Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 2 (10.11.1864)
- Date
- 1864-11-10
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■V Eorrelpondenzen und Witilieilungeu aus der Zeit. Prager Griefe- A,rer mich sehr ehrenden Auffordern ig, Ihnen über intcrcffftiifc Vorkomninisse in unserer altehrwürdigen Metropole dann und wann in Briefform zu referiren, komme ich um so bercstwilliger nach, als auch ich mit Ihnen den Widerwillen geda» leidige Notizlerwesen, welches allgemach immer mehr das Feld der TageSlfteratur überwuchert, thcile. Auch ich habe killen zu hohen Begriff von der Mission der Journalistik, als dag ich nicht mit Veroruß es sehen sollte, wenn diese zu einer bloßen Registratur herabgewiirdigt Wied, in welche fachweise die trockenen Akren der TageSgeschichte cingereihr werden. — Der wahre Journalist soll die Bausteine für den künftigen Geschichtschreiber Zusammentragen: keine 'Notiz ist so unbedeutend, daß sic Mckt dem einstigen Schilderet: der Knlturzustände unserer Zeit wichtig werden konnte, wie wir dies besonders am Beispiele Macaulay's sehen. Aber wie wenige, die sich Journalisten neunen, fassen ihren Beruf von dieser edleren Seite aus; die meisten begnügen sich, daö 'Material in reher Weise massenhaft anfzuhänsen, bloS und ausschließlich siir die Gegenwart besorgt, nur aus den flüchtigen Beifall jener spekulirend, die in einem Zeitungsblane einzig und allein Ersatz für die in den alten gemüthlickern Zeiten auf den Bierbänken üppig florirenden kannengießerei suchten, welche jedes Gedankeninhalts bar, so schnell vergessen war. wie gesprochen. — lim nun ohne Präambul an meine eigentliche Aufgabe zu gehen, gestalten sie mir — wie billig — vor Allem jenen Monat eine kurze Revue passireu zu lassen, der so bedeutsam ist im religiösen Leben des Jndenrhums, den letztverflossenen Monat 'Yi'n, in welchen die sogenannten „furchtbaren Tage" fallen, aber auch manches heilere, der geschichtlichen Erinnerung geweihte Fest, daS uns gar wehmuchsvoll mahnet an die verflossenen, unwiederbringlich geschwundenen Tage der innigen tröstlichen, harmlosen nimmst, wo man noch genießt, ohne zu t'ritijxrett — noch Alles für 1 old hält, was glänzr. Keine Zeit beweist schlagender, wie unrewr jene Pessimisten haben, die allen religiösen Sinn im Judenrhninc abgestorben, alles Gefühl für Nationalität unv Glauben im Gedränge des Weltverkehrs erstickt wähnen. — Es war ein wahrhaft erhebender Anblick, die alte, düstere Josefstadl, die leider immer mehr dem Schicksale anheim fällt, ein Tummelplatz unlauterer sozialer Elemente zu werden, von dichten Schaareu der elegantesten Männer- und Frauengestalten durchwogl zu sehen, an denen mit wahrem Ingrimm die Feinde des Jndenrhums wohl kaum mehr einen einzigen jener verunstaltenden Züge in Haltung oder Geberde nachgewicscn haben würden, die sonst als speziell „jüdisch" verpönt waren. — Besonders waren es jene Berhäuser, in denen tüchtige Redner in zeitgemäßer Weise den alten Geist des Jndenrhums dem Versiändniß eines neuen Geschlechtes näher zu bringen strebten, wo das nie ganz zu erstickende Bedürfniß nach Andacht und religiöser Erhebung in eminenter Weise sich ma- Ntfestirte. — Wahrlich, cS bedurfte eben keines bcsondern Aufgebotes von Phantasie, um mittelst dieses Anblickes daS Bild des einstigen Jerusalems zur Zeit, da die Pilgerschaareu in unabsehbarer Menge durch dessen Thore einströmten, sich vor die gehobene Seele zu stellen. Rur Schade, daß nicht auch Prag jenes wunderbaren Privilegiums sich erfreut, das einst, wie es in den Pirke Aboth heißt, nie eine Klage über die Enge der Räumlichkeiten in Jerusalem aufkommcu ließ, in Folge dessen denn auch nie ein Beier ini jerusaletnischcn Tempel der Bequemlichkeit der Bewegung auch bei dem stärksten Andrange ermangelte. — Solche pia desideria sti gen in uns besonders in jenem Momente auf, als wir vor dem Miere der sogenannten .,'AllMil" einem beinahe unabsehbar weiten O-ueue uuS anznschließen genorhigl sahen, um endlich nach langer Zwischenzeit einmal wieder den mir Recht so gefeierten geistvollen Prediger^KitstlpPPt hören, und doch das Ziel unserer Wünsche nicht zu erreichen vermochten. — Daß bei sülchen und ähnlichen Erlebnissen der Ban eines streuen Gotteshauses, wahrhaft angemessen und würdig der ersten, ältesten und ehrwürdigsten Gemeinde des öfter. KaisersraareS als äußerste und dringende Nochwcndigkeit sich hcrausstellt, ist einleuchtend, und will ich nur die oft gehörte Aenßernng hervorhcben, es möge der Rstnbau^mcht im RayonPer.Joft-sstadt, ..sondern nmso-! mehr auf einem freien, schöllen Platze derNcnstadt aiisgefiihrt'werdeiy! 