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Das Abendland · 1864-11-03 · 1 (3.11.1864) · p. Seite 8

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
1 (3.11.1864)
Date
1864-11-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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* An den zur Thatsache gewordenen Minister- Wechsel haben auch wir vom Standpunkte des JudenthumeS ans sehr gewichtige Bemerkungen und bedeutsame Hoffnungen zu knüpfen. Da der Gegenstand gehörig gewürdigt werden muß, und cs uns widerstrebt, unsere Gedanken in schablonmäßigcr Weise zum Ausdruck zu bringen, sehen wir uns ans Mangel au Raum in der dicswochigcn Nummer gcnöthigt, einen hieraus bezüglichen Leitartikel für das nächste Blatt zurück zu legen. Sprechhaste. Heber eine und dieselbe Angelegenheit ücg'cn uns zwei Berichte vor, und zwar aus zwei weil auseinander gelegenen Gemeinden: anö Kollin in Böhmen und Bonyhad in Ungarn. Beide haben unverkennbar eine parteiische Färbung Wir nehmen sie jedoch ans, weil sie mehr als weitläufige Abhandlungen die Zustände vieler Gemeinden illustrircn, natürlich mit dem Vorbehalte deö Luctiarur k-taltera pars, und nachdem wir den allzu gereizten Ton der Herren Korrespondenten thunlichst gemildert haben, da wir keineSwegcs geneigt sind, selbst Partei in der Sache zu ergreifen, und nur die objektiven Thalsachcn zur Geltung bringen möchten — zu uw'crcr und unserer Leser heilsamen Belebrung. Bonyhad im Oktober. Ich glaube vor die rechte Schmiede zu kommen, wenn ich Ihnen, geehrrester Herr, als Redakteur eines in Böhmen erscheinenden Blaues, über ein Stück refcrire, das zu gleicher Zeit hier und in Kollin in Böhmen in Scene geht. Das Stück ist benamset: „Er will — Sie nicht." Sonderbarer Weise tritt hier wie dorr eine und dieselbe Person auf, und ist es noch nicht entschieden, ob es ein Lust-, Schau- oder Trauerspiel wird, denn zu all diesen Benennungen hat die Pie^e Anhaltspunkte. Eben so sonderbar dürfte es sein, daß ich, der Gepflogenheit entgegen, erst von den agirenden Personen spreche, ehe ich an die Fabel des Stückes gehe. Die Sache ist aber auch gar nicht fabelhaft, sie ist eine greifbare Wahrheit. Nun zur Sache: Die zwei Hauptpersonen sind natürlich Er und Sie. Er ist jener bekannte Bruchtheil der zwei berühmten Männer Böhmens, die damit um die Judcnheit sich verdient gemacht haben, daß ihre Namen unter jenen der 121 oder 136 Protestanten brillirien, die gegen Mannheimer und Horowitz in Folge des Komperrprozesses anftraten, weil sie den Messias sich nicht ohne Esel denken können; Sie — das sind die Majoritäten der Gemeinden Kollin und Bonyhad. Er, nämlich Hr. Dr. Gugg enheim, will in Bonyhad ausgenommen sein, aber auch, wenn seine süßen Wünsche in Erfüllung gehen, das heißt, wenn Er eine Zulage erhält, in Kollin bleiben. L-r e, die Majorität der beiden Gemeinden, will nicht, und doch üehen wir in Gefahr diese nicht willkommene Aquisilion zu machen, obgleich selbst die Deputation, die von hier nach Kollin ging, von den dortigen Vorgängen nicht sehr erbaut zurückkam. - - „Dock mit des Schicksals dunkeln Mächten Und mu Orthodoxen, wer will da rechten?" Noch einige kleine Bedenklichkeiten, vorzüglich Geldfragen betreffend, beseitigt, und wir haben Seine Heiligkeit in unfern Mauern. Gut ist cs indeß, daß es Geldfragen sind, die die Sache nicht zum Abschlüsse kommen lassen wollen, denn diese sind in heurigen Tagen in der großen wie in der kleinen Diplomatie sehr maßgebend, und haben wir Hoffnung, daß das Stück für eine Partei ein Lustfür die andere höchstens zum Trauerspiele wird. Kollin, ini Oktober. Der Corrcspondent in Nro. 39 des „Ben-Chananjah" haue denn dochRccht: Guggenheim bleibt vorläufig in Kollin. — Was ist nicht alles durchznsetzcn, wenn man etwas ernstlich will. — ES gehen der Wege gar viele nach Rom! — Erlauben Sie mir nun, geehnestcr Herr Redakteur, Ihnen den Weg zu zeigen, auf welchem man zum Ziele gekommen. -- Die Partei, die ihren Willen n tont, prix durchsetzen wollte, rieth Herrn Guggenheim .121V zu kündigen, in der Voraussetzung, daß am daraus