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Das Abendland · 1864-11-17 · 3 (17.11.1864) · p. Seite 24

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
3 (17.11.1864)
Date
1864-11-17
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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— 24 schaffen bfr Gü:e und Jiilbc allgemeine Anerkennung gefunden,! der mir der Verwirklichung freisinniger Ideen begonnen, gewiß nur wider Willen aus den Weg der Reakrion gcdräugl wurde, wegen deS vielfachen Leides, daS er im hohen Greifcnaller erfahren, zu den Märiyrern seiner Kirche wird gezählt werden; schwerlich jedoch wird ein späteres, mehr allgemein aufgeklärtes Zeitalter jcneö Moment feines MärtyrcrlhumS genug zu würdigen verstehen, das alS das stärkste und wichtigste betrachtet werden kann. Plus IX. nämlich hat nicht nur die Beschränkung seiner Macht, die Noch, l Wendigkeit einer Flucht aus seiner Hauptstadt, die Verkennung und * den Mißbrauch seiner edelsten Absichten erlebt; er hat um deS ■ Glaubens willen diesen Glauben selbst mit dem in Widerspruch > gesetzt, was jedem Menschen überaus theuer ist, er hat daS .jus canonicum dem jus bumanum entgegen gestellt und also den Verlust der Spmpachien vieler seiner eigenen Untergebenen riskirt, also ein moralisches Opfer gebracht, dem kein materielles an Größe gleichzukommcn vermag; ein Opfer, das schwerlich Gott, gewiß aber der Mehrzahl der Menschen nicht angenehm ist. Da haben die Engländer eS sich minder sauer werden lassen; sie baben bloS etwas von dem geopfert, daS sie ohnehin in großer Menge besizzen; sie lasten die Bekehrung der Juden sich — Geld kosten. Einer der ersten Dcnkerund Staatsmänner deS heutigen Englands,DiSraeli, macht sich in seinem Tendenzromane „Tankred" über die Bekehrung der ^uden durch englische Mistionäre lustig, indem er erzählt, wie sich der englische Bischof zu Jerusalem über einen aus mehreren Personen bestehenden Zuwachs zu seiner Gemeinde freue, da diese Gemeinde bloS aus der Familie des Bischofs selbst, dem englischen und preußischen Consul und fünf Juden besteht, die man für zwanzig Piaster wöchentlich bekehrt hat. „Aber", fügt der Erzähler hinzu, „ich habe gehört, daß die letzteren jetzt noch mehr Lohn haben wollen." Doch auch der gute Lohn hat nicht immer Zugkraft genug und selbst das erregte Gcmüih der Jugend wird von sanguinischen Hoffnungen ftir die Zukunft nicht immer in der Weise erregt, die sie zum Proselircnthum führt, wie dies der Fall mit dem jungen A. aus der preußischen Stadt B. beweist, auö besten Schreiben hier jene Stellen unverändert folgen, die auf daS augeregte Factum Bezug haben: London am 1k. Oktober 1864. Lieber Vater! - „— Hr. K. in L. verstand, daß ich Weggehen wollte, und ' er sagte, ich möge gehen, wohin ich wolle, ^ch nahm meine Sachen und wollte mit dem jungen Manne, von dem ich Dir schrieb, nach Wien. AIS ich zu ihm kam, wollte er erst die nächste Woche, und ich beschloß, allein nach Wien zu gehen. AlS ich auf den Bahnhof kam, war da ein Engländer, ein ziemlich alter Mann, der fuhr mir demselben Zuge nach Wien. Auf einer Station, wo wir über eine Stunde zu warten hatten, frug er mich, wohin ich gehe; ich sagte „nach Wien." Was wollen Sie da thun?" frug er'mich. „Das weiß ich selbst nicht," sagte ich. „Nun, wenn Sie wollen, kommen Sie mit mir nach England." „Gut," sagte ich, „ich will." Er versprach mir 10 Psd. St. für den Monat, als Gesellschafter mit ihm zu gehen; er konnte nämlich sehr schlecht deutsch sprechen, und da er französisch kannte, und ich auch schon ein halber Franzose war, so konnten wir ganz gut sprechen. Wir fuhren also von N., wo wir nach Wien umdrehen sollten, nicht nach Wien, sondern wir nahmen Billele nach Breslau, wo wir über Nacht blieben, und den anderen Tag fuhren wir nach Berlin, nach Hamburg und über das Meer mit dem Dampfschiff nach Großbrinanien, das ist also das Königreich England. Da sind nun drei Königreiche, nämlich England, Schottland und Irland, zusammen aber nennt man sie nur England. Nun ich und der Engländer, wir landeten in der Hauptstadt von Schottland, das ist Edinburgh. Bis jetzt wußte ich noch gar nicht, was eigentlich mein lieber Engländer'war, ich dachte, er wäre so ein verrückter Lord, wie alle die reichen LordS aus England sind, denn^er bezahlte alles für mich, er fuhr zweiter Klast'e und ich dritter. Wir waren acht Tage ans dem Meere, das alles kostete eine Maste Geld, er bezahlte alles, Nun als wir