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Das Abendland · 1864-11-28 · 4 (28.11.1864) · p. Seite 31

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
4 (28.11.1864)
Date
1864-11-28
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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31 * Der Fabrikant Herr Weil hat aus Anlaß seiner Dekoriruirg für die Armen in Strakonitz und in der Vorstadt Bezdckau;u 50 sl., und;nr Bekleidung armer Schulkinder 100 sl. gewidmet. * O'inc Züricher Rarität. Professor Klun veröffentlicht. „Skizzen ans der Fremde" in der „Reform." Ms Rarität hebt er hervor, daß gegenwärtig ein Jude Rector Maguificus au der Universität Zürich's ist, ein in Wien allgemein hochgeachteter Gelehrter, nämlich Prof. Bü ding er, dessen ausgezeichnete „Geschichte Oesterreich'S „ihm eine Berufung als Geschichtsprofessor— in'o Ausland eingetragen hatte. Einen Commenrar zu dieser Thatsache hiuzuzufiigcu dürfte überflüssig sein, meint der Skizzist, und wir mit ihm. Büdingers Biographie liegt übrigens für unser Blatt zunl Abdrucke bereit. * Aus dem Bradforder „Tbscrver" vom 10. d. M. ersehen wir, daß der auch im österreichischen Kaiserstaate bekannte Herr Charles Scmou, Mitbegründer der Parduditz-Reichcnberger Dahn, am 0. d. von der Municipal-Congregation einstimmig zum Mapor von Bradford erwählt wurde. Eine 25jährige Ansässigkeit, ein ehrenvoller Character und eine aufopfernde gemeinnützige Thärigkeit haben Herrn Semon, obgleich Jude, diese Ehre verschafft. * Eine Conzessioii an einen Künstler. Aus Amsterdam sä.reibt man uns, daß dem großen Mimen Davison zu Liebe eine Ausführung des „Kaufmann von Venedig" gestattet wurde, welche bis jetzt in Berückstchrung der zahlreichen dorr lebenden Juden verboten war. * Die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien hat den hiesigen Buchdruckereibesitzer Herrn Brandeis znm wirklichen Mirgliede ernannt. Unter der Aufschrift „Rom" bringt die A. Z. d. I.: Der »Uakrietta, Cattolico« von Bologna emhält Folgendes: „Am 29. September wurde in der St. Stanislaus-Kapelle in Rom die Taufe an dem jüdischen Knaben C o e n feierlich vollzogen. Der Cardinal Caggiano vollführte den Ritus, der Graf von Maistres von der Familie des berühmten Grafen Joseph, war Pathe. Der Neugetaufre erhielt die Namen Stanislaus Maria Michael Joseph Pius Eugen. So kann nun dieses Kind ganz wie der kleine Mortara Gott anbeien und der Religion folgen, welchen er anbeten und der er folgen will, nach seinem Gewissen. Auf diese Weise hat Pius der IX. noch einmal gezeigt, daß die wahre Gewissensfreiheit, die Freiheit, die jeder hat, die Wahrheit zu lieben und die Befehle Gottes und der Kirche zu beobachten, keinen sicherern Schutz hat als zu Rom unter der Wacht des Stellvertreters von Jesus Christ." Bei diesen Worten fällt uns der Ausspruch Talleyrands ein: „Die Sprache ist da, um seine Gedanken zu verdecken!" Die „Gewissensfreiheit" ist dem „Kinde" Coen gesichert, er darf „anbeien. wen er will!" Die wahre „Gewissensfreiheit" hat ihre Zufluchtsstätte in Rom! Die „Befehle Gottes und der Kirche" sind identisch. Das Wort Talleyrand's ist aber doch nur halb wahr; er hätte sagen müssen: die Sprache wird verwendet, um seine Gedanken zu verhüllen, aber sie verräth doch stets die Wahrheit. So ergeht es auch dem „Uatr. catk." Er spricht vom „Kinde" Coen, vom „kleinen" Morrara — und damit hat er seinen Phrasen von „wahrer Gewstsensfreihett" mir eigener Hand den Schleier abgerissen. Ein „Kind", ein „kleines Kind", entrissen den Armen seiner Familie, eingcsperrl in der Kateümmeucnanstalc, und — Gewissensfreiheit, Wahl, Wille! Das ist genug. Gewissensfreiheit in Rom — nun, die ganze Welt protestirt gegen diese Gewissensfreiheit. Nun, das Faemm ist vorüber — aber triumphirl nicht — die Welt vergißt des Faciumö nicht! Raubmord. Das Eisenbahnunglück zwischen Kemmelbach und Blindenmarkt hat auch einem iSracliiischci: Handclsmanne, obwohl erst nach der erfolgten Katastrophe, das Leben gekoster. Derselbe kaufte die gerösteten und verwundeten Hammel des verunglückten Zuges und ging, weil er gleich zahlen wollte, nach Hanse, um das hiezu erforderliche Geld zu holen. Da er jedoch nicht zurückkam, und matt ihn als einen ordentlichen und pünktlichen Geschäftsmann kannte, so