Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 4 (28.11.1864)
- Date
- 1864-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Nro. 4. Prag, mit 28. November 1864. Pränumeration für pntij ober durch Lluchlnittdcl des In- und ^iiblaiidcs: Can^-iahrin: e'fl- 50 fr. ob. 4 Thl. finlbinbrio: 3 flr>0 ft. ob. ' r Tbl- 6 Lzr. Viertrljähcia: I fl.80 fr.ob. I Tbl. 6 Szt. r 9) 7 Ccntralorgail für alle zeitgemäßen Jiitcrcffcn des Zildcnthumes. pränumrraüoil mit pogvcrsciidiing: E Cqhjjahrig: 7 ft. — fr. ob. 4 ThllOcgt. fialbiäljrig: 3 ft. 75 fr. ob. 2 THI.wSgr. Dirrtrljahrig: i fl. 95 fr. ob. I Thl.lOSzr. Jur Zustellung ins Haus raöcfjcntficfj l kr. ö. 1Ü. ' v.' ' Erscheint jeden Donnerstag. — Nedaktivnsbnrcau: Fleischmarkt.Nr. Consc. 702—1, 1. Ltock. Agenturen: In Wien bei Herzfeld und.Bauer; in Brünn bei B. Epstein. Der ZIafiouaCi 1 atcttliu w pf in Böhmen und das Zudenthmn' Ein geschichtlicher Rückblick. :. . . i . / '> Fünf Jahre stud abermals verflossen, seit das kaiserlich' Wort nach dem Frieden von Villafranca den ans den Leistern in Oesterreich haftenden Bann gelöst, und ihnen zum zweiten Male die Arena einer allerdings nicht sehr ausgedehnten publicistifchenThätigkeit eröflnete. Durch eine Periode von nenn schweren bangen Jahren waren sie in einer Art Halbschlummer gelegen,^ eilige- * wiegi urch eben nicht sanfte Wiegenlieder, oder besser,! sie lc <uen still izn Hinterhalte aus den ersten günstigen | fflJoui l uni die Bach'sche Zwan.'sjacke abzusireisen.fL Scheinbar herrschte Friede und Ruhe rings umher;— "s T ank der osficiellen Schönfärberei, die innerlich in hoch- | stem Grade faulen Zustände waren so sauber übertüncht— so geschickt war Alles in Scene gesetzt, was als Mai nifestation des Vollgeistes gelten konnte, daß der Fremd-! ling in Oesterreich, wenn nur einiges Wohlwollen für j dessen Geschicke ihn erfüllte, seine rechte, herzliche Freude daran haben mußte. Besondern Respekt aber mußten ihm die „superiores“, unsere Behörden einflößen; schien doch das ganze öffentliche Leben und Treiben nur e ne fortgesetzte Huldigungs-Adresse von dem Parfüm überschwänglicherLoyalitätnmdustet.Wo waren dieMalkontenten aus der Periode von 1848 plötzlich hingerathen? — Mit cinemWorte,derBürger schien es endlich begriffen zu haben, Paß Ruhe seine erste Pflicht sei. Allerdings waren die Argumente scharf genug gewesen! — Doch, wie dem auch sei, d Z Ziel war erreicht der Triumph der Reaüion vollsr dig, alle Opposition verstummt — der maßlosesten Aufregung — dem wildesten Toben der politischen Leidenschaften war eine Periode der Ruhe gefolgt. Wollten wir nun in das breite Fahrwasser abgedroschener Oiedensarten einlenken, so müßten wir schleunigst beisügen: aber es war die Ruhe des Kirchboke- . Doch nein, diese Phrase hätte in diesem Falle r .ch! die mindeste Berechtigung für sich, denn es war Dmes,.ills die Ruhe des Kirchhofes, sondern, wenn schon einmal ein Gleichniß beliebt ist, es war die Ruhe des Winters, dessen Schneedecke keineswegs eine Leichenhülle ist, sondern ein Mantel für das rastlos darunter webende und keimende organische Leben. Gleich wie nun der erste Sonnenstrahl im März, vor demEis und Schnee dahin schmelzen, das reiche-Leben, das sich in der unerquicklich kalten und trüben Zwischenzeit entwickelt, offenbart, also war. es auch in Oesterreich - nach dem berühmten kaiserlichen Manifeste. Wie von der Berührung des mährchcnhasten Zauberstabes aus 1001 Nacht plötzlich elektrisch durchzü-ckt, stiegen die alten scheintodten Partheien geharnischt aus ihren Gräbern empörst es schien, als ob gar kein Interregnum an uns vorüber gegangen wäre; ein kurzer Moment des Verdutztseins, während dessen man sich die etwas schlaftrunkenen Augen rieb, .ein wetterschnelles Sammeln und Rangiren unter alte oder.neue Partheihäupter, ein flüchtiges Austheilen der Parole — und wieder lag man sich lustig in den Haaren, wie in den schönen Tagen der Kravalle und Barrikaden. Zieht man die ungemein bittern und herben Lehren in Betracht, Pie die jüngsten weltgeschichtlichen Phasen mit großen Zügen in die Seele jedes Denkers geschrieben, so müßte uns diese Erscheinung wahrhaft unerklärlich Vorkommen, wenn nicht vom Standpunkte der Psychologie aus die Lösung des Räthscls um' so einfacher und leichter wäre. - Man fragt sich: Wie in aller Welt konnte cs nur geschehen, daß unmittelbar mit einem Kapirel der Weltgeschichte, für das der Geschichtsschreiber wohl keine geeignetere Ueberschrift finden dürste, als den alten S i ruch eines alten römischen Auroren: „diseordia maximae res 'dilabuntur-' „Durch Zwietracht werden die größten Dinge klein," der alte Hader und Streit, der so eben erst wie ein giftiger Samum über die schönsten hoffnungsreichsten Saaten hiugeweht hatte, von Neuem in alter maßloser Heftigkeit losbrcchen tonnte? Die Antwort isr: Nichts verbittert mehr, nichts reizt 4 irryauung oer mucham errungenen politlMBFrecheit, doieuuns st deizle^üg^crrhüJiry;,. -7