Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XIII (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 25)
- Language
- German
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Antizionistische Propaganda. Im August 1921 kam eine Anzahl Vertreter der mohammedanischchristlichen Gesellschaft nach London. Mit Unterstützung verschiedener antizionistischer Kreise unternahm diese arabische Delegation einen heftigen Propagandafeldzug und verbreitete eine Unmenge böswilliger Entstellungen. Die abenteuerlichsten Geschichten wurden in Umlauf gesetzt und fanden starken Widerhall in gewissen Kreisen, die geneigt waren, alles zu glauben, was gegen die Juden gerichtet war. Mit diesen Vorurteilen verband sich der weitverbreitete Wunsch nach einer Verminderung der britischen Verpflichtungen im Osten. Dazu gesellte sich die Meinung derjenigen, die auf Grund unvollständiger Informationen tendenziösen Mitteilungen Glauben schenkten und nicht wollten, daß in Palästina berechtigte arabische Interessen oder britische Versprechungen verletzt würden. Alle diese Interessen, Meinungen und Gefühle wurden von solchen Elementen benutzt, die besondere Gründe zur Gegnerschaft gegen den Zionismus hatten und die arabische Delegation für ihre Zwecke benutzten. Zu Beginn des Jahres 1922 wurde die antizionistische Kampagne von dem einflußreichsten Zeitungsbesitzer in England aufgenommen, was zur Folge hatte, daß der Zionismus und alles, was er tat, von der gesamten Harmsworth-Presse ständig angegriffen wurde. Zu einer gewissen Zeit wurde der Rutenberg-Plan zum Hauptangriffspunkt gemacht. Das Projekt wurde auf jede Weise verdächtigt, und es wurde angedeutet, daß geheimnisvolle und unheilvolle Kräfte dabei am Werke seien. Eine Kampagne dieser Art, die die Leichtgläubigkeit des Publikums benutzte, das sich nur an die Zeitungsüberschriften hielt, mußte naturgemäß eine gewisse Wirkung haben, und obwohl die verantwortlich denkenden Elemente all dem wenig Bedeutung schenkten, wurde doch allmählich eine antizionistische Stimmung geschaffen. Während des Sommers nahm die Kritik der englischen Politik in Palästina an Umfang und Stärke zu und fand ihren Höhepunkt in der Debatte im Oberhaus vom 21. Juni 1922. Dort wurde die folgende Resolution trotz einer eindrucksvollen Bede Lord Balfours mit 60 gegen 29 Stimmen angenommen. Es wird darin erklärt, „daß das Mandat für Palästina in seiner gegenwärtigen Form nach Ansicht dieses Hauses unannehmbar ist, weil es eine direkte Verletzung der Versprechungen bedeutet, welche der Bevölkerung Palästinas durch Sr. Majestät Regierung in der Erklärung vom. Oktober 1915 und nochmals in der Erklärung vom November 1918 gegeben wurden, und weil es in seiner gegenwärtigen Fassung den Gefühlen und Wünschen der großen Mehrheit der Bevölkerung Palästinas widerspricht; und daß daher seine Annahme durch den Völkerbundsrat verschoben werden soll, bis diejenigen Änderungen darin vorgenommen wurden, die die Übereinstimmung mit den von Sr. Majestät Regierung gemachten Zusagen herstellen' '. Obwohl die Sitzung schwach besucht war und das Ergebnis kaum als Ausdruck der wohl erwogenen Meinung des Oberhauses gelten kann, bedeutete die Annahme dieser Resolution doch eine sehr unwillkommene Überraschung. Die Wirkung dieser Debatte wurde jedoch unmittelbar danach mehr als aufgewogen, und zwar durch die Debatte im Unterhause am 4. Juli, in der, wie schon erwähnt, eine Resolution, die eine Revision der englischen Palästinapolitik verlangte, nach einer 16