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Das Abendland · 1864-11-10 · 2 (10.11.1864) · p. Seite 15

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
2 (10.11.1864)
Date
1864-11-10
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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f - 15 — sich Obst von einer Hörerin, die durch ihren Mann, einen Sack- , trän er, von viicm grausigen Vorhaben Kenntniß halte. Die Bcr- ' käuierin, von '??!illeid mit dem hübschen Kinde bewegt, flüsterte > dem SiäWini einige ihm seltsam klingende Worte zu, die das Kind im Scherze seinen Ellern fviedererzählte. Der Vater, welcher sofort die schreckliche Bedenlnng diej/r Worte erkannle, zögerte kauen Augenblick, die drohende Gefahr den Behörden mitznlhci.'cn, und 'namentlich durch das energische und umsichtige Handeln des Stadthauptmanns, der zur rechten Zeit an den bedrohten Stellen Militär concentrirte, gelang es, den entsetzlichen Plan der rohen Menschenhaufen, die sich wirklich an dem gedachteil Abende zusammenrotteten, zu Schanden zu machen. — Ich habe nicht erfahren können, was von den E i n ze! n h e i t e n dieser Begebenheit, die in ihrem Hauplmoment jedenfalls historisch ist, der Wirklichkeit, und was der bloßen Sage angchört. * lHcbrew.) Mannigfaltiges. Bekanntlich ist in der Ausschußconferen; des Prager k. k. . priv. Bürgergreuadicrkorps vom 25. August l. I. mic 20 Slimnicn gegen 9 die Aufnahme auch israel. unbescholtener hiezu taug- I licher Bürger beschlossen worden, und war H. Gotclieb Fuchs der erste, welcher sich zur Aufnahme meldele und dem Corps eiu-; gereiht wurde; als er jedoch das erstemal seinen Dienst ankreten wollte, erhoben zwei Corpömiiglieder dagegen eine Demonstration, die jedoch nicht beachtet wurde und die Entlassung der Demonstranden zur Folge hatle. Um ähnlichen Vergängen für die Folge zu begegnen, har das löbliche Corpökommando einen Tagsbefehl ergehen lassen und^darin alle Slaliuenparagraphe in Erinnerung gebracht, die zur Erhaliung der Corpsehre zu befolgen norhwendig aber durch den vorliegenden Fall verletzt worden sind. Diesem uns mirgetheilten Befehle enrnehmen wir folgenden Passus, der sowohl für die Loyalität als die Liberalität dieses geachteten Körpers zeugt: „Jeder anderweitige Vorgang (d. h. wenn bezüglich der Aufnahme nicht Gleichberechtigung vorwalten sollte), würde endlich auch gegen den Geist der Verfassung verstoßen, laut dessen auch der israelitische Mitbürger zur Vertretung nicht blos der Gemeinde im Scadtverordneten-Collegium wie im Stadtralhe, sondern auch des Landes und des Staates im Landtage wie im Reichsraihe berufen ist, und diese Wurden auch wirklich inne hat." Erwägt man, daß der Jude mit Ehren in der Armee dient, und anerkannter Weise zu den tüchtigsten und verwendbarsten Mitgliedern derselben gehört, so würde es in der Thal einer in umeren Zeiten, Gon sei Dank, schon seltenen Manifestation spießbürgerlichen Sinnes gleichkommen, — um nicht mehr zu sagen — den Inden von einem bloßen soldatischen Ehrendienste ausschließen zu wollen. * Herr MosctzWeil, Fabrikant in Bezdekau (Sirakonitz) hat in Anbetracht seiner vielfachen Verdienste um die Industrie von Sr. k. k. apost. Majestät das goldene Verdienstkreu; mit der Krone erhallen. Der Dekoririe ist eine so iilleressaiue Persönlichkeit bezüglich seiner Schicksale und seines Charakters, daß wir vielleicht bald eine ausführliche biographische Non; über denselben in unserem Blatte bringen werden. * -Nach der „Prager Zeitung" sind von dem Ertrage deS k. k. Normalschul-Bücherverschleißes nebst vielen an arme Kinder vertheilten Büchern folgende Beiträge für die Schulfonde verthcilt worden: Dem böhmischen Normalschulfonde 16,859 fl., dem mährischen Schulfonde 255 fl. 76 kr., dem schlesischen 138 fl. 39'/, kr.: zum Zwecke des israelitischen Schulwesens 185 fl. 89 kr. und des protestantischen 215 fl. 3 kr.; nach welchem Maßstabe diese Venheilung vor sich