Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 2 (10.11.1864)
- Date
- 1864-11-10
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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14 i*or Allein ist bcv Ausdruck „Vermögen der Pragernnd Landcsjndensckaft" alö incorrckt zu rügen. Wenn hierunter clwa der anS den Sicncrüberschüssen hcrrührcnde Betrag von ungefähr 300.000 fl. verstanden werden soll, so kann man mir sagen: So allgemein verbreilek, so falsch ist doch die Annahme, das; dieses Vermögen der böhm. Landesjudenschaft alö solcher gehöre. — L'3oUlc man schon durchaus Jemandem den Besitz desselden vindi'zircn, so könnte dieses nur das Consortium der Sreucrpächtcr sein, welches allerdings darauf durch einen spomancn Akt zu Gunsten einer wohltharigeu Stiftung verzichtet hat, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalte, scldslständig und frei die nähern Modalitäten der Ausführung zu dcslimmen. — Es wäre ein Leichtes die volltommene Richtigkeit des Gesagten akicmnäßig nachznweisen, allein dieseldc geht ja schon anS der allgemein hekannten Genesis obcrwähnien LermögcnS hervor. — B)as aber die Gründung eines jüdischen Waisenhauses bclrijsl, so >var eS eben auch nur eine allerdings billige nnd gebührliche Rückstchlsnahme auf die Wünsche der böhm. Judenschaft, die das Coniorlium seiner Zeit vcranlaßte, Mitglieder der damals bcslandeuen Revräsentan; sowohl Prags als des Landes zur Beraihung der Statuten einer solchen Stiftung cinznladcn, und den auf diese Weise vereinbarten Entwurf der hohen Statthaltern zur Sanklionirung vorznlegcn. So berechtigt nun auch das Vorgehen des Conioriinmö war, so sehr dasselbe blos im Interesse der guten Sache;n handeln und selbst ans den Dank der böhm. Judcnschafr einen Anspruch zu erwerben glauben durfte, so gab sich doch alsbald bei der im Jahre 1862 neu gewählten böhm. jüd. Repräsentanz eine unbegreifliche Animosität gegen dasselbe kund, welche vor Allem darin ihren Ansdruck suchte, daß die Vertreter des Landes bei der hohen Slalthaltcrci um abschriftliche Mittheilnng oberwähmer Staturen ansuchren, um dieselben nunmehr auch ihrerseits in Gemeinschaft mit der Prager Gcmcindcrepräsenian; einer neuerlichen Beratlmng zu unterziehen. — Man sieht ein, daß dieses Vorgehen einem Mißrrauensvomm nicht blos gegen das Consorrium, sondern auch gegen die Mitglieder der vormals bestandenen, wie gesagt zur ersten und,ursprünglichen Berathnng des Slaturcncnrwurscs milbeigezogenen, jüdisch. Laudesrepräsenranz glcichkam. — Daö wenig erfreuliche Ergebniß jener von Seiten der beiden Vertretungen in commune gepflogenen Consultanonen äst nun bekannt genug. Zederinann, der an der Sacke einiges Interesse nahm, weiß, wieder §. 39 der Apfel der Zwi.rracht wurde. Dabei steht es außer Frage, daß die Forderung der Prager Gemcinderepräiemanz auf gteichzahlige Vertretung beim Curatorium so unbillig als möglich war, nachdem das wahre Verhälmiß der jjidisch. Bevölkerung PragS und des Landes sich etwa wie 12: 70 siellr. — Nachdem man so, durch diesen Punkt entzweit, auseinander gegangen, haue die Repräsentanz der böhm. Landes)udenschaft die klügere Partie ergriffen, und sich gradezu an daö Confonium mit dem Ansuchen gewendet, daß bei nochmaliger Revision der Statuten auf ihre Wünsche billige Rücksicht genommen werde. — Hierauf ging das Consorlium natürlich bereitwilligst ein — nicht so aber auf das von Seiten der Prager Gemeinderepräsentan; gestellte Ansinnen, ihre Forderung bezüglich der gleichzahligcn Vertretung beim Curatorium zu unterstützen, da das Consornum nicht umhin konnte, in diesem Punkte vollkommen der Ansicht der Landesrepräsenlanz beizupflichten. — Eine bereits viel früher gleichfalls von Seilen der Prager Gemeindcrepräsentanz an das Consorlium gerichtete Anfrage, ob dasselbe, wenn geladen, den im jüdisch. Rarhhause zu pflegenden Beraihungen der Staturen beiwohnen wolle, wurde zusnmmend beantwortet. —• Wiewohl nun hinterher im Schoße der jüd. Gemeinderepräsentan; die Ansicht sich geltend machte, daß die Gegenwart des Consornumö nur die Frerheit der Berathungen in störender Weise beeinflussen würde, in Folge dessen denn auch in der That von einer Einladung desselben zu den Sitzungen weiter nicht mehr die Rede war — wiewohl ferner wiederholt an einzelne Mitglieder der Prager jüdisch. Gemeindevertretung von Seiten des Consortiums die Aufforderung ergangen war, auch ihrerseits ihre Wünsche und Ansprüche geltend zu machen, die Gemeindercpräsemanz jedoch nickt für nothwendig erachtet hatte, etwas dergleichen zu thun, so war man doch hrnterher naiv genug zu erklären, man sei beim Entwerfen der Statuten gar nicht