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Das Abendland · 1864-11-10 · 2 (10.11.1864) · p. Seite 12

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
2 (10.11.1864)
Date
1864-11-10
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 manches mehr oder weniger Acußcrliche unseres Bekenntnisses gleichgültig machen, den Glauben, bei* in die zarte ^indcrseclc als schwaches Pflänzchen eingelegt wurde, der dann mit uns groß geworden ist, werden wir nie ganz nbstreifcn. Sehen nur selbst den sogenannten Gottesleugner an. Er lnüstct sich allerdings, daß er sich selbst Gott, daß er ohne Glauben an eine geistige Zukunft, mithin an eine höhere Bestimmung der Menschheit sei. Allein, wenn man näher znsieht, ft ist cs gewöhnlich bloße Racbbcterei, Mangel an Selbstständigkeit des Denkens, Frivolität und genußsüchtiger Wcltsinn, die man als die Triebfeder des nicht selten blos assektirtcn Atheismus erkennt. Man lasse ihn gehen, man versuche nicht, ihn! zu bekehren, man schränke auch seine vorgebliche Denk- 1 Freiheit nicht ein, und die Stunde wird kommen, wo j in seiner Seele wieder die alten lieben Stimmen ans der Kindheit aufwackcn, wo ihn die holden Bilder ans den Tagen seiner jugendlichen srommcn Einfalt wie die Palmen einer schattigen, qnelldnrchrauschten Case aus der Wüste eines öden, trostlosen Daseins in das sonnige Kanaan des erhebenden Glaubens an Gott und seine Wcltregicrung zurück locken werden. Und dann wird er wieder glauben: sollte'dicser Moment vielleicht auch erst ans seinem Todtcnbctte ciutrctcn. Bon dem wahrhaft geistig gereisten Menschen, der selbstständig über die Grundlagen des Glaubens nachzudcnkcn vermag, kann natürlich hier nicht die Rede sein, denn er ist nie ein Gottesleugner. (Fortschimg folgt.) Konfessionelle Handelspolitik der „Politik". (Schluß.) Der Wollmäklcr A., Jude, hat viele Bekanntschaften unter den Landlcutcn; diese tragen ihm nun, wenn sie eben Geld brauchen, ihre auzuhosscndc Wolle zum Verkaufe an, unier der Bedingung, daß ihnen je nach ihrer Vertrauenswürdigkeit und ihrem Bedarfs ein kleinerer oder größerer Thcil des Kaufschillings > oder auch der ganze sofort beim Abschlüsse des Geschäftes baar auSgczahlt werde. Der Mäkler schließt ' die also erkaufte Wolle gegen müßigen Gewinn mit dem Wollhändler B., dieser wieder das große Cuan- > tum, welches er zusammenzubringen rechnet, mit einem > Großhandlungöhause in Pest. Wien oder Prag, und! dieses wieder entweder mit in- oder ausländischen,! meist englischen Consumentcn. Das von Capimlistenft oder Ercditinstituten zur Deckung der Vorschüsse be-' zogene Geld erheischt bei diesem Geschäftsgänge eine : Anrechnung des oft sehr hohen TiScontos. Tritt nun! ein großer Bedarf des Rohmaterials, also eine be-! deutende Preiserhöhung ein, so verlangen die Käufer; streng die Effcktuirung ihrer Abschlüsse, und be-! gnügen sich nur in Ausnahmsfällen mit der Bezah-! lung der Preisdifferenzen. So haben die Wollmäklcr! im Vorjahre mit den Landleuten geschlossen, natürlich i mit Berücksichtigung der eben geltenden Marktpreise, | und keineswegs im Voraus wissend, daß die amerij konischen Wirren fortdauern, die Baumwolle immer j knapper und die ordinären Bacsker Wollen hiedurch! -ungewöhnlich stark gesucht fein werden. j Cb der Mäkler, der mit Gewißheit auf einen; mäßigen Gewinn rechnete, nicht durch die Nichteinb mng : der Verpflichtungen von Seite der Urprod. aten! an Vermögen und Kredit geschädigt, ja sogar d>. irch, daß er die abgeschlossene Wolle um jeden Preis auftreiben muß, zu Grunde gerichtet werde, nndJaß solche Eventualitäten von dem Ausgange einer Schlacht oder > der Präsidentenwahl im fernen Nordamerika bedingt sein ' können, davon scheint der Corrcspondent der „Politik" keine Ahnung zu haben. Wir glauben zur Rechffertigung jener jüdischen Wucherer, die wir aber nicht mit anderen, wirklichen, ob jüdischen oder christlichen Wucherern verwechselt wissen wollen, genug gesagt zu haben.—Doch Eines wünschen wir vonder „Politik," die den österr. Staatsbürger noch immer bezüglich seines Religionsbekenntnisses lcgitimirt haben will, wir wünschen von ihr zu wissen, welcher der christlichen Confessionen die lieben cinfälrigen Landlcute die eine und die nämliche Wolle dreimal verkaufen, und welchen^ christlichen Confcssion der gutmüthige Sackwalter angehört, der sich nicht cntblödet, am Schlüsse seines PlaidoycrS bei den Gerichten eine CaptatioJ>enevelentia3 anstrebend, dem Staate einen gelinden Eommunismuö zu empfehlen, und ver dadurch seine sauberen Klienten ermuthigen zu wollen scheint, im nächst en Herbst e ihre Verpflichtungen abermals nicht cinzuhaltcn. Daß die Juden in Ungarn bei dem Landesunglücke nicht fühllos blieben, beweist folgende uns verbürgte Thatsache: Eine größere Eommune beabsichtigte zur Abhilfe der Roth ein Anlehen aufzunehmcn. Das Wiener Bauquierhaus, mit dem der Magistrat darum in Verhandlung trat, verlangte, die beircn reichsten Mitglieder der Commune mögen den Schuldschein als Bürgen mitscrtigen. Der um seine Milserligung angesprochene, sehr reiche christliche Grundbesitzer unterschrieb erst dann, als der zweite Aufgcfordcne, ein jü- - discher Wollhändler, ohne Zandern unterschrieben hatte. Letzterer stellte zugleich dem Magistrate ein Anlchen von Getreide im beiläufigen Werlhe von 10.000 fl. zur Vertheilung unter Bedürftige zu Gebote mit der Bedingung, daß dieses Getreide unverzinslich nach drei Jahren, oder während derselben in kleinen Raten, in natura zurückgezahlt werde. Tavid Mendl.

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