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Das Abendland · 1864-12-08 · 5 (8.12.1864) · p. Seite 39

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
5 (8.12.1864)
Date
1864-12-08
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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— 39 — kermuirg bcr bobeil Negierung eine hervorragende Stellung im Dienste der Wissenschaft verschafften, die an sieb allein dem ganzen Jndenrl'nine zur Ehre gereicht, deren Bedeutung aber noch dadurch erhöbt wird, daß diele Auszeichnung dem Manne zu Tbeil wurde, der von frühester Jugend bis auf den heutigen Tag seiil Talent und seinen Fleiß der jüdischen Wissenschaft, seinen Einfluß dem Wohle seiner Glaubensgenoffen widmete. Die Unterzeichneten, deren Lebensberus es ist, die Religion zu lehren, zählen Sie, hochgeehrter Herr Professor! mit Stolz zu denJhrigen, der Sie durch eine Reihe von Jahren als Religionslehrer erfolgreich wirkten, und noch jetzt neben Ihrem ehrenvollen Berufe als öffentlicher Lehrer des staatlichen Rechts, in geistvollen Vorträgen der studirenden Jugend an der philosophischen Fakultät die reichet! Schätze der hebräischen Literatur eröffnen. — Wir erkennen es dankbar au, was Sie in Wort und Schrift für die materielle und geistige Hebung unserer Glaubensgenossen geleistet. haben, wie Sie in jeder Frage über jüdische Eultusangelegenheiten Ihre Stimme im Geiste der Humanitär und des Fortschritts erhoben, die dilrch das verdiente Vertrauen der hohen und höchsten Behörden ein besonderes Gewicht erhielt. Die Unterzeichneten betrachten daher das 25jährige Jubiläum Ihrer Amrswirksamkeit als ein freudiges Ereigniß, um dem Gefühle der Verehrung für Sie einen schwachen Ausdruck geben zu können, und schließen mir dem innigen Wunsche, daß der allgütige Gott Ihr verdienstvolles Leben mit einem hohen, glücklichen un' zufriedenen Alter schmücken und krönen möge. Anten! Prag im Monat November 1864. Die Adresse des Lehrercomitcs lautet: Euer Wohlgeborcn! Die ehrfurchtsvoll Gefertigten sind überzeugt, im Sinne aller jüdischen Lebrer Böhmens zu handeln, wenn sie, erst jüngsthin durch das Vertrauen eines großen Theiles derselben zu Mitgliedern eines Beratbungs-Comircs erwählt, den hocherfreulichen Anlaß Ihres 25jährigen Lehrjubiläums ergreifen, um Jhilen die innigsten, aus dem tiefsten Grunde ihres Herzens quelleriden Wünsche für Ihr ferneres Wohl und Gedeihen darzubringen. Zwar hac die ganze Judenschafr nicht nur Böhmerls, sondern Oesterreichs überhaupt allen Grund mit den Gefühlen der reinsten Hochachtung zu Ew. Wohlgeboren aufzublicken — dennoch sind es vorzugsweise die Lehrer, die in Ihnen den Altmeister und Nestor ihres ebenso schwierigen als heilsamen Berufes verehren, und im Hinblicke auf die von Ihnen so ruhmreich durchschrittene Laufbahn ihr Selbstbewußtseiu gehoben, zur geduldigen Ertragung der Mühseligkeiten ihres Standes sich aufgemunrert — ja selbst zu Strebsamkeit, zum Ringen"nach einem, großen Ziele sich angespornr fühlen. — Indem Ew. Wohlgeboren ferner nicht ansteben, die höhere Wirksamkeit als Universirätsprofessor nur als Fortsetzung der bereits früher von Ihnen so segensreich verfolgten Lausbablt als Hauptschul- und Gvmnasiallehrer anzusehen, gebet! Sie uns einen Beweis einer eben so bescheidenen wie liberalen Gesinuuugs' weile. — Wir glauben nämlich in diesem eines wahren Weisen würdigen Verhalten den uns erhebenden Gedanken ausgedrückt zu finden, daß alle, die für den Fortschritt Utld die Aufklärung der Menschheit tvirken, und ihr das heiligste Gut „Geistes- und Herzensbildung" übermitteln, sei es voll dem Earheder einer Volksschule, sei es von der Lehrkanzel einer Universitär herab, gleichberechtigte Gärtner im Weinberge des Herrn sind, berufen die Saar kiui/rigen Heiles zu bereiten und anszustreuen und das Fundament zu legen zu allem Guten, Edlen und Schönen,' das die künsrigen Generationen zugleich erfreute und verherrliche! Nehmen Sie auch hiefür unfern besten und wärmsteir Dank. — Möge Gott Sie stets in seine allmächtige Obhut nehmen, möge er Sie ferner kräftigen und stärken in Ihrem hohen Bernst — mögen Sie noch viele, viele Jahre wirken für das Wohl der Jugend, und eine Zierde sein des Judenthumes im Allgemeinen und dessen LebrerstandeS insbesondere. In