Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1864-11-03 · 1 (3.11.1864) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
1 (3.11.1864)
Date
1864-11-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9050333-9088672-9050334--0008-9050340
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wörtlcin mitredcn, und eine allcrding s unmaßgebliche Meinung gellend macheil zu dürfen. dieser nordamcrikanische Krieg! — Welch' schweres Verhängiuß bat dach die Vorsehung mir diesem Kriege über die Menschbeil Herbeigcführl! — Dieser Krieg, er verrückt und verschieb! alle Verl ältnisse, er drangt Alles auö dein gewechnten Geleise, er„kührt die Weisen zurück und verdunkelt ihre Einsicht!" Insonderheit, dieser Kaufinannöstand, wie sieht eS heute nnt der vielgerühniten, praktischen Nüchternheit, mit dem sichern Takle, mit der lallen Besonnenheit desselben aus?— Wo itt jene unerschütterliche Ruhe hingcrathcn, die derselbe den übrigen Ständen, namentlich dem Gelchrrensiande gegeniibcr, als seine vorzüglichste Prärogalive gellend zu machen liebte? — Wahrlich, wollte inan dem Kaunnannsstandc noch immer das Al.ribnt der „Ruhe" beimessen, io wäre es höchstens die Ruhe eines Sce'S, den der leiseste Windhauch stört. Wie Schade auch, daß die Mythologie der Alten eine längst vollendere Thatsache ist, sonst würden wir vorgeschlagen haben, dem Merkur, dem bekannten Schutzheiligen der Kauftente und noch einer Sorte von Menschen, die seltsamerweise grade zu den Kausleuten in den wenigst freundlichen Beziehungen steht, auch noch das Patronat der „Launenhaftigkeit" als Nebengcichäfi zuzuweisen. — In der That, gibt es etwas Launenhafteres als die Schwankungen eines Curs- und Börsen-, überhaupt eines Geschäftsberichtes?—Was sind die von den „unpraktischen" Gelehrten so ängstlich gemessenen Schwankungen des Barometers und der Magnetnadel dagegen. Vor Jahren, als der nordamerikanische Krieg ausbrach, da hörten wir von Fallimenten, weil die Baumwolle stieg — heute hören wir desgleichen, weil die Baumwolle sällk! — Aufrichtig gestanden, begriffen wir damals die Situation eher und leichter als jetzt. — Nach der von Seilen der iüdstaarlichen Conföderarion so wider alles Erwarten schnell erfolgten Rückeroberung von Charleston, nach der Schlacht von Bulls-Run, kur; nach dem für die Empörer — gegen alle Conjckruren Hochweiser Taktiker — so überaus glanzenden AuSgang des ersten Feldzuges, mußte es jedem Einsichtsvollen mit unnennbaren Schrecken klar werden, daß durch die uordamerikanische Krisis ein bodenloser Abgrund für die gesammte kulrivirte Menschheit sich eröffne. An billige Baumwolle, überhaupt an billige Colonialwaaren, war natürlich nicht mehr zu denken. — Heute, wo der mehrjährige, sehr glorreiche aber auch höchst tragische und schmerzliche Kampf der Nordsiaaten für Recht und Menschlichkeit endlich für dieselben eine günstigere Wendung zu nehmen scheint, glaubt man schon den Untergang der „Seeession" in das Bereich der Spekulation ziehen zu müssen. — Wie gut wäre es doch — wir können wahrlich nicht umhin, diesen Gedanken hier auszusprechen — wenn der Kaufmanssrand zuweilen es nicht verschmähen wollte, einen höhcrn, weltgeschichtlichen Standpunkt einzunehmen. Glaubt man denn wirklich und im Ernste daran, daß bis Neujahr höchstens, wie Sanguiniker, deren es auch in der Geschäftswelt gibt, unverhohlen gegen uns ausgesprochen, derKampsin Amerika beendigt sein wird? Niemand sicherlich sicht dem endlichen Siege der Union sehnsuchtsvoller entgegen als wir; denn wir fühlen nur zu lebhaft, wie viel für die gesammte Menschheit bei der Sache auf dem Spiele steht, wie viele der heiligsten Interessen ernstlich gefährdet und durch den fortdauernd-m Kampf in Frage gestellt sind; insbesondere wir Israeliten haben allen Grund, den Vereinigten Staaten von Nordamerika alles Glück und alles Gedeihen zu wünschen; denn von dort ging zuerst die Idee der Emancipation aus; aber das macht uns nicht blind gegen die Thatsachen. — Man glaube doch nicht den allzu optimistisch gefärbten Zeitungsberichten. Man scheint vor Allem zu vergessen, daß dieser nordamerikanische Kampf nicht seines Gleichen mehr hat in der Weltgeschichte, daß er sich daher aller Berechnung und Vorherbesiimmung entziehet. So wenig klar im Allgemeinen die eigentlichen, veranlassenden Ursachen desselben nnS Europäern sind, so wenig man den ganzen bisherigen, höchst eigenthümlichcn und überraschenden Gang un Entferntesten vorahncn konnte, so wenig ist, nach unserem Dafürhalten, über den weitern Verlauf etwas zu cvnjektnrircn. Gesetzt auch, die Nordstaatlicheu schreiten auf der SiegcSbahn glorreich vorwärts — ja lassen wir selbst Richmond gefallen sein — was wohl Niemand mit größerer Freude begrüßen würde als wir — was berechtigt nnS, den Südstaatlichen weniger Energie, weniger todcSmuthige Ausdauer, weniger verzweislungsvolle Hartnäckigkeit zuznmuthcn als dem Norden? Vermochte dieser so viele' fürchterliche Schläge unverzagt zu überdauern und.