Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1864-11-17 · 3 (17.11.1864) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
3 (17.11.1864)
Date
1864-11-17
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9050333-9088672-9050352--0026-9050358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 22 — bic Inleres'en biefce Vereines auch in Zukunft wohl- I bcn geehrten wiilgliedern beb Vereines, den wir zu vertreten bic Crtirc haben, den Beweis liefern, daß wir in ausgedehntem Maße Mildthätigkeit fleübt, und in ausgiebiger Weife die ftudireude Jugend unterstützt und dadurch gewissermaßen die Wiffeufchaft felbft gefördert haben. Indem wir daher den wärmsten Dank allen denjenigen abstatlen, die das Bestehen und daö Gedeihen dieses Vereines' fördern, bitten wir dieselben > wollend im Auge zu behalten, und ersncsien wir diejenigen, die dem Vereine bisher ferne gestanden, demselben beizutreten. Die sprichwörtliche Wohlthätigkeit der Wiener israelit. Cultus gemeinde wird sich gewiß auch stets auf das Glänzendste bewähren, wenn eS gilt, die Interessen der Wissenschaft zu wahren, und ihre Jünger tbatkräftig zu unterstützen. Mannheimer. Lazar Horwitz. I. Ritter v. Golüschmidt. Wilhelm v.Werlhenttstein. Ein Biach. M. Ritter v. KöiiiaSwartew Dr. G. 2Jolf. Eorrelpondenzen und Wiltheilungen aus der Zeit. Llns der letzten Woche. (Datee tur niente.— Ludwig Börne und die deutsche Postschnecke. — Der In di f f er c uti sm u S. — Der Tcmpctbau und seine Förderer. — 25jöhriges Jubiläum.— Die Männer des Handels. — Sie stille Woche.— Der Pilsner Markt.— Di e Eisenbahn und! ihre Wirkung. — Der Mensch ein Brief.) I Wie behaglich fühlt man sich doch oft in unserem einförmigen Leben an einem Winicrnachmittagc in seiner Stube, wie süß schmeck: das Dolce farniente! Im Ofen knistert lustig daS Holz, als ergötzte es sich in seinen letzten Augenblicken an der Erinnerung genossener Freuden, alS schwatzte es vom grünen Walde, dessen Schmuck cs einst gewesen, von seinen Dünen, die wirSiadtleme leider entbehren müssen. Im Zimmer ist es Halbdunkel, und wir denken und denken über lausend Dinge, bis wir einen Ruhepunkl finden; all unsere Wünsche, all unsere Pläne, all unsere Versprechungen passiren die Revue vor der Erinnerung, und mancher Wortbruch wird da bereut; wundert cs Sic, wenn mir in solchem Augenblicke auch mein Vergehen cinfiel, daß ich Ihnen trotz meiner Versicherung, trotz meiner Zusagen nichts über die Vorkommnisse der letzten Wochen -chricb, wundert es — doch wozu die Fragen? wer must geduldiger, wer toleranter sein als ein Rcdacieur? Sic haben mir vergeben und vergesieu, wenn ich daö scuilleroniüiiche Triebrad noch nicht in Bewegung letzte; ohnehin ist >a unser soziales Leben wie ausgestorben, allen piguauten Stoffes bar, bringt cs den, der seine Schilderung beabsichtigt, in nicht geringe Verlegenheit. Ludwig Börne erzählt in seiner deutschen „Postschuecke" mit viel Humor, wie ein Passagier aus dem Turn-Taxiichen Postwagen ausstcigt, sein aus die Erde hinfiatlerndcs Kleingeld Stück für Stück aushcbr, und den Postillon am Ende doch noch im Schrine ereilt. Unser jüdisches soziales Leben und alles, was damit zujammcnhäugl, erinnert mich an diese selig im Schooste des Eisenbahnwesens entschlafene Poftanstalt von ehemals. Der Berichterstatter darf sich getrost Ferien geben, darf gemächlich auf seinen Lorbeeren auöruhen, der Redaktion wortbrüchig werden;cS bleibt gcwist, der Postschuecke des Prager Lebens kömmt er immer noch nach. Es herrscht leider ein Geist der Ruhe, des Stillstandes, des Bewegens in einem alten festgezogeucn Kreise, der mit der Zeit, welche dem steten Fortschritt das Wort spricht, arg eontrastlrt, der Jndifserentismuö schwingt bei unö daö Szepter, herrscht von seinem hohlen Thron herab und hindert den Anlaui znni Bessern. Wie lange z. B. erwartet nicht schon unsere Tcmr.lgcmeiudc die Lösung der Frage vom Umbau ihres Gotteshauses? icit Jahren ist derselbe schon bcschlosieu, seit Jahren wird er von der Kanzel befürwortet, und wie wenig ist bis jetzt »ock, gesck Heu, niemand weist recht, was er will, oder niemand rvill recht wollen, was er soll — die Poftschncckc kommt nicht vom Flecke; was nützen Arrregungeu und Anstrengungen, was nützt