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Das Abendland · 1864-12-08 · 5 (8.12.1864) · p. Seite 37

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
5 (8.12.1864)
Date
1864-12-08
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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— 37 Professor Ar. Woffgang Wessely. Eine biografische Skizze. (Schluß.) Mit welchem Fleiße und Eifer er trotz der Ausdehnung seines Lehramtes seine Pflichten zu erfüllen bemüht gewesen, beweisen die vielen ihm als Religionslehrcr sowie als beeideten Translator von den hohen und höchsten Behörden zugekommenen Belobungsdekrete, die in den schmeichelhaftesten Ausdrücken seine Verdienste um die Bildung der Jugend, seine Pünktlichkeit und Gewissen aftigkeit in seiner Amlstbätigkeit und Besorgung der ihm anvertrauten Geschäfte anerkennen. Ein besonderes erfreuliches Ereigniß war die ihm im Jahre 1846 in Gemäßheit einer allerhöchsten Entschließung Sr. k. k. Majestät ertbeilte Bewilligung, außerordentliche Vorlesungen über hebräische und rabbinische Sprache und Literarur an der Prager k. k. Universität zu halten, an einer Hochschule, die in früheren Zeiten den Juden verschlossen war, und in der das belehrende B ort eines jüdischen Vertrages nie vernommen wurde. Dem damaligen Tirector der philosophischen Studien, dem Prä.arm und Abte Hrn. Dr. Hieronymus Zeidler, der für die Zulassung dieser Vorträge sich mit besonderem Eifer bei den Behörden verwendete, wurden sogar den einigen jüdischeu Gemeinden ob dieses Epoche machenden Ereignisses Dankadressen zugesandt, als ein nichts geringes Verdienst um die Gesammtgemeinden; auch wurden die sabbatlichen Vorträge anerkannt, die er durch eine Reihe von Jahren über mehrere philosophisch-dogmatische Werke berühmter alter jüdischer Theologen in der Synagoge hielt, die ein sehr zahlreiches Publicum, nicht nur Rabbinats-, Lehrsamtscandidaten, sondern auch gebildete Männer aller Klassen und Stänoe, ja sogar christliche Theologen besuchten. Die wenige freie Zeit, die ihm se n sehr complicirter Berus gewährte, verwandte er auf literarische Arbeiten juristischen und jüdisch - theologischen Inhaltes, die theils in selbständigen Broschüren und Werken, theils in verschiedenen Zeitschriften und Journalen mitgctheilt sind. Es gibt fast kein jüdisches Blatt oder Jahrbuch in Deutschland, an dem er sich nicht betheiligte. Seine juristischen Arbeiten aus dieser Zeit sind enthalten in der Wiener Zeitschrift für österreichische Rechtswissenschaft, in Haimerl's Magazin,in der von demselben herausgegebcnen Vierteljahrsschrift. Aufsätze jüdisch-theologischen Inhaltes von ihm enthält auch die von Ilgen in Leipzig begründete historisch-theologische Zeitschrift. Entscheidend für ihn und seinen Lebensberus und einen wichtigen Abschnitt seines Lebens bildend, war das vcrhüngnißvolle Jahr 1848. Der Freihcitsschwindel, der allenthalben in allen Verhältnissen des socialen Lebens seinen Einfluß übte, rüttelte auch gewaltig an dem jüdischen Gemcindeleben, lockerte manche der bis dahin bestandenen Institute, und brachte in die gesicherten Zustände ein Schwanken. Die Unsicherheit nnd Ungewißheit möglicher Eventualitäten, die von seinem verzweigten Berufe untrennbare Ucberbürdung, die für die Dauer unerträglich gewesen wäre, und ihn leiblich und geistig aufgcriebcn Hütte, endlich die durch die den Juden damals verfassungsmäßig.gewährte bürgerliche und politische Freiheit eröfsnete Aussicht ungehemmter geistiger Entwicklung und Wirksamkeit im staatlichen Leben, erregten in ihm das Verlangen, seinen bisherigen Beruf mit einem andern zu verwechseln, zu welchem ihm seine früher betriebenen und von ihm zu keiner Zeit ganz aufgegebenen juristischen Sttudicn befähigten. Die strahlende Morgcnröthe, die damals üher Desterreichs Völker hereinzubrechen schien, und auch . en Juden eine freiere Bewegung verhieß, stellte ihm ein dreifaches Ziel vor Augen, dessen Erreichung nach den damaligen Zuständen und Verhältnissen nicht unmöglich schien, die Advokatur, das Notariat oder die Professur. Die