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Das Abendland · 1864-11-03 · 1 (3.11.1864) · p. Seite 5

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Journal
Das Abendland
Volume
I (1864)
Issue
1 (3.11.1864)
Date
1864-11-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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» — 5 Schuldverschreibungen für den nächsten Herbst zuge-! sichert wurde. Mein sollte wahrlich nicht glauben,! eine solche Berechnung, wie sie der Korrespondent der i „Politik" macht, könne im 19. Jahrhunderte, im Jahr- Hunderte der materiellen Interessen und in einer Gegend gemacht werden, die von der Donau und der i Ctaaköeiscnbahn, zwei großen Verkehrsstraßen durchs! schnitten ist, und könne dann in einem Blatte Auf- - nähme finden, das in der Hauptstadt eines vorwiegend induüriellen Landes erscheint, Ist eS einem Men- > scheu, der nur von den einfachsten Elementen des Handels einen Begriff hat, je eingefallen, einen Gewinn, den der Handelsmann durch Abschluß von Waaren auf eine bestimmte Lieferzeit erzielte, darum mit dem Namen „Wucher" zu bezeichnen, weil die Tarangabe, wenn kapitalifirt, nicht denselben Betrag an Interessen abgeworfen hätte, oder weil eine Darangabe überhaupt gar nicht vorhanden war, und die Eontrahcnten sich au's bloße Wort trauten? Oder sollte der Verkäufer darum von der Pflicht losgezählt werden, .die abgeschlossene Waare zu effektuiren, weil er das Geschäft iu dem Bewußtsein einging, daß die Waare zu Lieferzeit gar nicht vorhanden sein könne, also seinen Käufer absichtlich auf das gröblichste betrog? Schreiber dieser Zeilen hat zwar nicht gerade in der Bacska aber in andern, von dieser nicht fernen Gegend Ungarns den Nothstand des vorigen Iahreö miterlebt und denselben von feinem Beginne an zugleich aber auch zu beobachten Gelegenheit gehabt, in welch leichtfertiger Weise manche Landlcute dort das Geld, das ihnen eben zu Gebote steht, an schlaue musizirende Zigeuner und ähnliches Gelichter vcrsebleudern und so in Schulden gerathen. Er hat aber auch, obwohl dem Handelsstande ganz fremd, Gelegenheit gehabt, die Art und Weise des dortigen Wollgeschüfr s kennen zu lernen, und dürfte sie dort und in der Bacska sich ganz gleich bleiben. Sie ist ungefähr folgende: (Schluß folge.) Korrespondenzen und Millheilüngen aus der Zeit, Prag 25. Oktober. Lose Gedanken eines „Nicht-! gef ch äfts m a n n es" über die Situarion. „Panique,"! das ist der einzige und eigentliche Ausdruck zur Bezeichnung der Situation in den letzten Tagen; eine Situation, die wie ein grauer Schleier um die Gemächer sich legre, und natürlich auch in jüdischen Kreisen während der jüngstverflossenen Feiertage keine eigentliche FesreSftimmung aufkornmen ließ. „Panique" in allen Schichten und Kreisen der Gesellschaft. — Sollte man es meinen? — Auch das kleine literarische Unternehmen, das wir mit der heutigen Nummer einleiten, mar nahe daran, in der allgemeinen Sturmfluth Schiffbruch zu leiden, oder, um uns gcschäftSmännisch auszudrücken, sich bankerott zu erktären, bevor noch die Firma prorokollin worden. Die volle Wahrheit zu gestehen, lavireu wir noch immer auf dem Gewässer umher, mir sehnsüchtigem Blicke den sicheren Port der Pränumeration erspähend! So innig sind — das hatten wir von Neuem Gelegenheit zu erfahren — die modernen socialen Zustände in einander gefügt, daß jeder Stoß, in irgend einer Ecke dem Gebäude versetzt, sich in allen Enden desselben fühlbar macht, und die Vibrationen vom Grund bis zu. äußersten Dachsparre sich forlpslanzen. Was Wunder auch, wenn die Geister, von einem einzigen Gedanken präocupin, die Zummhung, in diesem Momente noch überdies Hebammendienste bei einem mühselig ins Dasein sich emporringenden licerärischen Kindlein zu leisten, als kolossal repudinen — ja nicht selten wohl gar eine wollustvolle Losung ihrer ängstlichen Spannung darin finden mochten, ein Papier — wir meinem unser Cirkular — in etwas schroffer Art zurückzuweisen, das nicht wechselmäßig procestirt werden konnte. So pflegt eS schon zu gehen, wenn man verstimmt ist! Der unschuldigste Gegenstand — und was gibt es Unschuldigeres als eine noch unge druckte Zeitung? — ist grade der willkommenste, einem Unmuthe an ihm Lust zu machen. Glücklicherweise hatten wir keinen übertriebenen Hoffnungen uns hingegeben, trotz vielfacher, freundlicher Zusicherung und Aufmunterung; den Schmetierlingsstaub der Illusionen haben wir längst in der ernsten Schule der Erfahrung abgestreift. Was half es auch, daß wir sonnenklar in unserem Programm die Noihwendickeit eines jüdischen Organes für Böhmen uachgewiesen zu haben glaubten — auf das Unfertige, Provisorische unserer Zustände hiuwiesen; — es stand ja gedruckt, und was gedruckt steht, wird heutzutage entweder gar nicht oder im günstigsten Falle nur halb beachtet! O wer gibt uns die naiven Zeiten zurück, wo es kein triftigeres Argument für die Wahrheit einer Behauptung gab, als wenn man sie „gedruckt" Nachweisen konnte! Zn ähnlicher Weise, wie es einst bei den Mönchen des Mittelalters hieß: „Zruecum est. non lessitur" (griechisch wird nicht gelesen) scheint heute der Grundsatz aufgekommen zu sein: „Imprimutum 68t, non IsZitur" „WeilS gedruckt ist, liest man oder mindestens beachtet man's nicht!" Wie dem auch sei, mit einer Überraschung, der es wahrlich an ein.m komischen Momente nicht gebrach, fanden wir uns plötzlich in die innigste Mitleidenschaft bei einer Simalion gezogen, die wir sonst mit philosophischer Ruhe aus concemplativer Ferne beobachtet haben würden, und nur zu triftigen Grund, den Ursachen der mit einem Male ellrgelretenen baisse sämmtlicher kaufmännischer Gemüther nachzuforschen. In der Thac, woher grade in diesem Momente wieder die zeitweise in der Geschäftswelt epidemisch grassirende Fallsucht? So wagten wir schüchtern zu fragen. — Die uns freundlich st errheilten Auskünfte divergieren natürlich nach allen Richtungen, und nachdem wir uns redlich bemüht, sie unter einander zu vergleichen, um wo möglich den Kreuzungspunkt der Übereinstimmung zu finden, da waren wir „grade so klug als wie zuvor" — und in Anbetracht der nutzlos vergeudeten Gehirnsäfte mußten wir nur bedauern, es nicht bei jenem Achselzucken belassen zu haben, mit dem unsere erste Interpellation von Seiten eines Geschäftsmannes erledigt worden, der vielleicht nicht der mindest Gewiegte und Einsichtsvolle unter seinen Collegen war; doch so gehts, wenn man Stoff für einen Zeitungsartikel sucht! Wollten wir übrigens ans die Stimme der ewig Malkontenten hören, die an unseren Zuständen natürlich nicht ein gesundes Haar lassen mögen, so müßten wir auch diesmal die ganze Schuld auf Rechnung unserer schlimmen Finanzzustände stellen. „Der Kauftnaunsstand" — also klagte man in elegischen Tönen — „habe keinen Rückenhaller in Oesterreich, er stehe schutzlos da, ohne Vertretung uach außen, mit mangelhafter Vertretung nach ii neu!" Zn unserer Beschämung müssen wir gestehen, dieser Gedankenflng war uns zu hoch, solche Deduktionen gehen weil über unseren, ohnedies nicht sehr ausgedehnten, geschäflömännischen Horizont. Eher leuchtete uns schon eine innige Wechselbeziehung zu den nordamerikanischeu Verhältnissen und zu den Rückschlägen ein, welche die neuerdings auf dem dortigen Kriegsschauplätze eingelretene Wendung auch auf unsere, ohnedies wankenden und wackelnden Zustände übt. Und in diesem Punkte glaubten auch wir, natürlich in aller Demuth und Bescheidenheit eines Mannes, der nicht zu den „Guten und Festen" sich zählen darf, ein

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