Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 5 (8.12.1864)
- Date
- 1864-12-08
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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— 38 - Jude — der Richtcramtsprüflmg, bei welcher ihm wegen seiner erprobten vorzüglichen Fähigkeiten im Justizfache — so beißt cs wörtlich irn Decrcte — die Befngniß zur Ausübung des Richteramts in den deutschen Ortschaften crthcilt und er rnr Ablegung des Richtcramtscides beim t. k. Obcrlandcsgerichte cingcladcn wurde, die auch erfolgte. Im Jahre 1851 wurde er mit allerhöchster Entschließung Sr. k. k. Majestät v. 29. April zum außerordentlichen Professor dcS Strafrechts an der slaatswiss cnschaftlichen Facultät mit dem flxciÖ"Dchalte"von 1200 fl. ernannt, mit der Verpflichtung, fortan noch an der philosophischen Facultät Vorträge über hebräische Sprache und Literatur zu halten, dagegen seine bisherige Stellung als öffeutlichcr Rcligionslchrer der israelitischen Jugend aufzugebcu. In Folge einer Miuistcrialvcrorduung von 2. Oktober 1851 und einiger später erfolgten Verfügungen wurde er auch als Examinator in der Strafrechtswissenschaft zu den strengen Prüfungen der Eandidatcn für die Erlangung der juridischen Doctorswürdc zngczogen. 9m Jahre 1853 wurde ihm in Gemäßheit der allerhöchsten Emschließung Sr. k. k. Majestät von 23. März 1853 nach zurückgclcgtem provisorischem Triennium in seiner acadcmischcn Lehrthätigkeit das Teeret über seine dcsinitive Bestättigung im Lehramte vom Ilnterrichtsministcrinm ausgestellt. Mittelst hohen Erlasses von 19. Mürz 1854 hat ihn endlich der Herr Minister des Cultus und Unterrichts zum Prüfungscommissär bei der judiziellen Abtheilung der theoretischen Staatsprüfungs-Commission und zwar für das Lehrfach des österreichischen Strafrechts zu ernennen befunden. So viel über seine amtliche Thätigkeit, über seine staatliche Stellung. Er verkennt es nicht, daß er nächst Gott vieles der Gunst äußerer Verhältnisse und weniger seinen eigenen Verdiensten verdankt. Ein besonders erhebendes Gefühl gewährt ihm das Bewußtsein, daß er nach vielen Richtungen hin als Jude die Bahn gebrochen und während der langen Tauer seiner amtlichen Thätigkeit nie Anlaß zu einer Beschwerde oder Mißhelligkcit gegeben, und er, was amtlich und außerordentlich zu wiederholten Malen anerkannt wurde, das in ihn gesetzte Vertrauen durch ein takt- und würdevolles Benehmen, durch Gesinnung und That gerechtfertigt, und dadurch faktisch dargcthan hat, daß der Berus eines treuen Staatsdieners auch von Juden gewissenhaft erfüllt werden könne. — Sein Verhältniß zu seinen Collegen > ist ein äußerst freundschaftliches, seine Stellung zu den Stuj dicrendcn eine vcrtrauenkvollc und wohlwollende, nie gestörte i oder getrübte. Ob er mit seiner gcg nwürtigen Stellung seine Carricrc als abgeschlossen zu betrachten, oder, ob er noch etwas! von der Zukunft zu erwarten habe, er weiß cs nicht; Verhältnisse und Anschauungsweise haben sich nicht nur in Österreich, sondern ar:ch in andren Ländern bedeutend gcänd.rt, der confcssionelle Friede ist bedeutend gelockert, an die Sr.lle früherer Unbefangenheit und rein menschlichen Strcbcns ist' Befangenheit, absichtlich genährtes Vorurthcil und Haß getreten. Was die Zukunft in ihrem Schooße birgt, Gott weiß es. j Einen Glanzpunkt in seinem Leben bildet das besondere j Vertrauen, dessen er sich bei den Behörden zu erfreuen hatte, j und das sich in den vielen von ihm abgefordcrtcn Gutachten und i Bcurthciluugcn, über Gegenstände, welche Schule, Gotteshaus, j Gemeindelcbcn, cinzuführende Verbesserungen, literarische Arbei-; ten, theologische Streitfragen betreffen, worüber ihm in meb-! rcren Zeitschriften und Tecrctcn die hohe Anerkennung zu Thc.l! geworden, als auch durch andere ibm anverrrautc Arbeiten, j Ebenso wie nach Außen war er auck bemüht, im Innern der j Prager Cultusgcmeindc nach Kräften nützlich zu werden. Seine! Wirksamkeit