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Das Abendland · 1864-11-17 · 3 (17.11.1864) · p. Seite 20

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
3 (17.11.1864)
Date
1864-11-17
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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— 20 muligcn Rabbiner in Trcbitsch. Joachim Deutsch mann, verschaffte. Sein Unterricht in den deutschen Elcmentargegcnständen war sehr düJtig und kümmerlich. Zn seinem 14. Jahre war er noch nicht im Stande, sprachrichtig und ortographisch auch nur einige deutsche Zeilen zu schreiben. Dagegen erlangte er im Hebräischschreiben, sowohl im Ausdrucke, als auch, was Sprachcorrectheit betraf, eine ziemliche Gcwandheit, die er vorzüglich dem Lehrer Mekler verdankte. Mit diesem durstigen Unterrichte in der deutschen Sprache verband sich ein eben so dürftiger in der französischen bei einem sonst gelehrten Manne. RamenS Neckendorf. So ausgerüstet, wurde er in seinem 14. Jahre nach Polna in Böhmen auf die mrsr gesandt, wo der damalige Local- und später Kreisrabbiner Samuel Brod, ein hochgeachteter, durch talmudische Gelehrsamkeit, durch seine gelegenen homiletischen Vorträge, sowie als hebräischer Stylist rühmlichst bekannter Rabbi, einen Kreis talmudbeflissener Jünglinge um sich sammelte, die er in c'psvri c"r, sowie auch in den deutschen Schriften älterer berühmter jüdischer Theologen unterrichtete. Hier brachte er ein volles Jahr zu. und er verdankt diesem Rabbi, der ihm bis zu seinem vor wenigen Jahren erfolgten Lebensende ein treuer, lieber, wohlwollender Freund blieb, und mit dem er während seiner späteren Amtswirksamkeit viel und oft in Berührung kam, eine gründlichere Kenntniß und höhere Anschauung vom Talmud und dessen Cenmentatoren. Die mittlerweile eingetretene Verschlimmerung der Vermögensverhältnisse seiner Eltern, die ihn nicht weiter unterstützen konnten, bestimmten ihn nach Ungarn zu den daselbst wohnenden, wohlhabenden Brüdern seines Vaters zu reisen, durch deren Unterstützung cs ihm möglich wurde, in MiSkolcz ein ganzes Jahr hindurch bei dem damaligen als Talmudlehrer, wie als Kabbalist gleich ausgezeichneten Rabbiner Abraham Postclberg, einem biedern, wahrhaft frommen, durch seine Milde ausgezeichneten Mann, dessen er noch mit inniger Liebe gedenkt, seine Talmudstudien fortzusetzen. Daselbst erhielt er auch den ersten Unterricht in der Mathematik und lateinischen Sprache von dem damals daselbst wohnenden und später zum Prediger nach Pest berufenen, dai'elbst noch mit frischer Jugendkraft wirkenden Dr. Josef Bach, einem sehr gelehrten Manne, dessen Freundschaft und Wohlwollen er sich noch fortan erfreut. Auch besuchte er daselbst das evangelische Gymnasium. Der in ihm geweckte Wissensdurst bestimmte ihn aber schon nach einem Jahre. MiSkolcz zu verlassen, um sich in einer größern Ltadt die Mittel zu seiner Fortbildung zu sichern. Die Wahl schwebte zwischen Prag und Preßburg, wo damals unter dem berühmten Rabbi Sofer die Talmndscbule blühte, ^ein Vater stimmte für letztere ^tadt, aber der erclustve Charakter dieser Schule, an der jede Beschästigung mit andern als talmudifchen Wifimschaften verketzert wurde und Verfolgungen nach sich zog, bestimmte ihn wider den Willen seines Vaters nach Prag zu gehen, um daselbst sich einem bestimmten Lebeusberufe zuzuwenden. — Er kam im März des Jahres 1414 daselbst au. > Ohne alle Unterstützung, auf sich selbst angewiesen, ge-! laug es ihm doch bald, durch die freundliche Bemühung j und Verwendung eines seiner Heimatsgenossen,des damals als Goldarbeitergesellen dort befindlichen Jakob Brock, dessen liebevoller Leitung und Unterstützung er viel verdankt, in dem Hause seines Principals, de. Goldarbeiterö Noe Taussig, als Lehrer unterzukommen, wo er Talmud, hebräische Grammatik und Bibel zu unterrichten hatte. Seine talmudischcn Studien setzte er--in dem des später als mährischen Landrabbiner berühmten Nachum Trcbitsch und nach dessen Berufung nach Mähren in der Talmudschule des später zum Berauner Kreisrabbiner ernannten Juda Schlesinger durch volle 6 Jahre fort. Dabei besuchte er das dortige Piaristen-Gymnasium. ES war eine schwere mühevolle Zeit, die aber wohlthätig auf ihn wirkte, da sie ihn an eine ernstliche Thätigkeit, an beharrlichem Fleiß und Ausdauer gewöhnte, die von Vielen an ihm angestaunt wurde. 4—5 Stunden täglich, mit Ausnahme der Fe° rialtage, absorbirte das Gymnasium, der größere Theil des übrigen Tages mußte dem Unterrichte seiner Schüler gewidmet werden, und so blieben ihm sehr wenige Stunden des Tages und der Nachtzeit für seine talmudischen Studien und für die Vorbereitung für's Gymnasium. Und es geschah sehr häufig, daß er zwischen 2—3 Uhr des Nachts seinen Rabbi, mit dem er gemeinschaftlich den morgigen vorarbeitete, verließ, noch an die Ausarbeitung seines Pensums für die Schule ging und schon um 6 Uhr Morgens durch das: „In die Schule, zu Tephila!" des unbarmherzigen SchulruserS aus dem Schlafe geweckt wurde und zum Gottesdienste eilte. ' Seine Gymnasialstudien hatte er mit dem besten Erfolge zurückgelegt. Er gehörte immer durch alle 12 Semester zu den ausgezeichnetsten Schülern (Prämianien und Accedenten) und wurde von seinen Lehrern mit Liebe und Auszeichnung behandelt. Mit dankerfülltem Herzen gedenkt er des noch lebenden theuern Lehrers P. Guido Lang, der den Sinn und die Liebe für das Studium der alten klassischen Sprachen und ihrer Literatur in ihm weckte, ihm väterlich mit Rath und Tbat zur Seite stand und ihn bei jeder Gelegenheit c szeichnete, unbekümmert um die Bedenken und Ein üsterungen, die confessionelle Befangenheit und Zelo.tsmus ihm entgegensetzten. Seine nmteriellen Verhältnisse waren während dieses 6jährigenZeirraumes nicht schlecht. Mit Ausnahme einer sehr kurzen Zeit, wo er sich auf das Allernothwendigste beschränken mußte, war er durch vortheilhaKe Engagements als Erzieher und Lehrer in! den achtbarsten Häusern sehr begünstigt, so daß er auch! seine beiden jüngern in Prag studirenden Brüder zu j erhalten im Stande war und seinen durch eine Feuers-; brunst um ihr ganzes Vermögen gekommenen Eltern eine namhafte Unterstützung zukommen lassen konnte.! (Fortsetzung folg:.)

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