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Das Abendland · 1864-12-08 · 5 (8.12.1864) · p. Seite 40

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
5 (8.12.1864)
Date
1864-12-08
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 hieraus," schloß er, „wie erwünscht es wäre, wenn wir uns in religiösen Angelegenheiten an einen Rabbiner wenden könnten, denn nicht alle Hanptleure denken so, wie der nnserige." Gestützt ans den Spruch unserer Weisen DD: nnx, übergebe ich diese Thtttsache dem Commentar der Ocffenrlichkeit, in der Hoffnung, daß sie dazu beitragen dürste, die für Religion und Glaubensgenossen begeisterten Männer Israels anzuspornen, für die Wahrung der religiösen Interessen der jüd. Soldaten im österr. Heere etwas zu thun. v - ' Jos. Schiller. A. Jerusalem, Dutte November. Die Beschreibungen und Schilderungen ans dem heiligen Lande siitd je nach der Persönlichkeit, nach dem Reisezwecke nn'd der Anffassungsweise des Reisenden auch verschieden. — Der spekulirende Kanfmann sieht und urthcilt anders als der fromme Pilger, der schaulustige Tourist anders als der Naturforscher. — Ich, der ich keines von all diesem bin, der ick in Palästina nun heimisch geworden, und dem cZ nur darum zu thun ist, Ihnen ein kleines Bild der hiesigen Verhältnisse zu entwerfen, will nur der allgemeinen Meinung cntgegentretcn, als sei das Land, seitdem die Hand Gottes es heimgesucht, immer noch jedes Segens und jeder günstigen Gestaltung bar. Dem ist nicht so; — ein allgemeines Unheil über Cultur und Vegetation in Palästina zu fällen, ist aus dem Grunde nicht möglich, als Lage, Boden und Klima aut dem nicht gar weitläufigen Terrain gar so vielfach verschieden sind. §o steril die bergigen Gegenden sind, so fruchtbar sind die Niederungen. So bringen die Gründe Galiläas Baumwolle, ' Oliven und andere Südfrüchte, die nicht nur den einheimischen Bedarf decken, sondern auch für den Erpon bedeutende Mengen liefern. Zehn bis zwölf tausend Ccntner Baumwolle werden jährlich aus Palästina ausgeführt, und beziffert sich der Ertrag mit 3 bis 4 Millionen Silbergulden. Schiffbauholz liefert das Gebirge, und ist es nur der rheuere Transport, der hieraus keinen Nutzen ziehen läßt, welcher Uebelstand jedoch bald durch bessere Communikationsmittel beseitigt werden dürfte. Das Olivenöl, das im Lande gepreßt wird, bringt bedeutende Summen herein, und ist der Segen in diesen Gegenden eben so erfreulich für das Auge, als er dem Lande nutzbringend ist. Die Gefilde von Iappa b s Jerusalem sind voll der herrlichsten Feigenwälder, die nun, nachdem Ordnung und Gesetz im Lande walten^ mit Muße und Fleiß gepflegt werden können. Die frühere Unsicherheit ist durch Schaarcn Gewaffneter beseitigt, die die Gegend tagtäglich durchstreifen, und kann man in der Nacht selbst unbesorgt »mb gefahrlos reisen, denn die Straßen werden möglichst geebnet und steht der Bau einer Eisenbahn auf dieser Strecke in nächster Aussickt. Der Reisende, der die Stadt vor» der Seite HebronS betritt, hat den erhebenden Anblick von trefflich aufgefuhrkcn Ge-« bäuden und Thnrmen, so wie den Ucbcrrestcn der heiligen Mauern. Die Straße, welche in dieses Hebron-Thor mündet, hat an beiden Seiten Bazars, die größterrtheils von europäischen Kaufleurcn besetzt sind. Der angenehme Eindruck nimmt aber gewaltig ab; wenn man tu das Innere der Stadt gelangt, da drängt sich uns die Ueberz.uguiig auf, daß man sich an einem von Gott verlassenen Platze befinde. Ruinen.und unbewohnte Häuser zeigen sich dem Blicke, und die Verlaffcnhttt scheint hier ihr Lager genommen zu habeit. — Aber auch unter diesem Schutte und diesen Trümmern zeigt sich der Geist der Zeit und des Fortschrittes, und auch da schon fängt sichs zu regen und zu rühren an, und steht eine bessere Zukunft zu gewärtigen. , Täglich nimmt die Zahl der Einwanderer zu, Friede und Eintracht herrscht unter der auS ben verschiedensten Gegenden zusammengewürfelten Bevölkerung, die ebenso verschieden in ihrer Denkungsart sind, als in der Art das höchste Wesen zu verehren. Jeder geh, seinen Weg, ohne den Andern in dem seinen zu