in dieser Beziehung, sowohl durch das Wort der! Belehrung als durch thatkräftiges Eingreifen in die Verhältnisse,! wurde von dem dortigen Gemeindcnorstande in einem bcsondern > Schreiben anerkannt, überdies durch seine Wahl in die Gemein-! dercpräscntanz als auch durch das Vertrauen, welches ihn zur j Thcilnahme an verschiedenen Deputattonen an Se. Majestät > und an die hohen Behörden berief, gewürdigt. I Auch die dortige Stadtgcmeinde gab ibm mehrfache Be-! weise des Vertrauens und der Achtung. Er war in frühccn Jahren Vorstandsmitglied mehrerer Vereine, war mehrere Jahre Stadtverordneter, wurde mehreren Comites zur Beralhung von Gemcindeangelegenbeiten bcigezogen, ist Mitglied mehrerer dortiger Vereine. Seine literarischenArbeiten und Verdienste sind schon bekannt; sein biblischer Katechismus ist so ebenen siebenter Anflage! erschienen, hat die weiteste Verbreitung gefln den, ist in's Jta-! lienische übersetzt worden und unter den für die israelitischen E Schulen als zulässig erklärten Religionsbüchern als das erste j genannt. Er ist Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften. Seine j juristischen Arbeiten sind in vielen Zeitschriften und Journalen,! einige auch als selbstständige Broschüren erschienen. Korrespondenzen und Wittheiümgen aus der Zeit. A. Prag den 2. Dezember 1864. Am 28. v. M. feierte Herr Dr. Wolfgang Wessely, Prof, der Rechte an der hiesigen k. k. Universität, das 25jährige Jubiläum seiner öffentlichen Lehrthätigkeit, und obgleich diese Feier erst wenige Tage vorder, gleichsam in der eilsten Stunde und nur von wenigen jüd. Blättern signalisirt wurde, ließen die zahlreichen Freunde und Verehrer des Jubilars dennoch die Gelegenheit nicht unbenutzt, um dem vielverdienten Mann ihre Sympathie und Hochachtung kund zu geben. Die hiesige Eultusgemeinde-Repräsentanz, deren Mitglied Prof. Wessely durch eine Reihe von Jahren war, ließ ihm durch eine aus ihrer Mitte gewählte Deputation, bestehend aus der Herren: Ernst Wehli, Stadrrarh I)r. Wiener und von Porrheim, eilte Adresse überreichen. — Eine zweite Deputation, bestehend ans den Rabbinern Herren: A. Kohn, I. Haller, 1)r. Steiri, Religionslehrer Adler und D, Ehrinann, überreichte iin Namen der böhm. Rabbiner eine Adress in welcher die Verdienste Wesselys als Theologe befonders pointirt wurdell. Der Lehrkörper der Jojefitädrer Haupt- und llnterrealschnle so wie das Komile der jüd. Lehrer Böhmens, welches eben jetzt mit AuSarbei tnng der Statuten zur Gründung eines UnierstützluigsvereineS für hilflose Lehrer und deren Witwen und Waisen beschäftigt ist, hatten ebeickallS in passenden Adressen, welche wieder die frühere Leistungen Wesselys in seiner Stellung als Religrouölchrer in beit Vordergrund rückren, ihren Gefühlen der Hochachtung einen Ausdruck gegeben. Auch die Frey'sche Schule brachte dem Jubilar eine Ovation dar. Auch viele Besuche von hiesigen hervorragenden Persönlichkeiten erhielt der Jubilar, die ihm che tfcre Glückwünsche darbrachteu. Selbst von auswärts gingen, theils in Briefen, rheils telegrafisch, von denersten Persönlichkeiten Beglückwünschungen ein. Nachdem die - von dem Präses Ernst Wehli geistvoll verfaßte Adresse der hiesigen Cultusg^neiudc-Nepräsentanz bercüs anderweitig veröffentlicht worden, erlauben wir unS hier nur noch die Adresse der Rabbiner, ans der gewandten Feder des geehrten Mitarbeiters dieser Blätter Herrn Danic! E rmann geflossen, so wie jene des Lehrerkomites, von dem Redakteur dieser Blätter versaßt, mitzutheilen, Die erstere lautet: Etter Wohlgeboren! Sie feiern in d'esem Monate das 25jährige Jubiläum Ihrer össeutlicheu Lehrwirksamkeit, und die iinterzeichnclctt Rabbiner benützen mit Freuden diese feierliche Veranlassung, Ihnen die innigste Tbcilnahme und Hochachtung auSzusrücken und die herzlichsten Glückwünsche darziibringeii. — Wir verehren in Ihnen einen Mann, dem seine glänzenden Geistcsgabcn und die Aller-