Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 1 (3.11.1864)
- Date
- 1864-11-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 - qelöst hat, ist, wie mit dem weltlichen Regenten des Kirchenstaates zn verkehren, ohne den heiligen Vater zu verletzen. Kurz, anstatt der von vielen Seiten so hartnäckig verfochtenen Lehre, daß der weltliche Besitz der Kirche eine Garantie ihrer geistlichen Macht sei, möchten wir, ans die Geschichte gestützt, vielmehr den entgegengesetzten Grundsatz zn verteidigen unternehmen, daß die weltliche Macht von jeher nur unter der geistlichen Schutz und Zuflucht gesucht und auch gefunden. Welcher Grundsatz übrigens ehrenvoller für die römische Curie ist, hierüber noch ein Wort zu sagen, hieße zu sehr sich gegen den Geist der Gegenwart versündigen. Bon einer solchen, rein spiritualistischcn Gewalt sollte man denn auch glauben, daß sie ihrerseits, wenn sie wirklich conscquent wäre, die Idee respektive: eine Idee überdies, die mit zu den Fundamenten ihres eigenen Daseins gehört, und zwar um so mehr, je ohnmächtiger in materieller Hinsicht diese ihr gegenüber steht. Mit welchem Rechte protestirt man in Rom gegen die rohe Invasion sardinischcr Soldateska, und betrachtet man alle sogenannten „vollendeten Thatsachen" als nicht geschehen, wenn man seinerseits die geringe, au. dem Schiffbrnche der Zeiten gerettete weltliche Macht so sehr mißbraucht? Denn im Grunde genommen steht das Ghetto in Rom ganz in demselben Verhältnisse zum Vsstikan, wie dieser zur mackanm in Turin. Das Ghetto gegenüber dem Vatikan — der Vatikan gegenüber der pa1u220 irmäama — sie beide vermögen nur die Macht der religiösen Idee in's Feld zu führen, nur mit geistigen Waffen zu fechten! Jene Jdesu d-.r Zeit aber, welche ihre Mittige schirmend auch über die G'hetti anrb^c ten, sind — gelinde gesagt — sicherlich nicht rm rdcr berechtigt, als jene, die noch immer — ullem Materialismus der Zeiten zum Trotz — sich als das trefflichste Bollwerk selbst des weltlichen Besitzes der Kirche bewahren.") Konfessionelle Landelspolilik der „MitiG") Tief bedauern wir es, dieses neue Blatt mit einer Polemik inaugurircn zu müssen, und zwar mit der Polemik gegen eine Zeitung, welche sonst das Streben nach Gleichberechtigung aller Staatsbürger sich zur Ausgabe gemacht, von der sie jedoch neuerer Zeit bezüglich der Juden augenfällig abweicht. Die „Politik" nämlich, die schon unlängst in ihren Tagesneuigkeiten bervorhob, daß auf dem Wenzelsplatze die Magd eines jüdischen Buchbinders vom Fenster gestürzt, bringt in Nr. 286 einen Brief aus der untern Bacska ddto. Oktob. 10. 0. L., worin als eine der übelsten Folgen des vorjährigen Nothstandes erzählt wird, das dortige Landvolk habe sich in Schulden gestürzt und sei zumeist in Wuchererhünde gefallen. Als eoncretcS Beispiel wird die Art und Weise erzählt, wie im vorigen Jahre in dortiger Gegend Wolle verkauft wurde. Landlente haben nämlich ihre bei der nächsten Schafschur nach beiläufiger Berechnung zu erhoffende Wolle sehr wohlfeil an jüdische Wollmükler verlaust, von diesen aber nur einen Theil des beiläufigen Betrages sogleich erhalten, das Ucbrige sollte bei Ablieferung der Wolle ausgezahlt werden. Um nr aber mehr Geld in die Hand zu bekommen, verkaufte sie eine und dieselbe Wolle an zwei, sogar drei Juden, nahmen aber von allen zusammen nur so viel Geld an, als sie ihrer Wolle gleich schätzten. „Die simplen Leute kalkulirten ungefähr, sie würden jedem der Käufer so viel Zentner Wolle abliefern, als er bezahlt hat. Aber bei dieser, im Grunde vielleicht billigen Kalkulation sind die Armen gar übel angekommen." Zur Schurzeit wollten nämlich die Mäkler auf das ^simple Raisonnemen t" nicht eiugehen, verlangten ein jeder das ganze gekaufte Wollquantum, und da dies Quantum nicht vorhanden war, bestanden sie auf strikte Bezahlung der Differenz zwischen dem Kaufpreise und dem eben herrschenden Marktpreise der Wolle, wodurch drei solcher Wollmükler durch eine Darangabe v-n 270 fl., koribila äietu! nicht weniger als 560 fl. reinen Gewinn erzielten, der ihnen jedoch nebst einem Theile ihres baar Vorgestreckten nicht etwa baar ausgezahlt, sondern nur in Zin Augenblicke, wo wir diesen Aufsatz dem Drucke übergeben, gehen uns höchst interessante Mitrheilungcn über eine Mortarageschichre in dem protestantischen England zu, welche abermals ein grelles Licht auf daS Treiben der Missionsgesellschaften daselbst wirst. — Wir werden vermuthlich schon in einer der nächsten Nummern unseres Blattes in der Lage sein, die ausführlichen Delcnls, belegt mit den Driginalbricfen der betreffenden Persönlichkeiten, zu bringen. **) D. heigentlich des Bacska'cr Correspondenten der „Politik." — Überhaupt, scheint es unS, thut inan Unrecht daran, der Redaktion eines Blattes die volle moralische Verantwortlichkeit auch für jede auswärtige Mittheilung aufzubürden. Sie hat gcnu^ au der preßgcrichtlichcn zu tragen. Versetzen wir uns einmal in die Lage der „Politik." Eine Correspondeuz, die Thatsächlichcs enthält, kann nicht leicht zurückgewicseu werden, besonders wenn man Vertrauen zu der Wahrhaftigkeit des Corrcspondenten hat. — Freilich trägt nun grade diese Bacska'cr Correspondeuz eine zu entschieden hcrvortretende jüdischfeindliche Färbung; denn während der Corrcspondent das Verfahren der Käufer, bezüglich der Preishcrabdrückung, das, wenn es sich bewahrheitet, wir sicherlich die Ersten sein werden, im hohen Grade zu mißbilligen, beim rechten Namen nennt, sucht er die gewiß noch weit perfidere, wahrhaft betrügerische Manipulation der lieben, ländlichen Einfalt — mau weiß übrigens, wie weit es mit dieser her iü! — in ein günstiges Licht zu stellen.— Noch entschuldigt nicht den offenbaren Betrug. — Aus dieser Rücksicht glaubten wir obigen Artikel bringen zu müssen, da wir gerecht nach allen Seiten sein wollen. Bemerkung der „Redaktion." -