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Das Abendland · 1864-11-28 · 4 (28.11.1864) · p. Seite 26

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
4 (28.11.1864)
Date
1864-11-28
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 — im!, steigert mehr die Wuth, alö wenn Kämpfer mitten im hitzigsten Gefechte gezwungen werden, die Schwerter niedcrznlegcn und Frieden unter sich zu stiften. Das können wir täglich erleben, besonders bei der heißblütigen Jugend. — und jung war ja das politische Leben auch in Oesterreich, dessen Parthcicn auf einen Machtspruch hin, den die ultima ratio regum, mit Friedrich II. zu reden, unwiderstehlich sckundirtc, plötzlich gezwungen worden, sich zu vertragen, wenn auch nicht sich zu versöhnen. Im Innern aber hatte cs fort gegährt und gelocht, und daö um so intensiver, je gefährlicher, ja je unmöglicher jeder Ansbruch nach außen war. Kein Wunder also, daß die Flamme aus allen Dachsparren hell emporschlug beim ersten Oeffncn der Luke, beim ersten Zutritt der freien Lust. So sahen wir denn vor Allem in Ungarn die unversöhnliche Parthei von 1848 mit betäubendem Waffengerassel auf die Arena sich stürzen, an Schroffheit und Rücksichtslosigkeit der Haltung jene des berühmten Landtages im Beginne jenes Jahres wo möglich noch übcrbiet.nd. In der That, Stoff zu neuer Verbitterung der Gcmüther hatte sich inzwischen nur allzureichlich angehäiD Mit einer Leidens mftlichkeit, die eine seltsame Illustration zu der vielgerühmten politischen Klugheit der Magyaren bildete, mit einer Vehemenz, vor der keine Besonnenheit Stand halten konnte, rannte man gegen das ohnedem im Zusammenbrechcn begriffene alte System an, daß der bedächtige Beobachter der Ereignisse im Interesse jener unbestritten edlen und hochherzigen Nation selbst innigst wünschen mußte, cs möchte schleunigst wieder der Vorhang fallen und das allzu grelle Schauspiel, an Taktlosigkeit Alles weit hinter sich lassend, was man seit den Tagen des französischen Convents erlebt hatte, den Augen der maßgebenden Kreise entziehen. Der Wunsch ging bald in Erfüllung, mußte in Erfüllung gehen, wenn nicht der Kamps oom Gebiete parlamentarischer Diskussion weg alsbald wieder auf das Blutfcld der Schlachten übertragen w rden sollte. — In Ungarn traten also abermals politisch Vacancen ein, und dauern bis heute fort, ohne da inzwischen die mindeste Aussicht einer für das Heil und Gedeihen Oesterreichs so nöthigen Verständigung sich er-, öffnet hätte. — Wie soll man auch mit einer Parthei sich verständigen,die den bckauntcnSpruch„extra Ilungariam non est vita“ nicht bloß auf dem Gebiete der Materie, sondern auch auf jenem der Politik zum allein selig machenden Dogma zu erheben sucht, einer Parthei, die nur c neu ungarischen Staat durch Personalunion mit den vorigen Ländern Oesterreichs lose zusammenhängend anerkennt, die demnach einen,, durch die ausgesprochenste geschichtliche Nothwcndigkeit zusammcngcfügten Länderverbaud in zwei Hälften spalten, und zu einer Ohnmacht verdammen möchte, die für beide äußerst verhängnißvoll werden müßte. Man fragt sich: Mit welchem Rechte beansprucht der Ungar eine bevorzugtere Stellung unter den andern Nationen Oesterreichs? Haben die Magyaren etwa mehr zum Heil und Gedeihen ihrer slavischen und deutschen Nachbarn bcigetragen, als diese zudem ihren?—Darauf kann nurdie Geschichte antworten, und wir empfehlen in dieser Hinsicht zu besonders aufmerksamer Lektüre speziell die Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts, die Zeit, da die Türkenschwärme die ganze, eben noch nicht sonderlich erstarkte Cultur Europas bedrohten, und besonder die Gegenden der untern und Mittlern Donau zu. Op rationsbasis ihrer Raub¬ und Mordzüge sich erwählt hatten. Sapien^ sat. (Fortsetzung folgt.) Professor Ar. Wolfgang Wejfely. Eine biografische Skizze. (Fortsetzung.) Zu seinen Schülern aus dieser Zeit gehören Dr. Ludwig August Frankl, der in Wien als Rechtsgelehrter und Advocat rühmlich bekannte vr. Sigmund Wehli und der Majorsauditor Franz. Nach absolvirtem Gymnasium besuchte er nach einer mehr als 6jährigen Abwesenheit seine Eltern und Vaterstadt, bei welcher Gelegenheit er auch seinen Fortschritt im Talmud durch ein vor einer großen Versammlung talmudisch gebildeter Männer gehaltenes Disputatorium (pnn) bekundete. In diesen Zeitraum fallen auch einige von ihm in Druck erschienene Gelegenheitsgedichte. In der VI. Gymnasialclasse gelangte er in Folge einer hohen Gubernialentscheidung in den Genuß einer Convict-Stistung von jährlichen 50 fl., eine Auszeichnung, die bis dahin keinem jüdischen Studenten zu Theil wurde, und die ihm nach Vollendung seiner Universitätsstudien blieb. Unter gleich günstigen Verhältnissen und mit derselben Auszeichnung vollendete er die beiden philosophischen und die vier juridischen Jahrgänge an der dortigen Hochschule. Er hatte bei denSemcstral-undAnnunalprüfungen aus sämmtlichen obligaten und unobligatcn Fächern immer die Vorzugsclasse (Eminenz) erhalten. Nach Zurücklegung des zweijährigen philosophischen Kurses, als es sich nun um die Wahl eines sogenannten Brodstudiums handelte, entschloß er sich, nach längerer Deliberation und Erwägung aller Gründe, für das Studium der Rechtswissenschaft, so kümmerlich auch damals die Aussichten für den feinem Glauben treu bleibenden jüdischen Rechtsbeflifsenen waren, der kaum nach einer 15jährigen Eppcktanz hoffen durfte, eine Advocatensielle in Prag (außer Prag und Lemberg gab cö keine jüdischen Advoeatcn) zu erlangen. Bestimmend für diesen (l ntschluß waren: 1) die Rücksicht, daß er bei dieser Richtung mit seinen jüdischtheologi-

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