Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 4 (28.11.1864)
- Date
- 1864-11-28
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 30 - mein halbes Leben als Arzt dem Dienste der Humanität gewidrnct. ich habe über Krankenhäuser, Findelansialicn und Straforte geschrieben, babe sonst in verschiedenen Fächern gearbeitet. Dieme Leistungen auf journalistischem Gebiete sind, wie ich zu hoffen wage, nicht ebne Erfolg geblieben, und wurden von Autoritäten, vor, meinen Collegcn, wie von meinen Freunden anerkannt. Ich darf mir, ohne unbescheiden zu sein, das Zcugniß geben, stets das Beste gewollt zu haben. Auch meine Besuche in den Gcfangencuhänsern hatten keinen andern Ztvcck, als für die Humaunät zu wirken: da ich wußte, auf welchen gefährlichen Boden ich mich begab, als ich die Strafanstalten betrat, habe ich mir die strengste Objecriviiät und Wahrheit zur Richtschnur genoiitmen. Ich wußte cs doch, daß ich mir einer Partei in Couflict gc.athen kannte, die kein Mittel für ihre Zwecke scheut. Und in dieser feierlichen und erustcu Stunde erkläre ich, daß ich nur die Eindrücke wiedcrgcgebcu habe, welche ich bei den Besuchen in den Sirafanstalten zu Stein und Nendorf nach persönlicher Einsicht erlangte: daß kein Wort der Lüge über meine Lippen und aus! meiner Feder kam, daß, was ich geschrieben habe, ich aus innerster Uebcrzeugung geschrieben habe. Wa ich gesagt habe, das ist wahr, so wahr mir Gott helfe! Auch die Witzblätter Wiens haben es sich nicht nehmen lassen, diesen Aufsehen erregenden Prozeß möglichst auszubemen und bringe ich zum Schlüsse folgendes Gcdichtchen aus dem Figaro: An ist r. Witt elö Höf er. Gar mancher jagt mit Lobgesang, Nach einem Orden Jahrelang Und ruh: nicht, bis zu seiner Lust Der Orden hängt ihm an der ' rust; Doch schneller als manch' Lobgehuocl Wirkt Dein Tadel jedenfalls, Er zog Dir gegen dein Berlangcn Auch einen Orden an den Hals; Wirst wohl nicht mehr nach Orden jagen, Hast an dem einen schon zu tragen. Wmmigfaltiges. * Nach einem Berichte des Gemcinderepräsentanzmitgitedes I Herrn Georg Feigel an die löbliche prager israelitische Cultusrepräsentanz über die erfreulichen Resultate der Rabbinatskandi-! datcnprllfungen haben die Herren Prediger: k. k. Professor Or.! Kämpf und Rabbiner I)r. A. Stein erklärt, den RabbinatSkanj didaten über verschiedene, ihnen nölhige Fächer Vorlesungen zu! halten, und hat erftercr bereits mit seinen homiletischen Vorträgen > den Anfang gemacht.! * Einem Aussatze des „Ben Chananjah" von dem bekannten Herrn vr. Wolf, Religionslehrer in Wien, entnehmen wir folgende statistische Daten über die Sträflinge in Oesterreich nach den verschiedenen Confessioncn, die Angabe gilt jedoch nur mit Ausnahme Jllyriens, Ungarns und Siebenbürgens. Ende des Jahres 1862 befanden sich: In Capo d'Jstria Männer 1294 darunter 17 evang. 