeimng" eingeleitete Untersuchung wegen Beleidigung gegen den jüdischen Glauben ist noch nicht beendet, und soll die Ursache darin liegen, daß die Staatsanwaltschaft hinsichtlich der angeführten Talmndstellen sowohl von der orientalisbrn Akademie als auch von den Vertretern der israelit. Enlrus-Gemeiude Gutachten verlangt. Dr. Iellinek benutzte die Kanzel am vergangenen Hüklenfcste, uin gegen die neuesten.Ausfälle der „Kirchen-' Zeitung" wie gegen die Eisenmcngeriadcn überhaupt iuS Feld zu ziehen. Seine beiden trefflichen Reden erschienen b-reirs im Drucke, unter dem Titel „Der Talmud," und als schönster Beweis der Wirksamkeit seiner Worte mag genannt werden, daß gleich nach', den Feste dem Redner von Herrn Moritz Pollak, „infolge der Begeisterung, die in rhm durch die Predigten 'ür den Talmud' entstammt", 100 ff. mit dem Bedeuten eingeyändigt wurden,' solche an arme Talmudgelehrte zu vertheilen. D ie Herren werden sich jetzt bei der „Kircken-Zeitnilg" bedanken kennen. Daß doch immer die Flüche der Bileams in Segen verw. "delt werden! * Der Dichter L. A. Frankl in Wien ' von Sr. Majestät dem König von Preußen den Kronenorden erhalten. — * Die zwei von Leopold Kompert in Berlin erschienenen Novellen, unter dem Tirel: „Geschichten einer Gasie," gewidmet dem Großherzoge von Sacksen-Weimar, dem deittschen Fürsten, dessen Residenz die Stadl Schillers und Götbcs rst, wurden von einein Vorworte an daS deutsche Volk eingcsnbrt, dem wir Folgendes entnehmen: „Dem deutschen Volke sollen diese Geschichten erzählen, was diese „Gasse" einst an Leid und Freud', an Drangsal und' Ausrichtung umschloß; ihre Gestalten und Naturen, so treu wiedcrgegebcn, als ich vermochte, sollen dartbnn, unter welchen Kämpsen und Wehen das Licht deS Morgens nach so langer Nacht für sie angebrochen ist. mit welchen Gefühlen, Anschauungen, Widersprüchen uitb Dissonanzen sie hart an der Schwelle neben, die in das Thor der Gegenwart führt, einer Verjüngung entgegen, deren letztes Ergebnis; noch nickt abzusehen ist. Sie sollen cs erklären, warum der Born deS Familiensinnes und der Zusammengehörigkeit noch inuner so voll und nncrschöpst fließt, und wie es gerade dieser geheimnißvolle Zug war, der das deutsche

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