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Das Abendland · 1864-11-03 · 1 (3.11.1864) · p. Seite 7

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
1 (3.11.1864)
Date
1864-11-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Prag eingcfnndeu. Diese, um den Zweck ihrer Reise nicht ganz zn verfehlen, ersuchten den Präses der Prager israeltt. Cnltuügemcinde, Herrn Ernst Wehli. nachmals jene Herren znsaminenzurufcn, die bereits vor einiger Zeil in dieser Angelegenheit eine Vorbcrathung gepslogcn hatten, und zugleich Herrn Tr. Rosenaner, Anwalt ihrer Ansicklen und Wünsche, über die man sich in einer Vorbesprecknng geeinigt hatte, vor dem Comite zu sein. — Herr Ernst Wehli entsprach bereittviüigst dem an ihn gestellten Ansuchen, und es fanden sich daher ans seine Einladung in den Nachmiriagssiundcn des 10. Oclobcrs die Herren Prof. Dr. Wessclh, Dr. Grünhul. Hanvtschuldirecror Ulitz, Religionslehrer Adler, Institutsdirektor Frei, Repräsentanzcrsatzmann Schwarz, nebst den eben in Prag anwesenden Lehrern in dem Sivungssaale der Prager Cultusgcmeindcrepräsenran; zu einer Besprechung ein. Herr Dr. Rosenauer, als Wortführer der Lehrer, setzte in längerer Rede die Noihwendigkcir eines Bereines zur geistigen und materiellen Hebung des Lehrerstandes auseinander, und wies eindringlich auf die gedrückte Stellung desselben auf dem Lande, durch welche dessen Wirksamkeit größtencheils paralisirt sei, hin. — Nachdem mehrere Ansichten für undswider von Seiten des Herrn Prof. Dr. Wessely, Präses Wehli, Dr. Stein geltend gemacht worden, einigte man sich endlich in dem Beschlüsse, einen Lercin zu gründen, dessen Zweck in erster Reihe die materielle Hebung des Lehrerstandeö, vorzüglich durch Unterstützung der hilflosen Witwen und Waisen desselben, in zweiter Reihe aber auch die Förderung des israelitischen Schulwesens in Böhmen im Allgemeinem sein solle. Hierauf wurde ein Comite, bestehend aus den Herren Dr. Rosenauer, Dr. Erünhur, Religionslehrer Adler, Director Frey, Lehrer Löwy aus Deneschau mir Stimmenmehrheit gewählt und beauftragt, zuvörderst die Statuten des zu gründenden Vereines auszuarbeiien, dann die Genehmigung der Behörden nachzusuchen, und in einem Ausrufe an die israelir. Gemeinden und Lehrer Böhmens, den beabsichtigten Zweck klar auseiuanderzusetzen und zur Theiluahme aufzufordern." * Dem „Ben-Chananjah" schreibt man aus Ujfejcrro, (Szaboles) im September. Freude und Jubel auf den Straßen, Entzücken auf allen Gesichtern, Wonne und Glückseligkeit in allen Gemülhern, denn es ist wieder angekommen der große — R e b Eisegl!! ' Wer ist Reb Eisegl? Ein treffliches Exemplar jener heiligen Männlein, deren eigentliche Pslanzschule Galizien ist, die aber auch iiH unserem geliebten Vaterlande, -.amemlich im Chassidim-Revier, reichlich gedeihen,— fast durchschnittlich abgefeimte Betrüger, die die Dummheit aufs trefflich-e auszubeuren verstehen, und füglich den Titel „Fürsten der Dummheit" verdienen. Ern solcher Fürst ist denn auch unser Reb Eisegl, wohlbestallter Rebbe zu Komarnik in Galizien. Seine Rundreise, die er regelmäßig in jedem zweiten Jahre unternimmt, bezweckt denn nun nichts anderes, als den schuldigen Tribut von seinen ihm in tiefster Devotion ergebenen Vasallen einzusammeln, was ihm stets auch im reichlichsten Maße gelingt. Auf sei rem stets gleichförmigen Wege berührt er blos chassidische Gemeinden, und zwar nur -olcke, wo er auf keiner; Rivalen zu stoßeu zu befürchten braucht, woran er sehr weise thuc, da cs sonst ganz schauderhafte Händel geben würde. Seine Heiligkeit befindet sich also derzeit in Ujfejcrtö, einer aus beiläufig hundert Mitgliedern bestehenden Gemeinde, alle dem Chassidenthum von echtem Schrot und Korn angehörend, und ein überaus vernachlässigtes, armseliges Volk. Nun aber schwebt alles in Jubel, indem seine Heiligkeit, der große Reb Eisegl, seine bereits bestgenährre Persönlichkeit rn ihrer Mitte weiter füttern läßt. ' Wenn Sie je eine Beschreibung vom Einzuge des indischen Gottes Juggernaut gelesen, so können Sie sich einen Begriff wachen von dem Gebühren dieser Chassidim bei einer solchen Gelegenheit: ein Gebühren, das an Wahnsinn und Verrückheir dem Vorgehen