Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 4 (28.11.1864)
- Date
- 1864-11-28
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 29 — 1835 bestimmten Rekursfrisr und selbst nach einer noch so langen! stiachwarrnng niemand gegen den über die Theilung des Per- I mögend der jüd. Tteuerabschnillsrestenkassa z w i s ch e n d e r L a n d-! und Prager Judcnschaft gepflogenen Vergleich eine Berufung j eingcbrachr Hai, die hohe Laudesstclle wegen ÄuSfolguug des abge- > theillen Vermögens nicht anstehen werde, das Nöthige an das j k. f. Kameralzahlamt zu erlassen, sobald von Seite der j Gemeindevorsteher u n d der L a n d e s d e p u t i r t e n ein Vorschlag zur gemeinnützigen Verwendung für die Prager dann die L an d es j u d e n s ch a ft vorg'legt werden wir d". Wenn Jemand ein unbestrittenes Recht an einem Gegenstände hat, so kann er dessen unmöglich verlustig werden, wenn dieses Objekt in der Folge einem größern ähnlichen Komplexe angescklossen wird. Derselbe Fall stellt sich hier heraus, und glauben wir in Obigem nicht minder aklenmäßig das Eigenthnms- und! Verfügungsrecht für.die Stadt- und Landcsjudenschafl am sämmtj lichen Steuerrestkapital nachgewicseit zu haben. .! Daß diese Anschaungsweisc bisher immer Geltung gehabt,! beweisen die öfrern Berathungcn über das in Rede stehende Der-! mögen von den beiderseitigen Repräsentanten, wo es niemand j beigekommen ist, das Eigcnthumörecht der gesammtcn böhmischen jüd. Landesbewolmer an diesem Vermögen in Frage zu stellen.! Sollten jedoch in letzter Zeit Umstände eingclrelen sein, die! dieses Real einzig und allein dem Srcuerkonsortium zuzusprechen - die Veranlassung gegeben, so hätte ich nur zwei Fragen, die ich gerne von der „sehr kompetenten Seite" beantwortet hätte ■ 1. Wenn daö Steuerpachrkonsornum sich das Eigenthums- und Verfügnngsrecht über das in Frage stehende Steuerrestvermögen ausschließlich vindizirt, so muß sich jedem mit der Sachlage einigermaßen Vertrauten unwillküh lich die Frage ausdrängen, wie es komme, daß dieser Körper verpflichtet werden konnte, der neuen Landesrepräsentan; über dieses Kapital Rechnung zu legen und, nachdem eben dasselbe Consortium sich in der etwas kritischen Lage befunden, bis zum Jahre 1848 die nöthigen Ausweise nicht beischaffcn zu können, es sich mit lobenswerthems?) Entgegenkommen bereit erklärt har, von da ab meser Anforderung um so vollständiger nachzukommen? ' 2. Sollte das Recht der Steuerpachrgesellschafr sich aus der Zeit dariren, wo sie den Gnadenakr Sr. Maj. Kaiser Fer-! dinandS noch auszuuützen wußten und mit den Steuerpflichtigen Abfindungen voruahm, die noch in gutem Andenken stehen, warum hat diese „Landplage" nur einige Landeskrcise getroffen und sind andere davon verschont geblieben? X. 0. X. 8. Wien Mitte November. Wenn idjetzt erst mit einigen Worten Ihrem Wunsche Nachkomme und Ihnen etwas für Ihr Blatt bringe, so ist die Ursache keine andere, als daß ich erst abwancn wollte, welchen Weg Sie einschlagen werden. Ich sehe nun aus den drei ersten Nummern Ihrer Wochenschrift, daß Sie nicht in die Fußtapfen der bisherigen jüdischen Blätter treten und nicht ein ausschließend theologisch-jüdisches Journal schaffen wollen, sondern ein solches, das dem Juden die Außenwelt näher legt, das ihm von seinem Standpunkte aus einen Einblick in Politik, Wissenschaft, Kultur und Kunst verschaffen soll, das ihm das Bewußrsei» seines Könnens wie seiner Rechte und Ansprüche an Staat und Mitbürger verschaffen soll, und das ihm ferner das Neue in den Weltbcgcbenheiren auf eine Weise zugängig machen soll, wie er es braucht und wie es ihm frommt: damit er sehe, wie er sich heimisch zu inacheu habe in dem Lande, wo er seine Heimat zu suchen hat! und sie endlich finden wird und muß; demzufolge heben Sic auch hervor, was er in seinem Wirkung-kreise lhut und welche "Rolle er hie und da spielt, aber immer ein Herz vcrräth, das Liebe hat zur Familie, zur Gemeinde, zum Vaterlande und zu Allein, was den menschlichen Geist veredelt und ihn hebt. Sie zeigen, welche Kraft in ihin liegt, und wie die Gesellschaft sich nur selbst schadet, wenn sie die jüdische Intelligenz verkümmern läßt oder sie gar ^unterdrückt, weil sie sich nicht getraut, diese zur Geltung kommen j zu lassen, aus Furcht, von ihr.verdrängr zu werden oder, was noch j schlimmer wäre, diese gar achten und würdigen zu müssen. Sie j spielen auch in das Feld der Politik hinüber, erlauschen da jeden | Moment, dem ein Funke zu entlocken wäre, der ein ucnes Licht! herausbringen könnte, welches endlich die letzten Schatten verscheuche, * die ans einer früheren Zeit sich immer noch herüberzichen. Möge Ihr Streben Anerkennung finden, aber