folgenden Sonntage, als "NV2 212, wo die Gcmüther butterweich gestimmt sein werden, ein Sturm zu Gunsten des Gottesmanncs seinen Zweck gewiß nicht verfehlen wird, aber so war nicht der Erfolg: ,"N"2 L'l id i-R ka.nn ließ sich eine "221 7ls> hören. — Am ^2 Abend blieben Aller Augen trocken und selbst die officiellen Weiner hatten keine Thronen. Nachdem der Sturm nicht verfangen hatte, wurde ein ande- Manöver eingelcitet. — Die Anhänger des Frommen verbreite:. ,: das Gerücht, aus ihrem Pnvatst.ckel 200 fl. Zulage zusammenbringen zu wollen, um nur in dem beglückenden Status gno zu verbleiben. Zudem Ende wollten sic den ersten Vorsteher veranlassen, eirxp.Ge. meindeversammlung einzuberufen, welchem Verlangen jedoch keine Folge gegeben ward. — Als am 15. in der Synagoge eine Sitzung wegen Vorlage eines neuen WahlmokuS anberaumt wurde, wäre es bald Seitens der Guggenheimischen Partei zu Exzessen gekommen, wenn der Vorsteher nicht energisch eingeschritten und im Namen des Gesetzes aufgcsordcrt halte, die Ruhe im Gorteöhause nicht zu stören. — Daß der Herr Rabbiner sich während des Tumults davongemacht und erst dann zurückgekehrt ist, als das Spektakel beendigt war, ist Nebensache, wirft aber auf sein Verhälrniß zur Gemeinde ein nicht sehr vorthcilhaftes Streiflicht. — Nachmittags 3 Uhr fand die bestimmte Gemeindeversammlung zur Entgegennahme des Wablmodus statt, .welcher ein landesfürftlichcr Kommissär anwohnre. Als nun die>12"Z2 '^2 des Rabbiners das Plebiscit in Bezug auf das Verbleiben ihres Erkorenen der Tagesordnung vorangchen zu lassen durchsetzen wollten, der k. k. Kommissär sich diesem Ansinnen aber widerKtzte, und nur das im Programm Vorgezeichnete zur Diskussion bringen lassen wollte, verloren die Anhänger Guggenhcims jede Mäßigung, ein Schreien und Toben erfüllte den Saal und der k. k. Kommissär erhob sich mit den Worten: Im Namen des Gesetzes erkläre ich die Versammlung für ausgehoben. — Mit 100 der Bessergesinnren verließ er den Saal und angeblich 75 Individuen blieben zurück, nahmen eineAbstimmungskomödic vor,inwelchervon 69 Stimmen beschlossen wurde, an den Rabbiner eine 18er Deputation zu emsenden, die ihm 200 fl. Seitens der Gemeindekassa und 200 fl. Seitens der Absender znsich rn sollte. Der Handel ward somit abgemacht und wird von nun an in Kollin der M22 nicht ein Erinnerungstag des „Manderns", sondern ein Fest deS „Verbleibens" für ewige Zeitensein. — Eine Bedingung hatte Herr Guggenheim zu machen für nöthig erachtet, die seinen Freunden billig zu stehen kommen dürfte, nämlich die, Bonyhad zu vermögen, ihn feines gegebenen Wortes zu entbinden. — Nun ist der Vorhang gefallen, die Komödie beendigt und der Ben-Chananjah in voll m Recht, wenn er behauptet: Guggenheim bleibt vorläufig in Koll.n! — Möglich jedoch, daß noch ein Epilogus folgt, nachdem die Gegenpartei auch eine Stimme hat, denn wie bekannt, läßt sich Liebe, Credit — aber auch das Verbleiben eines Rabbiners nicht erzwingen. 8e1i1i'6 betli Adonai, Tempelgesänge für den Gottesdienst der Israeliten, componirt n. herausgcgeben ä). Vverrrtrailb, Cantor der israel. Gemeinde zu Königsberg (Preußen). In 3 Theilen. 1. u. 2. Theil enlh. Sabbathu. Festgesänge, 3. Th. Recitanve. Dieses von den ersten musikalischen Autoritären als vorzüglich anerkannte Werk ist nicht nur sein s reichen, jede gottesdienstliche Funktion ohne Ausnahme ber .'sichtigenden Inhaltes, sondern auch der, die Aufführung anch d: a nicht große Gesaugschöre ermöglichenden Einfachheit wegen im hohen Grade zu empfehlen. Besonders erlaubt man sich den dritten Theil der ganz besonderen Beachtung der Herren Eanlorcn zu empfehlen da kerselbe die von dem rühmlichst bekannten Chasan Kaschlan (Vater des Herausgebers) herrübrenden und von dem Herausgeber trefflich rythmisirten Recitanve enthält. Zu beziehen in Prag durch Herrn S. Weltsch, Cantor der Meisel-Synagoge. Preis des Gesammtwerkeö 10 LH. Pr. L. — Druck v. S. Freund's Witwe u. Corm. in Prag.rü.X-St.d- Eigenthümer, vcrantw. Redakteur u. Herausgeber: Or. I. Rvscnaucr.

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