Befürwortung und Unterstützung? — im Eomite spricht mari wohl hin nnd her, aber der „Tempel" bleibt stehen, nnerschültcrl ist er, trotz aller Zeitungsberichte, trotz aller scheinbaren Energie, dem Plane folgt sau nie die Ausführung, dem Willen nie die Thal nach, und der Witzling traf wohl den Nagel ans den Kops, als er die Förderer des Tempelbaucs mit einem Eichkatzckieu verglich, das in einer Haspel herum fährt; je lebendiger cs sich bewegt, um so rascher dreht sich das Rad, aber vom^Vorwä rtskorniucu ist dabei nicht die Rede. Gott bessers! Wie anders war es doch in der guten alten Zeit! da gab cs noch Energie und Thatkrasl, und manches, was wir heute loben und preisen, dankt ihr das Entstehen, manche reiche Frucht geniesten wir, zu der vor Jahren der Same gelegt wurde. Einer unserer ersten Männer könnte das bekräftigen, und sein Leben, das beredtem spricht als die Feder eines Feuilletomsien, zeugt von der Wahrheit dieses Ausspruchs. Er kam jung und unbekannt vor 46 Jahren hierher. Talent, Fleist und Sweben haben ihm die Sinsen höchsten Ansehens ersteigen lassen, und aus dem unbedeutenden Jünger der Wissenschaft machte 20jährige Mühe einen hervorragenden Vertreter derselben, der Vorurthcil und altem verrotteten Herkommen zu Trotz zu dem scheinbar Unerreichbaren gelangte, defsen. Thatkrast dem jüdischen Talent, der Begabung unserer Glaubensgenossen eine neue Bahn gebrochen. Er hat eS sich vielleicht nicht träumen lassen, der kleine Wolfgang Wessely, als er vor Jahren schüchtern daS Weichbild unserer Stadt betrat, daß er heute, beglückwünscht von den Besten unserer Gemeinde, zu deren Bedeutendsten gehören wird, er hat vielleicht nicht geahnt, als er zagend die Universität bewat, um seine Kenntnisse zu vermehren, daß er heule zu den gefeiertsten Lehrern der Wissenschaft an derselben zählen werde. Nicht ohne Mühe nnd Noth hat er dies glänzende Ziel erreicht, und das Schicksal, das ihn später zu schöner bedeutender Höhe erhob, hat ihn nicht immer auf L. osen gebettet— Lernend mußte er lehren und all jene Leiden, welche den Sranddes Lehrers so sehr erschweren, durchmachen, all die Quälen erdulden^, welche manchmal schon den, starken Willen, die Thatkrast deS Talentes geknickt, feine Bestrebungen für immer vernichtet haben. Ihn vermochten sie nicht abzuschrecken. er rang und rang zum Höchsten strebend, unbekümmert um Mühe und Plage, und er hat cs erreicht! Möge er noch recht oft den Tag deS Beginnes seiner erfolgreichen Wirksamkeit feiern, möge er noch lange sein ersprießliches Wirken fortsetzen, sich und seinen Glaubensgenossen, zu Ehren! Von dem Manne der Wissenschaft zu dcu Männern des Handels ist ein gewagter Schrill, aber was verzeiht man nicht dem Feuilleiouisten, dessen Beachtung unsere Kauf- und Handels- Herren stark heraussordern. Zwar ist die Pauique schon vorüber, der Satz: „Sehe jeder, wo er bleibe, und wer steht, daß er nicht falte!" hat einen Theil seiner Bedeutung verloren, aber dennoch ist in diesen Kreisen eine cigemhümlichc Ruhe, „und alles so üill, nnd alles so stumm, man sieht sich umsonst nach Lebendigen um."' Es ist die „stille Woche" des Geschäftes, denn in Pilsen sind sie,, alle unsere Chefs und Commis und mit ihnen all die vielen schmukkeu Dienerinnen, die dem Geschäfte ihr Leben widmen, neben, ihren mäuulicheu Rivalen Lob und Rnhui erringen, und in diesem Eingreiscit in die Berusspflichien der Herren der Welt, der Fraucnemaneipation und dem Ausbau ihres Prinzipcs so sehr förderlich sind; in Gcschäsleu sieht map^ diese zarten Frauengeslalten fungiren mit derselben Umsicht, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, za öfters nlit größerer als die Männer; nur eines bleibt ihnen bis jetzt verschlossen, die Führung des Buches, und doch hängt das Wesen der Buchhaltung mit den Frauen so eng zusammen, daß man sich der Vergleiche nicht enlschlagen kann. Sparsame Frauen dürsten die einfache, verschwenderische die doppelte Buchhaltung rcpräsculircn, nnd welcheAehnlichkeit hat das Hauptbuch mit dem Herzen einer Coguelie, >vic viele Köpfe muß sic nicht darin haben, wie viele auf Conto ckubioiw stellen, wie genau, muß sie ihr Bersallzeitsbuch führen, um den „Wechsel" ihrer Anbet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.