Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 5 (8.12.1864)
- Date
- 1864-12-08
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 41 * /: F. Nus Obcröstcrreilh. Es wird Ihnen und Ihren ge- I schabten Lesern gewiß reckt angenehm sein, mich einmal aus der Provinz des Kronlandes Oesterreich ob der Enns etwas zu er- I fahren—ans dem Lande, das in letzter Zeit erst sich unfern Glanbensbrndern geöffnet und ihnen eine Heimat geboten, wo sie sonst nur durchreisende, böchstens stunden- und tagelang sich aufhaltende Gäste sein durften — aus den-. Lande, wo man eine Scheu gegen den Zuden hatte, eben wen man ihn nicht kannte, weil überall der Ruf einer Sache, gegen die man ein Vorurtbcil hat, sich schlimmer darstellt, als sic wirklich ist, nach dem bekannten Sprichworte: Man malt den Tenfel schwärzer, als er ist, ferner ein abfälliges Urtheil gar oft dazu benutzt wird, um ein unrechtmäßiges Vorgehen zu entschuldigen. — Wenn in Gegenden, wo der Jude sich kürzlich erst eingebürgert der Geist, der Duldung und der Toleranz sich knndgibt, so ist dies ein erfre'. iches Zeichen der Zeit, und beweist, wie Unrecht jener bekannte Leiter der osterrerchischen Angelegenheiten hatte, der immer behauptete, nicht der Jude, sondern die christliche Population Oesterreichs sei für die Zndenemancipariorl noch nicht reif genug. Er setzte etwas voraus, von dem er keine Erfahrung gemacht, und wollte das Volk nicht eher iit-3 Wasser gehen laffen, bis es schwimmen gelernt. — Er würde sich sehr wundern, wenn er sähe, wie der gutmüthige, joviale, lebenslustige aber auch leben laffende O sterreicher sich freundlich gegen den kaum warm gewordenen jüdischen Mitbürger benimnlt. So sind in Oesterreich schon viele Gemeinden entstanden, und der Wohlstand des Ortes hat sich dadurch immer nur gehoben. Die Staatsmänner aller Z-iten, sowohl von damals, als die Zuden zu Kammcrknechten erklärt und an einzelne Vasallen abgelaffen wurden, bis in die Gegenwart, von Eromwell bis auf Napoleon, sahen es hie vernünftigen Gesetzgeber ein, daß der Jude das Ferment ist, welches in das Volk Leben unb Bewegung bringt, denn der Jude bringt den Handel in das Land, und der Handel ist das Leben eines Volkes. Ein Land, in dem Handel und Wandel darniederliegt, hat zu leben aufgebvrt. — Aber daß selbst in der Hauptstadt Kärnthens, einem Kronl. nde, das wohl nicht viel Zuden zu Bewohnern hat, sich ein Akt von Humanität und Liberalität gegen Zuden bemerkbar gemacht hat, verdient wohl hier erwähnt zu werden. ,Am 13. v. M. starb in Klagenfuri noch im besten Mannesalter der Zude Hr. Alexander Hoffmann ans Gäffing. Die hier zeitweilig in Geschäftsangelegenheit sich aufhaltenden, so wie mehrere durch den Telegraphen herbeigerufene Israeliten waren am Lager deS Sterbenden in der Zahl von 40 Personen anwesend, und ward keine Ccremonie verabsäumt, die bei solcher Gelegenheiten üblich ist. Die Bewohner Klagenfurts Hai.n bei dieser Affaire viele Beweise der Menschlichkeit und Achtung gegen das religiöse Gebühren Andersgläubiger bewiesen, iudenr sie den Trauernden jeden möglichen Beistand leisteten. Die Stadtgemeinde war auch so freundlich ilren Todtenwagen herzuborgen, um die Leiche des Verstorbenen zur Bahn und mittelst dieser in die Heimat desselben schaffen zu können. - . Auch ermaug lten weder Bürger noch Adel und sonstige Stadthonoratioren v.b dem Leichenzuge anzuschließen um dem Humanitätsakte die Krone aufzusetzen. — Mögen solche Beispiels der allgemeinen Bruderliebe, nur nicht bei so traurigen Anläffen, nicht selten sein, und die hohe Regierung wird hinter der Bevölkerung gewiß nickt Zurückbleiben und jede Beschränkung für den Zuden fallen laffen. — ' Mannigfaltiges. * Aus comoetenter Ouelle erfahren wir, daß die Eonzeffion für den beabsicht gten Neubau des Tempels in der Krenzgaffe von der zuständigen Behörde bereits erfolgt ist. Mit Vergnügen vernehmen wir auch aus derselben Ouelle, daß Se. Ebrwürden Herr Oberrabbiner Nappoporch zu Gunsterl dieses Baues sich ausgesprochen, w.s diesem um die jüdische Wissenschaft so hoch verdienten Mann, nur zur Ehre gereicht. Der Bau könnte nun stündlich in Artgriff genommen werden, wenn die materielle Frage eben so 'günstig gelöst wäre wie die ideelle. Wir zweifeln