vermuthete man, daß ihm irgend etwas UebleS ziigcsloßen sei. Leider bestätigte sich die Vermnihung nur zu bald, denn auf der Rückkehr begriffen wurde er von bisher unbekannten Räubern getödtet und seiner Baarschaft beraubt. * Denjenigen Herren Lehrern, welche in die Lage kommen, die sogenannte „jüdisch-deutsche" Schrift zu lehren, empfehlen wir die unter dem Titel "O-li irü erschienene, nach einem ganz neuen und zweckmäßigen Stufengauge geordnete Sammlung v. Vorschriften von Wilh. Singer, Hauptschullehrer in Waizen (Ungarn), die bei der Zierlichkeit der Schrift und der Nettigkeit der Ausstattung ganz dem Zwecke entsprechen dürfte. Sprecljhall'e. Noch einmal die Kollincr Angelegenheit. Als wir den Korrespondenzen aus Kollin und Bonyhad in unserer Probenummer Raum gaben, hatten wir vorausgeschickr, es sei uns darum zu thun, ein Bild der leidigen Zustände unserer Gemeinden zu geben, nachdem wir nicht nur den geretzren Ton des der einer Partei angehörigen Einsenders thunlichst gemildert, sondern auch die Erwartung ausgesprochen hatten, es würden uns von der gegnerischen Seite Berichtigungen zugeheu. Was wir jedoch erwartet, geschah nicht, denn das wäre der gerade Weg gewesen; ein solcher pflegt jedoch jenen nicht zu behagen, die mir einem durch den Pilpul verdrehten Kopfe ausgerüstet, weit lieber auf krummen Pfaden zum Ziele zu kommen streben. Vielmehr kam uns, wie wir in Nr. 2 unseres Blattes erwähnten, ein mit jüdischdeutschen Lettern geschriebener,in eine Retoursendung eingeschmuggelter Wisch zu, wörtlich lautend: „Ein Journal, welches gleich in die erste Nummer lügenhafte und verleumderische Korrespondenzen bringt, wird mit Verachtung abg ewiesen"; Gefertigt war der Zettel von Simon Sachsel mit beigefi gtem Hamechuneh, was wir bloß als eine wettere Manifestation höhern Blödsinnes betrachteten. Ucbrigens bot der Zettel gar keinen Anhaltspunkt, der ihn als bloße Düperie gekennzeichnet hätte, denn dazu war die Fassung desselben zu roh, vielmehr trug er ganz den Stempel eines gemeinen Wurhausbruches an sich, wie man ihn leider von solcher Seile gewohnt ist. Umgehenden Monrag erhielten wir wieder zwei Briefe ans Kollin: Der eine, couvertirt und mit dem ominösen Wachssiege! verschlossen, welches einen Ochsenkopf nebst Messer, Beil und Schlägel im Schilde sühne und den Namen Leopold Hallachel enthielt, bestand in einem Zettel, der ganz den Emblemen seines Verschlusses entsprach; die Weisheit hatte ihn mchl diktrrt, und die Logik war ihm nicht zu Gevatter gestanden, und wüßten wir wahrlich den Schreiber desselben nicht empfindlicher zu strafen als durch wörtlichen Abdruck seines erbärmlichen Produktes, wenn wir nicht mit Recht den Vorwurf auf uns zu laden befürchteten, allzu verschwenderisch mit Papier und Druckerschwärze, und — was gewiß unendlich kostbarer ist — mit der Geduld unserer freundlichen Leser umzugehen. — Wir heben nur hervor, daß besagter Schreiber über nichts mehr piquirt scheint, als über das von uns seinem Zettel beigelegre Epitheton der „jämmerlichen Stylisirung" und hieraus mit einer, eines Bedlam-Bewohners würdigen Logik darlegt, daß der Redakteur dieser Blätter ebenso wenig „ebreisch wie chinäsisch" (sic) verstehe, weil „er nicht aus der Ilamecttuiwtt-Uitterschrifr erkannt habe, daß man sich aus ihm einen Spaß gemacht har!" — Die Unterschritt lautete: „In Abwesenheit des Simon Sachsel — Osias Reiß." •— 'Natürlich zweifelten wir keinen Augenblick mehr, daß der eine wie der andere Name unterschoben sei. Wiewohl wir nun ebenso wenig die Ehre haben, Herrn Osias Reiß wie den Leopold Hallachel, oder Hans Klachel, Ritter von trom äs boeuk, zu keuueu, so hatte doch dieser Zettel mindestens den Erfolg erzielt, den Eindruck der Ucberraschung abzuschwächen, den sonst der zweite Brief sicherlich nicht verfehlt hätte, auf uns zu machen; denn dieser bestätigte nur die bereits zur Gewißheit gewordene Vermnihung, daß das Ganze ein Bubenstreich sei. Abermals lasen wir die Unterschrift „Simou Sachsel," aber diesmal sicherlich des echten und wahren, nachdem bereits mittlerweile von anderer Sette her uns volle und genügende Auf- '' - i M Genu., 'Gv^aItüng“binhü^'fämTrrim3en«f|.'0litt^cirif?ci^eit/t>e«n,-unö.' beizieymigDe^crrti^cir yuuu W»-

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