^u ver. winden — warum nicht auch der Süden, der, so unedel auch die Sache ist, für die er sicht, doch eigentlich den Kampf begonnen und mit einer Lhalkraft fortgcführt hat, die unwillkürlich Erstaunen und Bewunderung abringt. Es ist traurig, daß wir hier der Geschäftswelt — insonderheit denjenigen, die in „Easfce und Baumwolle machen" — Trost durch eine Ueberzeugung bieten zu müssen glauben, die uns selbst im hohen Grade trostlos stimmt. Ja, lassen wir endlich die kühnste Hoffnung des Menschenfreundes, deS Freundes wahrer Freiheit in Erfüllung gehen, und die völlig ohnmächtige Secession demüthig um Frieden flehend zu den Füssen der nordischen Gewalthaber liegen.— Was dann? Ist wohl alsdann Aussicht auf die schleunige Wiederkehr der hcmaligen, in so neidcnSwertherWcise gcordnetcnZnstäudedcrnordamerikanischen Union? Auf welcher Basis sollen denn eigentlich die beiden Parteien sich vertragen und mit einander pakriren? Hätten wir an den Nordstaatcn eine Republik vor uns, wie einst Sparta oder Rom, so könnte mau altnehmen, aus den Südstaaten ein Art Mcssenia oder Laiium werden zu sehen — niedergeworfen und geknechtet von dem mächtigeren Nebenbuhler. Allein eine Knechtung des Südens liegt nicht in der Absicht des Nordens, darf nicht in seiner Absicht liegen, wenn er nicht den Grundprincipien seines eigenen Daseins untreu werden will; es kann aber auch uicht seine Absicht sein, will er nicht andeks die selbstmörderische Hand an die eigenen heiligsten Güter; Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstständigkeit legen. — Was bleibt also dem Norden übrig? Den Süden zur alten, allerdings sehr zweifelhaften Freundschaft zu zwingen. Z u rFreun dschafr zwingen! In diesem Widerspruche liegt eigentlich das Trostlose und Verzweislungsvolle der Lage.—Wir unsererseits können uns daher der traurigen Ueberzeugung nicht erwehren, daß, wenn selbst heute der Süden zähneknirschend sich wieder zu einer Umarmung des Nordens verstehen sollte oder besser müßte, morgen, bei dem geringsten Anlasse, bei der ersten passenden Gelegenheit die alte Wuth von Neuem losbrechcn — der Kampf von Neuem sich entspinnen würde. — Ja, was noch trostloser ist, selbst, wenn es zu der vom Süden so heiß ersehnten definitiven Trennung kommen sollte, so würde sich hieinit blos die Perspektive ewiger Kämpfe und Reibungen eröffnen, statt dauernder Ruhe. — Wer würde es dem Norden auf die Dauer wehren können, zter kas oder neküs, gemäß oder ungemäß den etwa vereinbarten Verträgen, die flüchtigen Sklaven zu schützen und zu berg n — um eine Thatsache aus Tausenden hervorzuheben — und dem Süden seinerseits, dem ungefälligen Nachbar alles zu Schur zu lhun? — Welch' unendlicher Stoff zu Streit, Hader, zu geistiger, wie materieller Befehdung, die auf unberechenbare Zeit hinaus den einst so blühenden Slaalenbund zur Ohnmacht verdammen, und seine edelsten Kräfte paralisiren müßte. — Wie dem nun auch sei, so pessimistisch gefärbt auch unsere Ansicht erscheinen mag — so viel steht fest, auf dauernde Ruhe, aus geordnete Zustände in den Vereinigten Staaten ist jedenfalls vorläufig nicht die mindeste Aussicht vorhanden. Es wäre also noch Zeit gewesen mir der Panique, und allenfalls gerathener inzwischen — auf unser Blatt zu abb onnireu. Mannigfaltiges. * Der isr. Lehrerverein. Mangel an Raum zwingt § „Ungeachtet der divcrgirenden und wenig aufmunternden uns das ausführliche Referat über diese, für die ganze Judenschast > Mittheilungen der Prager Blätter über die Angelegmheir der an- Böhmens so bedeutsame Angelegenheit für die nächste Nummer! geregten israclitischenLehrerconserenzhatte sich dennoch mn 18.October, zurückzulegen. — Einstweilen beschränken wir uns auf Miltheilung als dem Tage, an welchem ursprünglich die Zusammenkunft befolgender Noriz, die wir dem „Tagesbolen a. B." entnehmen: > absichligt gewesen, eine größere Anzahl isr. Lehrer vom Lande in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.