der Fanatiker am Ganges um nichts nachsteht. Wahrlich, man zweifelt daran, ob man sich denn richtig auch in Europa befinde, oder ob dies wirklich das >!). Jahrhundert sei. Da ziehen sie ihm, der selbst mir großem Pomp und starker Leibgarde herangezogen kömmt, massenhaft entgegen, und führen ihn unter unsägltchem Gejanchze in ihre Sladr, wo er regelmäßig eine ganze Woche zu verweilen pflegt; und während dieser ganzen Zeit singen und springen, schreien, heulen, tanzen und balgen sie sich herum, wie die Besoffenen. Es geht wahrlich arger zu als. in einem Tollhanse. Ich übergehe den fortwährenden Andrang, der den Hei ligcn bei Tag und Nacht umlagert hält; ich erwähne nickt der fanatischen Wurh, mit welcher dieses rohe Volk sich auf die Schearajlm, d. h. die Speiseiiberrcste des Heiligen wirst, uni sie zu verschlingen, natürlich blos der innewohnenden Heiligkeit wegen, auch erwähne ich nickt der wirklichen Lebensgefahr, die demjenigen droht, der es sich an Ort und Stelle entfallen ließe, all dies närrische Unwesen lächerlich zu finden; — ich verweile blos noch bei dem eigentlichen punctum snlicus der Heiligkeit, der eigentlichen Force dieser Auserwählten, nämlich dem Benschen, und der dafür zu entrichtenden Remuneralionsgcbühr, die unser Heiliger ans 10 fl. taxirt! * Der „Israelit" bringt folgende Nachricht aus Frankfurt a.M.: Unsere Erub-Angelegenheit geht nun auch einer angemessenen Lösung entgegen. (Ah, Goir sei Tank, wir alhmcn frisch auf!) Durch das Entfernen der Stadtihore nämlich durfte man hier seil einiger Zeit nicht mehr tragen; (sic!) die isr. orthodoxe Religionsgesellschaft hat sich nunmehr erboten, die Stadt mir elektrischen Uhren zu versorgen, und der Magistrat hat dieses Anerbieten angenommen (sehr generös!); die hiezu erforderlichen Mittel werden durch freiwillige Beiträge aufgebracht, und hat sich bei dieser Gelegenheit die Opferfreudigkeit unserer Religionsgesellschaft Wiederaus das Glänzendste bewährt." — Man weiß nicht, soll man hierüber lachen oder weinen.— Wir wollen jedenfalls lieber ersteres, und erlauben uns daher ein in dieser „hochwichtigen" Angelegenheit erflossenes Gedichlchen des Berliner „kleinen Reaktionärs" mitzntheilen, das dieselbe recht gut illustrirt: Wie man sich zir helfen weiß. Die armen Juden in Frankfurt, Die waren in großer Noth, Sie dürfen am Sabbalh verlassen Ihr Haus nicht, will das Gebot. Als standen noch Frankfurts Mauern, Da war die Stadl ihr Haus, Und lustig gingen am Sabbath Im Hause sic ein und aus. Sie sannen auf einen Ausweg, Und gingen zum hohen Rarh, Wir wollen elektrische Uhren Verleihen der guten Stadt. Wir müssen dazu einschließen Die Stadt mit elektrischem Draht, - Dann ist die Stadt uns wieder Ein Haus für den Sabbath. Wir wollen Jehova bitten, Daß er nicht scharf zuschaut, Und glaubt, wir hätten ein Haus uns Mir eisernen Mauern erbaut. Das alles bringt uns auf die glückliche Idee, ob nicht in der Thal der jüd. Erub den ersten Impuls zur Erfindung des Telegraphen gegeben. Da wir leider weder Oerstädl noch Gans mehr in der Sache konsultiren können, so dürfte dies umso eher ein Anlaß für gewisse Candidaten sein, ihren Scharfsinn zu üben. Jedenfalls wollen wir Hiemil das Recht der Priorität an diesem Einfall uns gewahrt wissen. — Wie dem aber auch sei, so ist es kein geringer Beweis von der Elastizität des Juüenlhums, daß es so hübsch alle neuen Erfindungen seinen Sonderzweckcn zu accomodiren versteht. Daher vermuthlick der gelinde Aerger der Reaktionäre. " In der Sitzung der Prager Gemeinderepräsenranz am 1. d. hat sich dieselbe für das durch die Landesrepräsencanz in Vereinigung mit dem Consorrium der Steuerpächter an die Landesstelle gestellte Ansuchen, das Vermögen der Prager und Lau desjndenschafl, ans dem Eteuerreste her-rührend und zur Errichtung eines Waisenhauses bestimmt, derart zu ckeilen, daß ans das Land 2 Theile und auf Prag 1 Theil entfalle, und 2 Waisenhäuser, eines für Prag und eines fürs Land, zu errichten seien, mit Majorität znftimmcnd ausgesprochen. * Prof. I>r. Wessely feiert dieser Tage das 25. Jubiläum seiner Lehrthätigkcit. — Hierüber im nächsten Blatte. -

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