Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 3 (17.11.1864)
- Date
- 1864-11-17
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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tcr nidit zu früh ltub nicht?n spät vorzunchmen?! Aber ich wollte doch vom Pilsner Markt sprechen, den die Eisenbahn aller! Poesie bcranbr, der nicht wie sonst von allen, die ihn besnchlcn. herbeigcschn: wird, der nicht wie sonst acht Tage währt, der nicht! wie sonn Scher; und Unterhaltung bietet. ES ist vorbei mit ihm! Nicht mebr'zn Wagen und zu Pferd wird er bezogen, die Loco-; motiöe bac ihn all seiner Reize beraubt und all seinen Schmuck > nüV sich forrgerisscn. Wo sind die schönen Zainsiage, die man in der höhmischen Kreisstadt verlebte, wo sind sie, die Freuden der eintägigen Reise'?! Alles, alles ist vorbei, man setzt sich Sonntag Morgens prosaisch im Bahnhöfe ans, um zwei Stunden darauf an Orr und Stelle zu sein — und Mühe und Plag beginnt! Ja die „Eisenbahn," meinte einer, dem der frühere Pilsner Markt über alles ging, „was macht sie aus der Welt; unsere liebe Erde wird noch ganz klein werden, so klein, dag man sie schneller bereisen als ein Handbuch der Geographie lesen wird: der Mensch wird zum Briefe werden, denn bevor man sich Zeit nehmen wird, zu schreiben und zu siegeln, wird man auf die Eisenbahn gehen, und sich selbst an die Adresse bringen, und wieder franco retourschicken lassen." Nun der gute Mann übertreibt; aber eins siel mir bei seinem Wehrnf ein, das; wir Menschen eigentlich nichts sind als Briefe. Die über das normale Menschenmaas; hinanSreichenden sind die nnergut cklich langen Briefe mit post scripta, die kleinen sind die l 'onischen U ie dicken, das sind die schwülstigen Briefe im Zopfstil, die groben :rtö unverschämten sind die Droh- und Brandbriefe, die höflichen und nnterthänigen die GratulationS- und Bittbriefe, die glücklichen sind die Pfandbriefe des Himmels, und die unglücklichen sind die Mahnbriefe an die Glücklichen, um sie an den „Wechsel" aller Dinge zu erinnern; die verheirateten sind die Briefe, die schon an ihre Adresse gekommen: die ledigen sind die Poftrestanlen, die noch abgeholt werden müssen, und die alten Hagenolzen sind die unbestellbaren Briefe, die auf der Post liegen bleiben; die Männer im Allgemeinen sind die Briefe im GeichäfcSftil, die Frauen—die zarcen, die feinen Briefe, die Herz und Seele erheben. Nicht jeder gelangt zu einem solchen Briefe, und sein Postpono kömmt oft hoch zu stehen, die einfachen kosten am wenigsten und sind in der Regel die besten. Schade daß oft diese zarten Briefe ihre Worte mit Küssen besiegeln und mit Schwüren, die mir dem gewöhnlichen Bricfsscg-l das gemein haben, dag sie heiß gegeben aber kalt gebrochen werden. M. Wien, 13. November. (R i ch t e r a m t s p r ü f u n g. Nochmals der Talmud.) Jüngst brachten mehrere Blätter die Miltheilung, daß einem Juristen mosaischer Confession in Wien seitens des Justizministeriums die Zulassung zur Richceramcsprüsung verweigert wurde. Dieser Vorfall mußte umsomehr befremden, als mehrere jüdische Juristen in früherer Zeit die Michieramts. rinnng anstandlos abgelegt Hanen. Dies gab dem Herrn Dr. Possaner v. Ehrenthal den Anlaß, in der gestrigen Versammlung des Vereines „zur Hebung gerichtlicher Beredsamkeit" die Frage der Zulassung der Juden zur Richreramtsvrüfnug vom gesetzlichen Standpunkte zu erörtern. Dr. v. Possaner vertrat die Meinung, daß die österr. Gesetze die Ablegung der Richteramisprüfnng von confessionellen Voraussetzungen nicht abhängig machen. Redner machte gellend, daß durch die Märzverrassung und die Grundrechte vom 4. Mär; 1819 die confessionellen Beschränkungen beseitigt, und durch die Aufhebung dieser Grundrechte nicht wieder ins Leben gerufen wurden. Einen Beweis hiefür liefere die Than'ache, daß es eines Specialgeseoes bedurfte, um die Besitzfählgkcir der Juden wieder einzuschränken. Auch das Patent vom 31. Dezember 1891 und das Ocrober-Diplom sancrioniren neuerdings die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetze, und das Prorestanten-Patenl vom 8. April 1861 beabsichtige, wie dessen Wortlaut besagt, den bereits früher sanctionirten „Grundsatz der Gleichberechtigung aller anerkannten Confessionen nach sämmrlichen Richtungen des bürgerlichen und politischen Lebens zur vollen Geltung