Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XV (1927)
- Date
- 1927-08-30
- Page
- Seite 98 (sequence 626)
- Language
- German
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VOM MOSCHÂW. Die Kritik des einzelbaeueriichen Typus in unserer Kolonisation —des Moschaw— ist viel milder ausgefallen. So koennen wir in diesem Abschnitt auch viel kuerzer sein. Prof. O. bemaengelt den Grundsatz der Eigenarbeit, verbunden mit dem Verbot der Lohnarbeit, auf dem die Moschawim beruhen. Er gibt zu, dass, wo erwachsene Kinder und eine arbeitstuechtige Frau vorhanden sind „die Arbeitskraefte einer Familie fuer die auf 100 Dunam berechnete Wirtschaft nicht nur ausreichen", sondern „vielfach sogar zu gross sein" werden. Aber er glaubt, dass, solange die Kinder klein sind, "der Betrieb an Unterbesetzung und der Inhaber an Ueberarbeifung" leidet. In Einzelfällen mag es zutreffen. Im allgemeinen ist nicht zu vergeessen, dass nicht nur die Familien, sondern auch die Wirtschaften noch jung sind. Der Kuh stall ist ebenso in den Anfaengen, wie die Pflanzungen, und der Gemuesegarten kann sich infolge Mangeis an Bewaesserung in den meisten Moschawim nicht rapid entwickeln. So sehen wir, dass die Siedler von Nahalal im letzten Jahre ausser ihren eigenen Beeden noch 3500 Dunam bearbeiten konnten, die von Kfar Jeheskel ca. 1000 D, vom Moschaw Merhaviah—ca. 3300, von Balfouriah— ueber 2500 Dunam u.s.f. Die Tatsache, class sie 120 und auch 150 D. zu bestellen vermochten, hat in manchen Moschawim sogar dazu gefuehrt, dass die Siedler eine groessere Bodeneinheit fordern. Die Statistik zeigt, dass die Zahl der staendigen Arbeitskraefte (in maenniiehe umgerechnet) in europaeisehen Bauern wirtschaften per 100 Dunam wie folgt betraegt : In England — 1.15, in Deutschland—1,55, in Daenemark—1,4 in Belgien—2,5 (Agricultural Tribunal of Investigation, p. 125, London, 1924). Da die Intensitaet unserer Moschaw-Wirtschaften geringer ist als die englischer und deutscher Bauernwirtschaften, so kann vorlaeufig von Unterbesetzung nicht gesprochen werden. Darum ist es auch nicht richtig, wenn Prof. O. von der "Heranziehung" von Verwandten als Notweg und Umgehung des Lohnverbots spricht. Es handelt sich in der Regel um einen natuerljehen Prozess, dass verarmte Eltern und erwerbslose Geschwister zu ihren angesiedelten Angehoerigen aufs Land kommen u. sich in der Wirtschaft nuetzlich zu machen versuchen. Die Bestimmung als "ungluecklich" zu betrachten und "die braven Bauern^ in den Moschawim" zu belaecheln, weil sie sich fuerchten, "der ausbeuterischen Psychologie zu verfallen",