gegangen, ist nicht angegeben. — * Bcgliickwüitschuilg Mcnsdorsfs. Die „Oesterr. Z." meldet: „Die israelitischen Kultnsgemeindeu in sämmtlichen Städten Galiziens haben übereinstimmend beschlossen, eine Deputation nach Wien zu senden, um dem Grafen Meusdorfs ihre Glückwünsche zu dessen Ernennung darzubringen." * In Warschau wurde ein jüdisches Mädchen im Kloster der Felieianeriuen gefangen gehalten um getauft zu werden. Der Vater des Mädchens wendete sich an den Dirceivr der Commissiou^ des Innern, Fürsten Czerkaskh. Dieser begab sich in das Kloster und zwei Tage später kehrte das Mädchen in das Elternhaus zurück. Es sollen, wie man hört, noch zwei jüdische Mädchen abhanden gekommen sein. Herr Reise mann aus Polna in Böhmen hat im Lause des vergangenen Sominers das Poftgebäude in Gr. - Meserilsch in Mähren sammt Einrichtung käuflich an sich gebracht, und, verläßlichen Berichten zufolge, bereits das Dekret als k. k. Postmeister von hoher Regierung erhalten. Ist es nun an und für sich schon erfreulich, daß heutigen Tages in Oesterreich auch Juden zur Würde eines Postmeisters gelangen können, so ist eö nicht minder herzerhebend, wenn ein solcher Jude nicht vergißt, welcher Abstammung er ist. Dieses hat nun der Herr Postmeister Reisemann durch die That bewiesen, indem er am heil. VersohnnngStage beim Aufrufe zur heil Thora nicht nur einen annehmbaren Geldbetrag spendete, sondern auch dem ehrw. Herrn Rabbiner und sonstigen Gemeindebedicnsteten ein alljährliches Deputat an Holt, Getreide und Viktualien zu verabfolgen den Vorsatz gefaßt, und denselben bereits in Ausführung gebracht hat. — P aris, 19. Occober. Am Versöhuungslage findet bei Rothschild ein eigenthümliches Bankett starr. Derselbe ladet nämlich an diesem Tage alle israelitischen Ossieierc, die er in der Synagoge findet, zu sich zu Tische. Die Zahl seiner Gäste — es werden natürlich noch andere gebeten — soll dieses Jahr sehr bedeutend gewesen sein. Es waren allein 160 Officiere anwesend. — (So i schreibt die „K. Z": daß die Zahl 160 Offieiere, wenn sie eben nur Juden sein sollen, iiberirieben ist, leuchtet ein.s Aus Nordengland, im Oeiober. Aus Hüll haben wir folgende gottlob vereitelte Handlung der Unduldsamkeit zu melden. Diese wichtige Hafenstadt wird von zahlreichen Deutschen bewohnt, denen es vor längerer Zeit mit vereinten Kräften gelang, eine deutsche Schule in'S Leben zu rufen. Auch einige jüdische Familien wollten ihren Kindern die Wohlthar dieser neuen Anstalt zu Theil werden lassen, allein zwei Mitglieder deü Comites erhoben dagegen ihren entschiedenen Einspruch. ES waren dies Herr Ellermann aus Hannover und Herr Helmsing, russischer Eonsul ans Riga, in dessen arroganter Person der ganze altfränkische Judenhaß und die hyperboreische Kleinsiädtcrei Rigas hierher gesiedelt schien, um den freien Boden Englands zu besudeln. —■ Es gereicht uns zur Befriedigung, beifügen zu können, daß die unhumane Opposition von der Majorität überwunden wurde, worauf beide Herren der Sache der Gesittung den Gefallen erzeigten, das Comile zu räumen. Herr Helmsing fand es außerdem für gur, seine eigenen hoffnungsvollen Sprösslinge, die Erben seiner edlen Grundsätze, ans der Schule herauSznnehmen. Dieser Vorfall, uns erst neulich zu Ohren gekommen, trug sich bereits im April zu. —- Gesinnungen wie die ebencrwähnren scheinen um so weniger hier am Orte, als es in diesen! Theile Englands sich, nicht selten ereignet, daß Inden durch das Vertrauen ihrer Mitbürger zu Vertrauens- und Ehrenämtern berufen werden. Daß die größte Hafenstadt Westeuropas, Liverpool, in unserem Glaubensgenossen, Hrn. Moz elep, ihren Viapor verehrt, ist Ihnen bereits bekannt; allein mic welchem Erfolge Hr. Mozeleh sein wichtiges Amt ausfüllr, davon zeugt der Glanz seines öffentlichen Auftretens und die Ehre, die ihm zu Theil wird, bei so vielen feierlichen Anlässen oet mutjiom emmgtneit bocenim*;i

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