Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 4 (28.11.1864)
- Date
- 1864-11-28
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 27 — scheu und historischen Studien, die ihm so lieb geworden, . und zu denen er sich stets mächtig hingezogen fühlte, nicht brechen mußte, was bet der Wahl des den Wrenschen ganz in Anspruch nehmenden medicinischcn Berufes allerdings der Fall gewesen wäre; 2) Neigung zu juridischen Studien überhaupt, insbesondere der ihm schon damals vorschwebenden Möglichtüt einer wissenschaftlichen Bearbeitung und Befruchtung des jüdischen Rechts durch das historische Recht alter und neuerer Zeit, besonders des römischen und orientalischen Rechts; 3) die ihm bei dieser Wahl noch immer bleibende Aussicht als Ncligionslehrer oder Prediger sich bei cimr jüdischen Gemeinde einen Wirkungskreis zu eröffnen. Während seines juridischen aeademischen Qua« drienniums unterzog er sich dem Lehrerexamcn für die ersten 4 Gymnasialclassen (die sogenannten HumanitätSclassen) und war so der erste Jude, der zur Ertheilung des Privatunterrichts in den sämmtlichen Ghmnasiallehrgegenständen ohne Beschränkung auf eine Konfession befähigt und berechtigt erklärt wurde. Während dieser Periode unterzog er sich auch den vorgeschriebcnen 4 strengen Prüfungen (Rigorosen) zum Behufe der Erlangung der philosophischen DoctorSwürde, mit dem Calcul „Auszeichnung." Dem Examen zur Erlangung des Lehrsähigkeits- Zeugnisses für hebräische Sprache und Grammatik hatte er sich schon während seiner Gymnasialstudicn unterzogen. Er erfreute sich des besten Rufes, vorzüglich wurde seine Unterrichtsmethode allgemein anerkannt, so daß er in den ersten (jüdischen und christlichen) Häusern (v. Lümel, v. Porrheim, Wiener, Epstein, Kreiscommissür von Ulm) zur Ertheilung des Unterrichts engagier wurde. * Nach vollendetem Universitätsstudium ging er nach Wien, wohin er als Lehrer und Erzieher in das Haus des Großhändlers Ernst Wertheim (David Wertheim und Comp.)-berufen wurde. Der zu den angenehmsten Zeimbschnitten semes Lebens gehörende Aufenthalt in Wien, der ihn in nähere Berührung mit dem vortrefflichen und wackern Prediger Mannheimer brachte, und ihm den äußerst anregenden und belehrenden Umgang mit gelehrten und gesinuungStüchtigen Freunden — mit dem leider zu früh Hingeschiedenen Nathan Schlesinger, und dem noch lebenden biedern und ihm sehr theuern Herrn Breuer, emeritirten Religionslehrer, und Jsak Mahler — gewährte und für seine Lebensrichtung von hoher Bedeutung war, dauerte kurze Zeit — 8 Monate. Er wurde im Mär;1831 von dem k. k. Gymnasialstudicn urcetorat nach Prag berufen, um die Supplirung der durch die Resignation des k. k. Schulraths Herz Homberg erledigten Lehrkanzel für den Religionsunterricht der israelitischen Gymnasialschüler zu übernehmen. So schwer es ihm auch fiel, das ihm in vieler Beziehung lieb gewordene Wertheimerische Haus, in dem er die liebevollste Behandlung erfahren, zu verlassen und aus der Kaiscrstadt zu scheiden, welche so viele der anregenden Momente für ihn enthielt, so entschloß er sich doch, dem Rufe zu felgen. Die Aussicht, auf diesem Wege eher zu einer segensreichen Wirksamkeit und zu einer stabilen Lersorguug zu gelangen und dadurch in die Lage zu kommen, ein Mädchen seiner Heimat, zu dem er sich durch die reinsten Gefühle inniger Liebe seit Jahren hingezogen fühlte, endlich als treue Gattin hcimzuführen, gebot ihm, auf seine momentan günstigere und behaglichere Stellung zu verzichten, um sichdort in Prag eine bleibende Stellung zu schassen. Und so gering auch Anfangs die materiellen Bortheile waren, die seine neue Stellung ihm gewährte, so wagte er es doch, zunächst im^Bertröstcn auf Gott, dann aus seine eigene Thütigkeit und Rührigkeit, insbesondere aber auf die seltenen Vorzüge seiner sich gewählten Lebensgefährtin, ihre Anspruchlosigkeit und Liebe zu ihm, sich mit ihr schon im nächstfolgenden Jahre am 1. Jäner 1832 zu verheiraten. Der Himmel hat diesen Bund gesegnet. Ihm ward — er spricht es nach 26jähriger ehelicher Verbindung aus — ein Glück beschieden, wie es nur Wenigen beschieden ist. Seine Frau, Fanny, geborne Goldschnndt, die einzige Tochter des Josua Goldschmidt in Trebitsch, eines der achtbarsten Männer Mährens, und Enkelin des in der talmudischen Welt rühmlichst bekannten Mordechai Brumof, Rabbiners in Böhmisch- Leipa, hatte in ihrer Jugend die sorgfältigste Erziehung genossen. Von/ Natur mit seltenen Liebesreizen ansgerüstet, durch die sie die Herzen Aller, die sie sahen und spracken, gewann, verband sie mit einem tiefen religiösen Sinn, einem edlen, für Menschen-Wohl und Weh fühlenden Herzen eine Klarheit desVerstandes und eine gereifte Lebensanschauung, wie sie bei Mädchen dieses Alters nicht leicht vorkommt. Ihre Treue und aufopfernde Liebe für Eltern und Verwandte, ihre Pietät und Verehrung für Männer der Kunst und Wissenschaft, ihre wahrbafte Frömmigkeit, die sich durch- Wohlthun und andere Werke der Liebe kund that, machte sie weit und breit bekannt, man nannte den Namen Fanny Goldschmidt nicht ohne tiefe Verehrung und Anerkennung. An der Seite einer solchen treuen Lebensgefährtin war das Leben süß, trotz mancherlei Entbehrungen, die es ihnen in den ersten Jahren ihrer Ehe auferlegt. Von seiner Frau gilt der Salomonische Spruch in seiner vollen Wahrheit: nä» ~rf< kä" Während er so seinem Berufe als Religionslehrcr der israelitischen Gymnasialjugcnd mit Liebe und Eifer oblag, und schon nach den ersten Semestralprüfungen die Zufriedenheit der Studienbehörde in der anerkennendsten Weise ihm zu erkennen gegeben wurde, versäumte er nicht, seine juridischen Studien fortzusetzen und unterzog sich den zur Erlangung der juridischen DoctorSwürde vorgeschriebcnen vier strengen Prüfungen, die er zur vollsten Zufriedenheit ablcgte. Um diese Zeit fällt seine erste literarische Arbeit: „lieber den Eid nach Grundsätzen des jüdischen Kirchenrechts" (in Weiß's Archiv für Kirchcnrecht, Ginsten 1833). Nachdem er am 1. Mai öffentlich über verschiedene Thesen aus dem gesammtcn Gebiete der Rechtswissenschaft disputirt hatte, wurde er am 5. Mai 1833 an der Prager Hochschrle zum Doktor der Rechte promovirt. Diese Promotion machte großes Aussehen, da seit 20 Jahren kein Jude zum L>r. juris promovirt worden war, und er in der Reihe der an der Prager Universität promovirtcn Doctores juris der vierte war. (Die 4* uyawung oer muysam errungenen pouuscyen Ureigen, ovren.unv.'