'als viele der bessern Familien in diesem Stadtihei'le domiziliren. . Als Beleg für diesen Wunsch mag die Thatsachc dienen, daß mehrere in diesem Stadtthcile wohnenden Israeliten au den letzten Feiertagen in einem ^Gasthoie am Poric ein Bctlokale improvisiin um nicht in die entlegene Josefsladt gehen zu müssen.—So stülloe es um die nYIIV. den Gottesdienst, die eine von den drei Säulen, auf welchen nach talmndisch - parabolischer Behauptung j die Welt ruht. Wie steht cs mir der r.n.n und C'“Zn? ■ Unwillkührlich fällt mir hier ein „gutes Mörtel" ein, das ein * Prager „Maggid" aus der guten alten Zeit meiner Jugendjahre : einst zum Besten gab, und das ich seiner Originalität wegen! Ihnen nicht vorentbalten will! — Die Welt, sagte er, ist, bekanntlich ein Dreifuß: sie steht auf “Tn, mizi? uiib : SYC“. — In jetziger Zeit har daö Gefäß einen Fuß, die “T*\ verloren,und es kann nur mittelst einer Unterlage ansrecht stehen. Das! geht schwer an. Da bricht man auch den zweiten Fuß ab, die >-«1122, j man betet nicht mehr mit der alten Andacht, aber da steht das , Gesäß noch schlechter! — WaS nun thnn'? — Ganz einfach! — | Man nimmt auch den dritten Fuß ab, das Cli“ c J. und nun! steht es fest.-Der gute Mann sollte heute nach 40 Jahren i seinem Grabe emsteigen, er würde finden, daß er zu schwarz ge-! sehen, und daß Prag heute noch fest stehet, — aber auf allen drei i Füssen — — denn die .Tin, Vas Wissen im Allgemeinen wie .Vor! "ilftbn insbesondere, nicht minder auch das Wohlthun werden im heutigen Prag nach wie vor in vorzüglichster Weise gc- ' pflegt; — Prag ist immer noch bNT»'2 CNi; Prag hat immer ' noch große und erleuchtete Männer, Prag ist immer noch wohl- . thacig nach allen Richtungen hin. — Hln>>chllich der ““in er- 1 wähne ich nur der in letzter Zeit abgehaltenen Prüfung der 1 'ttbn “Tin - Schüler, welche die erfreulichsten Resultate bot, und um welche Anstalt der sehr ehrenwerihe Präses der Prager Repräsen-; tan; sich vielfach bemüht und verdient gemacht har, nachdem sie! so zu sagen ganz seine Schöpfung ist; ferner der Rabbinarskandidarenprnfung, die allgemein vollkommen befriedigt hat, ohne die; ausgezeichneten Leistungen zu berübren, die sich bei den Prüfungen i der trefflichen jüdischen Erziehungsanstalten .kund gegeben haben.! Bevor ich den Msatz über min Titten schließe, kann ich nicht umhin den Wunsch auszusprechen, eS möge sich der wohllhä-! lige Sinn Prags auch an dem jüngst hoffnungsvoll angeregten | B-reine zur Unterstützung der Lehrer-Witwen und Waisen und zur Hebung des jüdischen Schulwesens im Allgemeinen bewähren. . Der Anfang dazu ist bereits geschehen, indem der Verein schon j vor seiner definitiven Constftuirung unter die Aegide mehrer her- . vorragender Glieder der Prager Gemeinde gestellt ist. Vielleicht j ist es Prag Vorbehalten, die erste Stadt im österreichen Kaiser- : staate zu sein, wo ein lange gehegtes, vielfach ausgesprochenes und! ventilines Vorhaben, auch einmal einem eben so nützlichen als bei dürftigen Stande hilfreich unter die Arme zu greifen, in Erfüllung gehr. — lieber so manches Andere, das unter, diese Rubrik einzu- I reihen wäre, wie unter zener von E*>“cn mYEü, erlauben Sie I mir, da der Stoff zu umfangreich ist, um ihn heute zu erschöpfen, in einem nächsten „Prager Briese" getreue und gewissenhafte Re-! lation zu erstatten. lieber Die in der Probenummer unseres Blattes andentnugsweise besprochene Sitzung der Prager jiid. Geineinderepra- ‘ sentan; vom 1. d. M. erhielten wir auf unser Verlangen, uns i über das wahre Sachverhältniß etwas Näheres mitzurheileu, von sehr competeutcr Seite folgende berichtigende, mir Aklenstükken und behördlichen Erlässen belegte „Aufklärung", die ivir hier! mittheilen, ohne vorläufig selbst Partei in der Sache zu ergrei- : feit, oder uns ein eigenes llrtheil zu erlauben. : „Die kurze Notiz des „Abendland" über die Gemeindere- ■ präsemanzsitznng vom 1. d. M. ist eben groß genug, um einer! völlig irrigen Auffassung der Sachlage Ausdruck zu geben. — : Der längere Bericht der „Bohemia" hat eben auch nur das | Verdienst Raum für mehrfache und wiederholte Falsa zu bieten »—‘/[«ui nu-uijeneu fiyim*uicn tyrnget^ voren.'UN- > dklzl e 1)U il Iji1 cY‘VtU luavlFVd ,U\T. 5 -V v-;