Erlangung einer Advokatcnstelle wäre ihm schon in früheren Jahren leicht gewesen, da es in Prag immer jüdische Advokaten gegeben hat. Er wurde sogar nach dem Tode des Dr. Egcr, des letzten der dortigen jüdischen Advokaten, wiedergeholt ausgefordert, sich auch um eine solche Stelle zu bewerben. Aber die Liebe zur Wissenschaft, der er beim Antritt eines practischen Berufes für immer hätte entsagen müssen, ließen ihm damals diesen Beruf, so groß auch dabei dieAussicht war ein reicher Mann zu werden, minder wünfchenöwcrth erscheinen, und er begnügte sich mit dem mäßigsten Auskommen, welches eine Stelle als Religionslehrer gewährte. Eine Professur an der Universität gehörte zu seinen schönsten Hoffnungen und Wünschen. Wie der Zufall so oft im Leben schneller zum Ziele führt, als der feinste wohlberechnetste Plan, so war es uuch hier. Die in Prag in der Pfingstwoche 1848 ausgebrochenen Unruhen, die eine Beschießung der Stadt und Versetzung derselben in Belagerungszustand zur Folge hatten, machtenden dortigen Aufenthalt unerträglich, und bestimmten ihn wie so viele andere Familien Prag auf einige Zeit zu verlassen und sich mit seiner Frau nach Wien zu begeben. Sein Aufenthalt in Wien dauerte 14 Tage. Die Furcht nach dem durch nationale Reibungen aufgeregten und durch den Belagerungszustand unheimlich gewordenen Prag zurückzukehren, die angegriffene Gesundheit seiner Frau, welcher der Gebrauch der Bäder in Ems ärztlich angeordnet wurde, brachten einen schon vor Wochen in ihm entstandenen Plan zur Reffe. Die in Aussicht gestellte Reform des Gerichtsverfahrens in Österreich, die von der Regierung verheißene Einführung des öffentlich-mündlichen Strafverfahrens mit Schwurgerichten, machten es ihm möglich, diese auf heimatlichen Boden zu verpflanzenden Institutionen unmittelbar durch eigene Anschauung in jenen Ländern, wo diese eben seit Jahren bestanden, kennen zu lernen. Mit Empfehlung des damaligen Herrn Justizministers, des Freiherrn v. Sommaruga versehen, trat er in Begleitung seiner Frau die Reise nach denRheinlanden, Belgien und Frankreich an, und benützte die mehreren Wochen, die seine Frau zur Herstellung ihrer Gesundheit im Bad Ems . zubrachte, um das Gerichtswesen jener Länder unmittelbar an der Quelle zu studiren. Seine gemachten Erfahrungen theilte er in einer Reihe von Reisebriefen, welche die hier erscheinende Bohemia brachte, mit, <vclche als der erste Bericht neuer Rechtskundigen aus Böhmen mit großem Interesse gelesen wurden und zur Folge hatten, daß er zu den Comiteberarhungcn, welche in Folge der * Verfügung des k. k. Justizministeriums in Betreff der Neugestaltung der Gerichte im Sitzungssaal des k. k. Appellationsgcrichtes abgehalten wurden, beigezogcn wurde. Im Jahre 1849 kündigte er als Privatdozent für das Winter- und Sommersemcster an der juristischen Facnliät Vorlesungen über das öffentlich-mündliche Verfahren niit Schwurgerichten an, welche unter den Studirenden große Theilnahme fanden. Um das Strafverfahren practisch kennen zu lernen, suchte er um die Zulassung zur Kriminalrichteramtspraxis beim Prager Kriminalgerichte an, welche ihm auch—zum Erstenmal einen Juden in Österreich — mit Minifterialcrlaß vom 23. Mai 1849 bewilligt und von ihm nach abgelegtem Diensteid durch ein ganzes Jahr cingcholt wurde. Im August 1849 wurde er auch zur Advokatenprüfung zugelassen, welche er mit dem Ealeul „Vorzüglich" bestand. Wenige Tage darauf wurde er in Gemäßheit allerhöchster Entschließung seiner k. k. Majestät von 3. September 1849 zum außerordentlichen Professor der hebräischen und rabbinischen Sprache und Literatur an der dortigen vhilosophischen Facultät mit einem Jahrcsgchalt von 600 fl. E. M. aus dem Studienfonde ernannt, und in dieser Eigenschaft beim k. k. Gubernium beeide. Zm Jahre 185)0 habilitirte er sich als Privatdozent für Strafrecht und Strafproceß an der rechts- und staatSwissenschastlichen Facultät. In demselben Jahre unterzog er sich auch bei dem dortigen k. k. Oberlaudesgerichte — wieder der erste

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