aber auch nicht, daß dieses Werk die verdiente kräftigste Unterstützung allseitig finden wird, unl so mehr, als es der Gesammtgemeinde ebenso zur Zierde wie zum Segen gereiche würde. Wer n jüngst verfloffeneil Sabbath der Predigt im Tempel anwol, ne und, Zeuge war von dem übergroßen Andrange, wie er an den hohen Festen kaum größer sein kann, dem mußte sich das Gefühl der unausweichlichen Nothwendigkeit des erwähnten Neubaues auf das Lebhafteste auf bringen j denn cs ist keine Frage mehr, , daß die jetzige Lokalität durchaus nicht dem steigenden religiösen Bedürfnisse entspricht. * (fimcert. Am 4. December gab der Violoncellist Herr D. Poppe r, Kammervirtuose des Fürsten von Hohenzollern- Hechingen, wieder einmal in Prag ein Coucerr im Convictsaale. Wir erwähnen dessen mir um so größerem Vergnügen, als Herr Popper, ein hervorragendes musikalisches Genie, Zsraelit und unser Landsmann ist, auf den wir mir Recht stolz sein körrnen. Ter noch sehr junge Kunst!er erntete nach allen Nummern, in denen er sein» technische Fertigkeit im glänzendsten Lichte zeigte, und von welchen die letzte Pie^e seine eigene Eoillposition war, reichlichen Beiffrll des gut besetzten Hauses. Schade, daß er nicht auch ein Ltück spielte, in welchem wir auch einen seelenvollen Vorcrag hätten bewundern können. Nach ihm haben wir des vorzüglichen Baritonisten unseres deutschen Landestheaters Herrn Robinson f ebenfalls Zsraelit) zu gedenken, der zwei Lieder unseres Kapellmeii.'ers Genee >o schön vorcrug, daß der Applaus fast kein Ende nehmen wollte. Weiter wurde der Evncercgeber! von' Frl. von Terrev, unserer sehr begabten Eolorarursängerin > durch den Vortrag eines Liedes unb einer Arie aufs beste nnterstützt. Die verschiedenen Begleitungen am Piano hatten Frl.! Kolar, Herr Kapellmeister Genee und Herr Pohl (letzterer eben-! falls unser Glaubensgenosse und Lansdmann» übernonimen, und j das Zhrige mit beigctragen, um das Concert zu einem glänzen-! den zu gestalten. ’ , * Die am 29. vorigen Monates stattgefundene Generalversammlung des musikalisch-deklamatorischen Vereines „Arion" fand von Seiten der Mitglieder die zahlreichste Berheilignng. Der Schriftführer des Vereines, Herr Friedrich Schutz, eröffnele die Sitzung mit Verlesung des Berichtes über das Gebühren des Ausschuffes, der in gedrängter Kürze ein erfreuliches Bild der Verhältnisse des Vereines gab; die Zahl der Mitglieder beträchtlich vermehrt, der Caffastand des Vereines in stetem Steigen, hat der Arion auch nach Außen die Anerkennung von Publikum und Kritik durch Veranstaltung seiner Musikabende errungen-, so wie die durch Einführung sogenannter Herren- : abende die Geselligkeit unter seinen Mtgliedern befördert. Der beifällig aufgenommene Rechenschaftsbericht gab zu keiner Debatte Anlaß; dagegen brachten mehrere von Seite der Mitglieder eingebrachte Anträge ein hartnäckiges Wortgefecht hervor. Der Schriftführer, als Vertreter des Ausschusses, vereinigte sich schließlich mit den Antragstellern, veranlaßre sie theils zur Zurückziehung, theis zur Modifizirung ihrer Anträge. Bei der Wahl des Ausschusses wurden fast einstimmig größten Theils die früheren Leiter des Vereines wieder gewählt; neu in den Ausschuß kamen nur die Herren Theodor Wahle, Benedikt, Rose und L. Reich. — Die Sitzung schloß mit einem Danke der Mitglieder an den Ausschuß, den der Vorsitzende Herr Kühe mit einigen herzlichen Worten erwiederle, in denen er auch mit Dank aller Freunde des Vereines, speeiell der Redaktionen der Journale gedachte, welche mit besonderer Freundlichkeit die Leistungen des Vereines beurtheilen. * Zu Hostiw ar, Prager Kreises, lebte seit einiger Zeir ei>i jüdischer Familienvater in so dürftigen Umständen, daß er vom Tagelobn sich und die Seinen nur sebr kümmerlich näbrre. Früher Milirär dann zur Gensd'armerie anSgezogen, barte er kein! Gewerbe gelernt, und zum Handel feblre ihm das Anlagekapital. > Verschiedene ihm gemachte Versprechungen und Aussichten ließen! endlich beu Entschluß in ibm reif werden, sich mir Famil e taufen I zil laffen. nn konnte sich das arme Weib nicht dazu entschließen,! weil sie in Umständen war, die GolreS Hilfe beanspruchen, und i sie den Gort ihrer Väter nicht vcrlaffen mochte, damit er auch sie (5