der Beilage zu Nr. J6 des '„Israelit" lesen wir: Tucav, den 4. November. In Nr. 9 des 2. Jahrgang des „Jlraelit". haben Sie, geehrter Herr Redacteur, mir kräftigen Worten die Rabbiner des österreichischen Kaiser,'taaces ailfgefordert, mit vereinten Kräften dahin zu wirken, daß die 12000 jüd. Soldaten, die in den Reihen der ruhmgekrönten österr. Armee dienen, ihren christl. Kameraden in religiöser Beziehung gleichgestellt werden. Sie haben auf die Nothwendizkeir der Anstellung von Rabbinern beim Heere aufmerksam gemacht, damit auch die jüd. Soldaten nicht nur körperliche, sondern auch geistige Nahrung erhalten. Zum Beweise, daß die Soldaten nach diesem Manna, nach dieser Himmelökost Berlangen tragen, haben Sie ein von einem Soldaten an die löbl. Redaction gerichtetes Schreiben abdrncken lassen, in welchem derselbe klagend ansrnfr: „Wie nothwendig wäre eine solche Erinnernng manchmal dem jüd. Soldaten, wie wohlrhäkig wäre die Erweckung zum Vertrauen auf den allmächtigen Schützer Israels gerade dem Soldaten bei den Wechselfällen seines bewegten Lebens." Auch Herr Rabbiner Hildesheimer hat in den österr. Zeitungen einen ähnlichen Ausruf an die Rabbiner Oesterreichs ergehen lassen, und es haben gewiß viele Seelsorger ihre Unterstützung zugesagt. Warum dieser hochwichtige Gegenstand fallen gelassen wurde? ich weiß es nicht,- nur so viel ist mir bekannt, daß es beim Status quo geblieben. Ich beabsichtige zwar mit Gegenwärtigem nicht wiederum dazu auszusordern, denn ein svlcher Aufruf muß -von Capacitäten, von bekannten Persönlichkeiten ausgehen; doch der Spruch unserer Weisen: njttü piin p nrx xbi bestimmt mich, ans ein Moment aufmerksam zu machen, welches beide Aufrufe außer Acht gelassen. . Ich will eine Thatsacbe erzählen, die mir von einem Soldaten mitgetbeilt wurde, welche die Nothwendigkeit von beim Heere angestellten Rabbinern klarer und deutlicher beweist, als es die bestgeschriebenen Aufrufe im Stande sein dürften. Ein jüd. Gefreiter, der schon 6 Jahre bei einem Infanterieregimente im activen Dienste steht, erzählte mir'dieser Tage folgendes Ereigniß: „Durch volle 5 Jahre war ich in meiner Compagnie der, einzige jüd. Soldat. Ich habe dieses Alleinsein oft wehmürbig' beklagt, denn wenn auch der Neligionshaß bei dem Heere nicht so th.nsächlich sich kundgeben darf, wie beim Civile, so lassen es unsere christl. Kameraden uns doch oft bitter empfinden, daß ihre Religion die herrschende sei. _ / Ich habe mich einer guten Aufführung befleißigt, bin auch nie mit einer Disciplinarstrase belegt.worden, hielt mich aber so viel wie möglich von meinen Kameraden fern; ich nahm an ihren Belustigungen und Vergnügungen nicht Theil. Meinen Kameraden war meine Lebensweise nicht auffallend, vielmehr fanden sie es ganz natürlich, daß ich mich ihnen nickt ausdränge; und so harten wir Einer über den Andern nicht $u klagen; wir waren Kameraden in Reih' und Glied, aber in der Kaserne war ick der Jüd. Kein Wunder also, wenn ich mich nach einem jüd. Kameraden sehnte. Meine Sehnsucht sollte nach ^jährigem Warren befriedigt werden. Eines Tages übergab mir mein Feldwebel das Verzerckniß der zur Beziehung der Wachtposten bestimmten Mannschaft, und schon der Name belehrte mich, daß ich einem Glanbensgenoffen als Führer diene, und daß ich nicht mehr der einzige Jude in der Compagnie sein werde. Sobald es der Dienst mir erlaubte, eilte ick zu ihm, hieß ihn herzlich willkommen, und begrüßte ihn als Bruder. Dieser Tag war für mich ein Festtag. Nicht lange jedoch sollte meine Freude währen, denn schon nach einigen Tagen überzeugte ich mick, daß wir Antipoden in unsern Ansichten waren. Er schloß sich den übrigen Soldaten an, obwohl sie ihn: nichts weniger als freundlich entgegenkamen; mir hingegen wich er ans und mied mick ganz und gar. Ich war also wieder allein. Nach einigen Wochen tbeilie mir mein Feldwebel mit, daß der jüd. Gemeine sich taufen lasten »volle, und daß er diesen Entschluß bereits dem Feldpater mitgetbeilt. Mir waren die nichtigen Motive, die ihn zu diesem Schritte bewogen, bekannt; ick theilre diese meinem humanen Hanptmanne mit, und mit Hilfe dieses Menschenfreundes gelang es nrir, ibn von seinem Vorhaben abznbringen. „Sie ersehen

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