vernommen und berücksichtigt worden. — Erst in letzter Zeit hat sich die Prager Gemeindcrepräscnlanz an d:e Statthalterei um Mitiheilung der inzwischen vom Consortiirm revidirten Statuten gewendet. — Daß aber von der im Schoße der Prager Gemeindevertretung nunmehr mit Ausschluß jedes fremden Elementes neuerdings eingclcitctcn Berathnng kaum ein günstigeres Resultat zu erhoffen,' geht einfach aus der Betrachtung hervor, daß die Prager Gemcindcrepräsenlanz, wie aus den in der S^nng vont 1. November gefaßten Beschlüssen erhellt, unablässig auf dch, salschctt Standpunkte verharrt, über ein Vermögen verfügen zu wollen, das ja weder ihr, noch der böhm. Jndcnschafl überhaupt gehört', sondern dessen Dispositionsrcchi, wie wir im Eingänge bereits hervorgehobcn, nnd hier schlüßlich nochmals mit allein Nachdrucke hcrvorheben, allein und anSschlüßlich dem Consorlium der E>teucrpächlcr zukömmt." — Die älteste jüdische Gemeinde Danzigs, deren Mitglieder und Repräsentanten noch jetzt ihr früheres Anrecht als einen gewissen Freilich jetzt werth- und inhaltlosen) Vorzug geltend machen, führt den speziellen Namen Danziger Gemeinde, und die versteckte Lage ihrer Synagoge, zu der man nur durch einen langen schmalen Gang, weitab von der Straßenfront gelangen kann, gibt uns noch heute sprechender, als die lebendigste Schilderung, ein Abbild der religiösen Unduldsamkeit, unter welcher, wie überall in den finsteren Zeiten des Wahns und deö Aberglaubens, auch hier die Juden seufzten. — Zwei geistige Monumente aus jener Zeit, das eine mehr komiscker, daö andere rieft ernster Natur, haben sich hier bis auf heute erhallen. Man findet nämlich in der Danziger Gemeinde Beinamen einzelner Jndividnen (bei einigen sind sie zu wirklichen Familiennamen geworden), deren humoristische Bezeichnungen, meist von Verrichtungen dicnsrthucnder Personen begleitet, nichtsdestoweniger einen mit den Verhältnissen jener Zeit zusammenhäi.genden historischen Hintcrgrund haben. — Wie bereits oben erwähnt, hatten nämlich bis zu Anfang dieses Jahrhunderts nur wenige Inden die Begünstigung, in der Stadl Danzig selbst ihren Wohnsitz zu nehmen, und sie mußten ein soiches Privilegium ibcuer bezahlen. Wollten diese nun einzelne Bewohner der Vorstädte oder auch Fremde an diesem Vorrechte theilnehmen lassen, so konnte dies nur dadurch geschehen, daß sic vor Gericht erklärten, sie hätten den „Reb so und so" als Diener «oder Lehrer und dergl.) zu üch ins Haus genommen. Letzterer wurde dann als zur Familie g ehörig angesehen und erhielt vonSeitcn des Gerichrsund der Behörden gleichen Schutz mit den bereits Ansässigen. Wie häufig nun dieser Ausweg, oder besser gesagt Umweg, beschrirren wurde, zeigen uns eben jene noch heute zahlreich genannten Beinamen, und es mögen die betreffenden jüdischen c^rmLi-Herrschasien nicht selten in Verlegenheit gerarhen sein, unter weichem Diiel sie ein neues Bedicnungs- und Familienmitglied vor Gericht einführen sollten, wie mir denn lange Zeit die historische Begründung;. B. des Namens „Reb Aaron Kuts ch en sp ri n g er" nicht wenig Kopfschmerzen gemacht har. Das andere Erinnerungszeichen ist ein kurzes jüdisches Gebet, welches an jedem Jom Kipur-Abende in einigen Danziger Synagogen nach den übrigen Gebeten eingeschaltet wird. Dasselbe bezieht sich auf die glückliche Verhinderung einer letzten Judenverfolgung in Danzig, zu der Zeit, da das gräßliche „Hep! Hep!" (als zur Zeit der Kreuzzüge in Süddenrschland die Judenverfolgungen begonnen, trugen die fanatischen GlaubenSciferer Fahnen mit der Inschrift IIiero8oIvma h)8t Perdita sJernialem ist verlorenst der Pöbel, der diesen Fahnen folgte, setzte die drei Anfangsbuchstaben zusammen und machte daraus das Mordgeschrei „Hep!"), noch einmal in Deutschland die Runde machte. Das Nähere hierüber ist Folgendes: ES cpistirr in Danzig eine Ktaffe der Bevölkerung (mehrere Tausend), ans den niedrigsten Arbcitsschichicn bestehend, welche an innerer und äußerer Rohheit sich getrost mit den uncivilisirtesten Stämmen wilder Völkerschaften messen kann. Es sind das die sogenannten Sackträger, welche das Getreide von den Schiffen in die Speicher und beim Einladen wieder hinunter in die Schisse tragen. — Unter diesen namentlich war zu jener Zeit der Glaubenshaß gegen die Juden eifrigst geschürt worden, und ihre Rädelsführer hatten den Beschluß gefaßt, am Abende des Veriöhnnngsiageö die jüdischen Beter beim Ausgange ans den Synagogen zu überfallen und uiedcrzumetzeln. Am Tage vor dem vcrhängnißvollen Feste ging nun, so wird erzählt, ein junges jüdisches Mädchen, die schöne Tochter eines angesehenen Kaufmanns, über den Markt nnd kaufte ' * - - 'WV»1;-