Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 1 (3.11.1864)
- Date
- 1864-11-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 hiemit ausdrücklich zur Theilnahme (mit Bezug auf den Punkt 8 am Schlüsse dieses) einladcn, wird demnach „das Abendland" in der Lage sein: 1. Allgemeine, politisch-sociale Fragen vom Standpunkte des Indcnthumes aus zu beleuchten nnd zu besprechen, überhaupt die politische Bildung der Nation zu fördern. 2. Den jüdischen Eultusangelegenheitcn, besonders aber, nnd in hervorragendster Weise dein jüdischen Schul- und ErziehungSwcsen die höchste Beachtung und Aufmerksamkeit zu widmen. 3. Interessante Berichte ans allen Theilen der Erde zu bringen. — Mannigfache Beziehungen zu den Vereiniglcn Staaten von Nordamerika und zu geistig hervorragenden Persönlichkeiten daselbst werden uns schon in nächster Zeit in die Lage versetzen, eingehende Mittheilungen über die dortigen jüdischen Zustände zu veröffentlichen. 4. Angelegenheiten einzelner Gemeinden werden nur in so fern zur Besprechung gelangen, als sie ein allgemeineres Interesse bieten. — Unter dem Titel „Allgemeine Sprechhalle" werden wir jedoch — um nicht allzusehr gegen die bisherige, allerdings sehr mißbräuchliche Gepflogenheit der meisten jüdischen Zeitschriften zu verstoßen — eine Rubrik eröffnen, die einen sehr bescheidenen Theil des Blattes einnchmen und den ausschließlich lokalen Interessen zu eben so bescheidenem und maßvollem Gebrauche zur Verfügung gestellt werden wird. 5. Dem vielfach ausgesprochenen Wunsche jüdischer Gemcindevorstände entgegen kommend, werden wir alle behördlichen, das Indenthum betreffenden Erlässe, unmittelbar nach Erscheinen derselben, publizireu. Es sind überdies bereits Vorkehrungen getroffen worden, um alle seit 1848 bereits erflosscnen, so wie die altern, noch in gesetzlicher Kraft bestehenden, behördlichen Verordnungen in eine systematische Sammlung zu bringen. 6. Unter dem Titel „Blätter für Geist und Gemiith" wird eine monatliche Beilage von 1 bis 3 Druckbogen erscheinen. Diese, ausschließlich geistvoller, anregender und belehrender Unterhaltung gewidmet, bringt Novellen und Erzählungen, anziehende Aufsätze aus allen Gebieten der Naturwissenschaft, der Literatur und Kunst, eingehende Besprechungen neuer und interessanter Erscheinungen aus jedem Felde menschlicher Geistcsthätigkeit, meist in Ferm von Essay'S, die der Kritik, abgesehen von dem kritisirten Objekte, selbstständigen Werth gibt. 7. Ganzjährigen Abonnenten werden wir überdies zum Schlüsse des Jahres ein reich ausgcstattetes Jahrbuch mit Kalendarium als Neujahrsangebinde bringen. 8. Schlüßlich fügen wir noch hinzu, daß wir alle uns zugehenden, geeigneten Originalarbeiten in durchaus anständiger und entsprechender Weise honoriren werden." Prag im Oktober 1864. Oie Redaktion. Aas neueste Mentat gegen die Menschenrechte in Pom. Es gibt Gefühle und Rechte in diesen Gefühlen begründet, älter selbst als die älteste der Religionen; Gefühle, die Gott selbst in die Natur gepflanzt, um die ewige Dauer seiner Schöpfung zu sichern, die also nicht erst eines besonderen Aktes der Offenbarung bedurften, um als geheiligt, als wahr, als unverletzlich zu gelten. Was würde aus der ganzen animalischen Schöpfung werden, wenn das Band der Mutterliebe sich lockerte, wenn nicht mit Lcueningrimm die schwächste und ohnmächtigste der Ercatnren ihre junge Brut vcrtheidigte, mit Hintansetzung des eigenen Daseins sie hegte und nährte? — Alsein schauerliches Attentat, geeignet den Menschen in den innersten Tiefen seines GemütheS auszurcgen und zu empören, wurde also von jeher jede Verletzung jenes zarten und geheimnißvollcn Gewebes betrachtet, das die Glieder einer und derselben Familie umspinnt; denn dunkel fühlt es Jedermann, hi e r sind die tiefsten Wurzeln unseres Daseins, von hier entkeimt der Lebensbanm, der die Menschheit umschattet in der Gluth ihrer flüchtigen Tage, der dein Bettler wie dem Fürsten gleich Früchte und Genüsse beut, ja unter dessen schirmender Krone, wir noch Ruhe nnd Erholung finden, selbst wenn zurückgestoßen, verfolgt und müde gehetzt von der ganzen übrigen Welt. Ein natürliches, nicht abzuwchrendcs Gefühl der Syinpathie zwingt daher selbst den rohesten Naturmenschen, das Familienband selbst beim vernunftlosen Thiere zu achten und zu schonen. Solche und ähnliche Gedanken stiegen auf die erste Nachricht von dem neuesten Akte der Brutalität, der in Rom, nunmehr schon zum zweitenmale nach einem Zwischenräume von wenigen Jahren, an einem Judenknaben vollsührt wurde, in unserem Busen und wohl in dem Busen jedes Gebildeten aus. Dieser Akt ist cs nun auch, der Veranlassung zu einem Aussatze über „religiöse und bürgerliche Freiheit" wurde, den wir zum Abdrucke in der nächsten Nummer unseres Blattes bereit halten, und der seinerseits wieder an eine Manifestation in einer amerikanischen Vierteljahrsschrisl sich anlehnt, um so bedeutsamer und merkwürdiger, als sie nicht blos von katholischer Seite, sondern sogar von einem Priester dieser Kirche ausgcht. Wir glaubten nämlich nicht würdiger unser neues Blatt einleiten zu können, als wenn wir gleich in den ersten Nummern desselben dem tiefen Gefühle der Entrüstung über eine, den finstersten Zeiten des Mittelalters allein würdige Thal Ausdruck geben. Dem energischesten Echo dieses Gefühles begegnen wir zwar in allen öffentlichen Organen des, Gott sei Dank! heut zn Tage allein stimmberechtigten gebildeten Europas - aber welch' schwache Genugthuung ist dies gegenüber