zu bringen." Selbstverständlich berief sich der Vortragende auf die Ministerialverordnung vom 1. Mär; 1850, welche die Zulassung der Juden zur RichteramtSprüfung ausdrücklich gestattet. Wir erwarten, daß der derzeitige Herr Justizminister bei seiner abweichenden Ansicht in der angeregten Frage, fürder nicht beharren werde. — Ein ciericales Blatt, welches in eigenrhümlicher Weife christliche Liebe gegen Juden und Protestanten hegt, erzählte jimgst seinen Lesern, die Juden glauben, Gort sei ein Tänzer, ein Friseur, ein Spieler rc., denn so stehe es im Talmud zu lesen, und die Juden halten den Talmud für in canonisches Buch. Ohne auf diesen Blödsinn näher einzngehen und ihn widerlegen zu wollen, glauben wir, jeder Jude werde auf das entschiedenste prorestiren, wenn man ihm zumuthere, daß er an einen Gott glaubt, der ein Jriseur rc. ist, und bedürfte er in der Beziehung nicht besonderer gelehrter Gutachten. Die Anschauungsweise des clericalcn Blaues, uneröruert lassend, wollen wir nur bemerken, daß österreichische Regiernngsmänner den Talmud nicht für ein derartiges albernes Werk gehalten haben. Als Gewährsmann führen wir den Grafen Sedlnitzky, den ehemaligen Polizeiminister, an. Ein Buchdrucker wollte das ausschließliche Privilegium auf die Drucklegung des Talmud. Graf Sedlnitzkp bemerkte hierauf sam 19. Avril 1817): „Der Talmud ist k>ekc,r>,rrlich «i» un-ntbebrliches Religionsbuch für die jüdischen Glaubensgenossen, dessen 'Nachdruck zufolge eines Allerhöchsten Handbillecs von Mailand Sr. Majestät Kaiser Joseph ll. auf keine Weise beschränkt werden darf. Wenn auch diese Allerhöchste Weisung nicht vorhanden wäre, so ist es dennoch wede . billig noch gerecht, über den Nachdruck eines alten, mehrere Jahrhunderte existirenden Werkes, das ein Gemeingut für Jedermann geworden, und von Juden und Christen häutig nachgedruckr worden, ein Privilegium zu errheilen." Und so wurde der Talmud aber- und abermals in Oesterreich gedruckt und in Tausenden von Exemplaren verbreitet. Wmmigfalüges. -Eine fufh'ijc paroöte Der frmiritjen üliodarmjefcfHcfjtcn. „Duo si t-'.oiunt idem, non est idem" Wenn zwei das Gleiche thnn, ist eS noch immer nicht dasselbe," sagt ein altes Sprichwort. Dieser Gedanke dringt sich uns bei der Leknüre eines Briefes ans, der uns durch die gütige Vermittlung eines hiesigen Handlungshauses mitgelheilt wurde, und den wir zur Erheiterung unserer Leser veröffentlichen, aus Rücksichten der Diskretion vorkon mende Namen durch bloße Buchstaben bezeichnend, und das Original "für solche, die sich dafür besonders incercsfiren wollten, zur gefälligen Einsicht bereit haltend. Die Propaganda in Rom und die Missionsgesellschaften in Eugland verfolgen augenscheinlich ganz dieselben Zwecke; diese wie jene (wir wollen das Beste glauben) sind ohne alle Ncbenrücksichien eisrigst bestrebt, so vielen Menschen als möglich den Genuß deö 'höchsten Gutes, der ewigen Seligkeit, zu verschaffen, diese wie jene haben ohne Zweifel sich sehr große Verdienste um die Civilisation ferner Welrtheile und um die rohen, in unmenschliche Gebräuche deS z Heidenthums versunkenen Völker erworben. Allein beiden galt es i für zu wenig, und vielen ihrer Mitglieder wohl für zu gefährlich! und zu beschwerlich, in den ungewohnten Klimaten der heißen oder! kalten Zone, ferne, jenseiiS des Ozeans, diejenigen ansznsnchen, denen sie die Wohlthacen der Bekebrung wollten zukommen lassen; es war ihnen nicht genug jene zu erleuchten, die von einem unkörperlichen Gotte keinen Begriff halten, sie wollten auch jene auf den rechten Weg führen, die nach rarer Meinung im monotheistischen Glauben zwar nicht allzuweit aber dennoch vom rechten Wege abirnen, und die man ansstnden konnte, ohne sich, so zu sagen, den Fuß naß zu machen. Also kamen sowohl von Rom als von London ans die Bestrebungen zur Bekehrung der Inden; Rom jedoch und London unterschieden sich wesentlich in den Mitteln, die sie für ihren humanistischen Zweck wählten, und während ersteres durch Jngnisilion, Kerker und Scheiterhaufen und neuestens erst durch Verletzung der heiligen Interessen der Familie furchtbar wurde, ward das letztere meistens — lächerlich. Wir zweifeln nicht, daß Pins XI., dessen persönliche Eigen- ___ ( - — vsnjauung ocri!HU)|am errungenen pounMn'Psrciyelt, voren, uns > velzle»)ttttgr^ctvJa.ck'»e . .w