nach Edinburgh kamen, brachte er mich in ein Hotel, wo wir acht Tage lebten, ich vcrstand kein Wort englisch, und da wurde nur englisch gesprochen; ich lounie mich nun auf Niemanden verlassen als auf ihn. Ich frug Um nun, als wir eine Woche in Edinburgh waren, waS er mit nur machen wollte; er sagte mir, den anderen Tag wurde ich's erfahren. Der Kerl war schlau, ich war schlauer. Den anderen Tag brachte er mich zur Bibelgesellschaft in Edinburgh; da fand ich viele junge deutsche Juden, die auf dieselbe Weise nach Edinburgh kamen. Die meisten von ihnen waren längere Zeir da, die wußten, daß die Bibelgesellschaft eine Anstalt war, wo Deutsche englisch unterrichtet wurden, um >dann zum Chdstenthume bekehrt zu werden. „Gut," dachte ich, „cs kann nicht schaden, englisch zu lernen. Nun, lieber Vaicr! denke nicht, ich bin Christ. Ich mußte erst vor ein Comite gehen, bestehend aus einigen angesehenen und reichen Missionären und Geistlichen, die frugen mich auS und sagten mir daun, daß ich in der Anstalt einige Monate bleiben müßte, bis ich englisch sprechen könnte, sie sagten mir aber nicht, was sie auS'Mir machen wollten. Ich mußte bleiben, denn ich konnte nicht englisch sprechen. Ich blieb in der Anstalt sechs Monate. Als ich nun schon etwas englisch sprechen konnte, wollten sic mich taufen. Da waren wir nun viel Deutsche, und wir beschloßen zu entfliehen, chm nicht getauft zu werden. Es gelang in einem unbewachten Augenblicke. Wir hatten jeder 2 Psd St. und nahmen Billete auf ein Damvsschiff nach Dublin. Nach London, welches die Hauptstadt von England ist, ftirchteten wir uns zu reisen, weil von Edinburgh nach London sehr viele Schiffe gehen, und wir glaubten, man könme uns verfolgen und zurückführen. Ich habe, als ich noch bei Hrn. K. war, manchmal, wenn im Geschäft nichts zu thun war, in der dort liegenden Zeitung gelesen, die mein Herr gehalten hat. Da stand nun so vieles darin von dcm Knaben, welchen man in Rom seinem Eltern wcggcnommen und nicht mehr zurück gegeben hat und ich habe doch, wie ich Dir geschrieben, mir vorgenommen als ein rechter' Mann wieder zu Euch zu kommen. Ich fiivd tcie mich noch mehr> weil ich doch freiwillig mitgegangen bin, und -ür mich so viel Geld auSgegeben worden ist. Als wir in Dublin ankamen, gingen wir zu einem deutschen Kaufmann, zum preußischen Consul, welcher j uns nach Pässen fragte, und da wir leine hatten, sagte er, er könne! uns nichts ralhcn, da wir keine Papiere haben. Er Hane beson-; derS Mitleid mit mir. und versprach etwas für mich zu thun. Zu i der Zeit begann gerade die Ausstellung in Dublin, und er brachte j mich da an als einen Dolmetscher; ich war da drei Monate, so lange war die Ausstellung. Vor vier Wochen reiste ich nach der l Hauptstadt London. —" j Wir gestatten uns die Muthmaßung, der junge A. habe! schon in Deuffchland geahnt, wo das Thun seines Gönners hinaus wolle, es habe hier stangefuuden, was Fiesco bezeichnet mir den , Worten : ,',Ein Fuchs riecht den anderen." Das ganze Geschichichcn hat, im Contraste zu tcr Moriara- und Coen-Affaire, weder historische noch politische, noch religiöse Bedculung; doch erachten wir es alS sehr geeignet zur Cbarakieristik gewisser Zustände im sogenannten „politisch reifsten" Staate Europas, und aus diesem Grunde mittheilungswenh. * Dem Vernehmen nach ist der treffliche Baß-Baryton Angyalfi (Jsr.) am hiesigen böhm. Theater engagirt. Wir gram-! liren zu dieser Aquisition!! Korrespondenz der Redaktion.! Herrn Simon Saxl in Kollin. Wir drücken Ihnen , unser herzliches Bedauern darüber aus, daß, wie wir : aus Ihrer geschätzten Zuschrift die Ucbcizeugung ge- 1 wouuen, ein eben so unwissender wie feiger Bube Ihren! gechrrcn Namen mißbraucht hak, um aus sicherem Perj steck, wie ächte Gassenjungen zu thun pflegen, uns mit Steinen zu bewerfen, und werden zu unserer wie Ihrer Rechtfertigung in der nächsten Nummer dieses Blaues sowohl den Zettel als Ihre Zuschrift zum Abdruck bringen. ' X. 6. Ihr Artikel: „DaS Stcuerconiortium und sein Vermögen" nächstens. Ilm die Zahl unserer?. I. Herren Abonnenten, und damit die Größe der Auflage uuscres Blattes endlich fixireu zu können, wird Rr. 4: unseres Blattes statt Touucrstag den 24. November erst Montag den 28. Rov. zugleich mit der literarischen Beilage ansgegeben werden. Eigcinhümer, verantw. Redakreur u. Herausgeber: Dr. I. Roscuaucr. — Druck v. S. Freuud's Witwe u. Comp, in Prag.

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