daß Ihnen diese zu erringen noch schwer werden dürfte, sicht Jeder ein, der es weiß, wie mühselig und undankbar es ist, den trägen Gewohnheitsgang dcS Alltäglichen in neue Bahnen zu lenken. Doch errnüden Sie nicht und das Zeitgemäße wird sich Bahn brechen. Mittheilungeu vom hiesigen Platze wären höchstens die vielen Fallimente, die Gcldkalamilälcn, und las wäre aber so wenig neu, als es nicht lokal ist, und epidemienanig beinahe den ganzen Contincnc beherrscht. Dem Ministerwechsel haben Sie bereits Ihre Aufmerksamkeit zugewendet, „die Zukunft Oesterreichs," die Broschüre nämlich, werden Sie eben so wenig besprochen haben wollen, als Sie diese besprechen werden und wollen. Wir hoffen, daß die wahre Zukunft Oesterreichs einen tüchrigern Gehalt, eine glänzendere Erscheinung sein und eine günstigere Beurthcilung haben möge. Auch von der Wohlthätigkeit Wiens, wenigstens der Kultusgcmeinde, den armen Studierenden gegenüber haben Sie Notiz genommen und es erübrigt mir nur über den Preßprozeß ..Wiltelshöfer" einiges zu bringen, den Sie ganz zu übergehen scheinen, der hier aber um so mehr Aufsehen erregt hat und Blättern verschiedenster Richtung Veranlassung gegeben, die verschiedensten Glossen zu machen, als das Thun und Lassen des Veruriheillen stets ein Ausgezeichnetes war, und ist Dr. Wiltelshöfer ein Mann, d mit Lust und Liebe seine oft schwierigen Pflichten erfüllt und mit Leib und Leben für Menschenwohl und Menschenwohlfahrt arbeitet und wirkt. Ein Manu, der die Zellen des Unglücks aufsuchl, um Elend und Unheil zu beseitigen und in Wort und Schrift nur das Gute und Ersprießliche anstrebt. Die allgemeine Theilnahme, die dem Manne wird, ehrt ihn nicht minder, wie das große, alles Gme und Edle würdigende Wien. Wahrhaft ergrerfend war besonders die letzte Ansprache des Veruriheillen an den Gerichtshof vor erfolgtem Urtheilsspruche, und diese will ich Ihnen und Ihren geschätzten Lesern hiemit wörtlich mitheilen: „Hoher Gerichtshof! Ich habe nach den beredten Worten und dem erschöpfenden Plaidoper meines hochgeehrten Freundes und Verteidigers nichts mehr hinzuzufügen; allein eine Aeußerung des Staatsanwaltes, welche mehr persönlicher Natur ist, veranlaßt mich, das Wort zu erbitten. Die Staaisbebörde geht nämlich, wie ich aus der Replik entnommen habe, in ihrer pessimistischen Anschauung über meine Person so weit, daß sie nur zumuihet, die freundlichen und lobenden Artikel über die Strafanstalt in Stein nur deshalb geschrieben zu haben, um nachher desto besser über die Anstalt in Neudorf schimpfen zu können. Diese Insinuation muß sich auf das Entschiedenste zurückwetsen. Als ich daran ging, mich um das Gefängnißwesen in Oesterreich zu kümmern, und den Entschluß faßte, die Strafanstalten in Stein und Nendorf zu besuchen, war mir die Schwierigkeit meiner Aufgabe wohl bekannt. Ich wußte, daß es ein gefährlicher Weg fei; aber ich betrat den holperigen Weg festen Mulhes und nahm nur vor, meine gesammelten Erfahrungen ohne Vorurtheil, ohne vorgefaßte Meinung zu veröffentlichen, zn loben, was zu loben ist, und eben so umgekehrt, und hierdurw Etwas dazu beizutragcn, damit das Schlechte verbessert werde. Ich war gefaßt darauf, von jener Seite angegriffen zu werden, welche den geringsten Tadel mit hundertfachen Schmähungen erwidert, und stets jeden Journalisten verhöhnt, der nicht ihres Calibers ist. Als mein erster Artikel über "Nendorf erschien, wurde in dem bekannten Schmühblane jener Partei ein 6 Spalten langer Artikel gegen meine Person, voll der gemeinsten Angriffe, voll der gröbsten Insulten veröffentlicht. Die Schmähschrift erschien an demselben Tage, an welchem mir die Staatsbehörde die Berichtigung der Frau Oberin zuschickre. An demselben Tage, an dem die Sraalsanwallfchaft die „Medicinische Wochenschrift" wegen dieses Artikels mit Beschlag belegte, erschien jener Schmäharrikel in dem bekannten Blaue, das sich des Privilegiums rühmen dark, gegen Andersdenkende Alles schreiben zu können; man veranstaltete einen Separatabdruck dieses Schinähariikels, man verkaufte diesen um 2 kr., in Ncudon wurde er sogar verschenkt, an den Straßenecken als Placai angeschlagen, und so incin Name zur gemeinen Speculatiou benützt. Ich schwieg dazu, denn mir lag jeder Scandal fern. Ich sagte mir: Du hast Deine Pflicht gerhan, laß sie sprechen. Daß aber die Staatsanwaltschaft mich in den Antlagcstand versetzen werde, das ahnte ich nicht und konnte ich nach der Sachlage nicht ahnen. Hoher Gerichtshof! Ich bin über die Jngendjabre meines Lebens hinaus. Nicht Leichtsinn führt meine Feder. Ich habe trryamrng oer muyfam errungenen pouklscyen Freiheit, doren.-untz.1 bei$ieijiwä'vei“eiriüifrtrt" ’.'-t u