33 n, „ Gradiska „ olt) „ 2 — „ „ Garsten „ 832 94 — „ „ Karthauö „ 829 " 9 19 „ „ Muran „ 1074 „ 3o 47 „ Stein „ 914 52 „ „ Padua „ 851 " l „ I „ „ Lemberg „ „ Prag 1405 „ 5 „ 148 „ 1562 „ 25 „ 32 „ „ Venedig 927 „ 1 „ 8 „ In Prag Weiber 473 darunter 4 „ 2 „ „ Laukowitz „ 145 „ — „ — „ „ Lemberg „ 454 „ 1 „ 13 „ ,, Ncudorf „ 325 „ 5 10 „ „ Schwa; 96 „ — „ „ Süden „ 158 „ — ft — „ „ Venedig „ 146 „ — ,, — „ ., Wall. Mescritsch „ 394 „ 8 „ 1 tt Im Ganzen sind eS 9995 Männer, worunter 125 evang. und 340 isr., und 2169 Weiber, worunter 18 evang. und 26 isr. Herr Dr. Wolf macht die Bemerkung, daß Tyrol, das Land der Glaubcnscinheit und der Glaubensstärke, mit einer Dolkszahl von 858.203 die große Anzahl von 529 Sträflingen zu den seinen zählt, hat also trotz seiner Frömmigkeit vcrhältnißmäßjg mehr Verbrecher als Galizien, Mähren und Böhmen, die auch Protestanten und Juden in ihrer Mitte haben. * Nach Ausweis der Prager Universität im Jahre 1863 — 1861 befanden sich unter den 1469 Universilätshörcrn des Wintersemesters 1318 Katholiken, 5 Akalholiken der Augsburger und 1 der helvettichei, Konfession, 6 nichlunirte Griechen, dann 139 Israeliten, und unrcr den 1391 Sludircndcn des Sommerscmesters 1239 Kathollten, 7 Akalholiken der Augsburger und 1 der helvetischen Konzession, dann 7 nicht unine Griechen und 137 Israeliten. * Die wahrscheinliche Vcvö'lkerungszisfer Ungarns im Jahre 1864 veranschlagt „Sürgöny" mit Zugrundlegung der letzten ämtlichen Conscripnonen auf 10,074.225 Seelen; davon sind 5,305.895 Katholiken, 1,726.923 Reformirte, 1,104.736 n. u. Griechen, 875.885 Lutheraner, 689, 195 gr. Kath., 371.591 Israeliten. * Die Staatsanwaltschaft in 'Wien studirt den Talmud. In Folge des von der Kirchenzcimng in Wien gebrachten Aufsatzes über den Talmud ist, wie bekannt, der Redakteur derselben in den Anklagestand versetzt. Die Wiener Zeitung bringt in dieser Beziehung die Nachricht, daß die Staatsanwaltschaft durch diese Gelegenheit sich veranlaßt sicht, den Talmud zu studiren. *Die Deputation der galizischen Israeliten wurde am 12. Nov. vom Grafen Mensdorff empfangen und erhielt aus dessen Munde-die Versicherung, daß er unablässig bestrebt bleiben werde, die Gleichstellung der österr. Unterthanen ohne Rücksicht auf Nationalität und Confession durchzuführen. Die Deputation begab sich auch;um Staaisminister, um ein Gesuch wegen Aushebung der in 'Galizien noch bestehenden Beschränkung des Besitzrechtes zu überreichen. Herr von Schmerling versicherte, daß ihm diese von seinem Vergänger überkommene Erbschaft lästig sei, und er bestrebt sein werde, die noch bestehenden Schranken im verfassungsmäßigen Wege aufzuheben. * Unser Landesmann Herr Kohn-Akin. Sohn des Vester Kaufmanns I. L. Kohn, der sich auf dem Gebiete der Physik durch hervorragende Leistungen und Erfindungen bemerkbar gemacht har, ist im Londoner Athenäum als Ehrenmuglic. ernannt worden, eine Anerkennung, die in England nur ausgezeichneten Geistern zu Theil wird. * (Eine christliche Familie baut eine Synagoge.) Die israelitische Gemeinde zu Linn bei Crcfeld feierte am 14 d. M. ein Fest, das wohl als Unicum dasteheu dürfte. Der im vorigen Jahre verstorbene Renner Herr Philipp de Greifs hatte in seinem Testamente die gänzlich unbemittelte israelitische Gemeinde zu Linn mit einem Legate von 8000 Thalern bedacht, bestimmt, für eine neue Synagoge, welche Summe zu diesem Zwecke vollkommen ausrcicht. Die Universalcrbiu der beiden Brüder de Greift, welche ein fürstliches Vermögen hintcrlaften, Frau Anna Rhodius, vervollständigte mittlerweile das Geschenk ihres Vaters, indem sie auch noch den erforderlichen, sehr werthvollen Bauterrain schenkte. Somit liegt hier der seltene Fall vor, daß Christen—der Donator und Frau Rhodius sind,Menouilen— eine Synagoge gebaut haben. —