behindern, sowohl in staatlicher als religiöser Beziehung, und geben niir die häufigen Missionäre zu vielen nüßliebigen Vorfällen die Veranlassung. Ihre Anstrengungen schaffen aber wenig Früchte, eS hängt der Jude zu sehr an dem Glauben seiner Väter, und ist es nur hie und da ein Unglücklicher oder Verzweifelter, der in ihre Schlingen geht. v (Fortsetzung folgt.) Aus Oberitalien, 28. Oktober. (PrivatmitthI Von einer kleinen Rundreise zurückgekehrt, die ich in den letzten Wochen unternommen, kann ich nicht umhin, Ihnen das wchmürhige Gefühl zu äußern, welches der Besuch einiger Gemeinden Mittelitaliens in mir erregte. Tief sind gewiß die Wunden, welche die frühere politische und bürgerlrche Zurücksetzung dem wehrlosen Israel geschlagen hatte. Der äußere Anblick der Ghetti und der ärmeren Bewohner derselben, die aus leicht zu erracheuden Gründen noch immer an dasselbe gekettet sind, geben hiervon nur allzu redende Beweise. Uebrigens ist die Befreiung von jenen druckenden Verhältnissen zu rasch vor sich gegangen und die seither verstrichene Zeit zu kurz, um derartige Spuren der gekrankten Menschheit aiick nur gewissermassen zu verdecken. Jedoch was eigene innere Wirksamkeit nicht leistet, wird wohl auf äußere Veranlassung geschehen. So wie man davon spricht, das große un- > geheure Inselgebäude niederzureißen/ welches den Israeliten Tu- I rins Jahrhunderte lang bis zu unseren Tagen Obdach und Hei-! mach gewährte, ebenso soll dem Vernehmen nach das anachronistische, mit der sonstigen Schönheit von Florenz sehr conrrastirende Ghetto den VergrößerungSbedürfnissen der neuen Hauptstadt Italiens weichen müssen. Die Gemeinde dieser Stadt, welche zwei nicht genügende Synagogen besitzt, ist eben daran, ein schönes, den neuen Verhältnissen entsprechendes Gotteshaus zu errichten. Livorno besitzt einen würdigen Tempel ruck sehr I wohleingerichtete israelitische Schulanstalren für Knaben und Mädchen. I . . Dahin flüchtete sich die so hart betroffene Familie des in Rom . gewaltsam entführten Knaben Coen, und es hat sich daselbst ein Eomire zur Unterstützung dieser in Jammer und Elend gestürzten Familie gebildet; es werden Sammlungen hierzu in allen Gemeinden Italiens angesprochen. Die in Turin ihren Sitz habende Commission des Eongresses zu Ferrara hat vor mehreren Wochen an sämmtliche Gemeinden des Königreiches ein Rundschreiben erlassen, worin die. wenigen noch, fehlenden Gemeinden mit warmen Worten zum Anschlüsse an die gemeinschaftliche Familie aufgefordert werden. ES wird zugleich die Ernennung einer Commigion zur Veröffentlichung von israelitischen Erziehungsschriften angezeigt, die von den Rabbinern Olper (Turin), Leonhamosegh (Livorno), den Herren S. Malvano, Ritter Dr. P. Padoa und einem der Directvren des Educatore Israelita besteht. Ferner wird kundgegcben, daß der israelit. Verwaltungsrath von Livorno die Uebermachung der' fürs heilige Land bestimmten Uiitcrstütznngsgelder übernommenl hat.' Unterdessen mögen die Gemeinden die betreffenden Gelder nach Livorno senden, während die Congrcß-Coinmission den betreffenden Gemeinden des heil. Landes den Beschluß des Congrrsscs mittheilen wird. Hieran reiht fick ein.' warme Fürbitte, daß von dieser Maßregel den unterstützten Gemeinden kein Schaden erwachse. Es wird damr der Wunsch des Cougresses ans. Herz gelegt, blos an tüchtigen Anstalten gebildete Rabbiner anzustellcn. Es wird ferner der Betrag angegeben, welchen jede Gemeinde zu den Ausgaben des Cougresses bciznsteucrn hat.. Den Schluß bildet die Aufforderung zur Erkheilung von Vorschlägen zu etwaige» Aenderungeu des in Kraft bestehenden Gemeindegesctzes. Endlich werden die Stimmen der Gemeinde rücksichtlich der Verwandtschaftsgrade bei Verehelichungen abgcfordert. Es mögen dann die Rabbiner zur Abfaffung einer bei Ehescheidungen festznhaltenden Proccdnr veranlaßt werden, wozu übrigens die im österreichischen Gesetzbuch? vorgeschriebenen, noch jetzt im Lombardischen giltigen Verfügungen in dieser Beziehung als Grundlage der betreffenden Vorschläge empfohlen werden. ,

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