Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- X (1911)
- Date
- 1911-08-09
- Page
- Seite 81 (sequence 100)
- Language
- German
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81 die Regierung in den zivilisierten Ländern den hygienischen Instituten für diese Aufgabe in die Hand gibt Diesen Einwand hatte man uns von maßgebender Seite gemacht, und tatsächlich scheint auf den ersten Blick das Problem daran zu scheitern, daß uns zur Durchführung unserer Pläne die Macht fehlt, welche nicht durch Geldmittel und persönliche Arbeit zu ersetzen ist. Aber es hieße den Bau eines Hauses beim Dache anfangen, wollten wir mit den höchsten Aufgaben des hygienischen Instituts beginnen. Wir glauben vielmehr, daß durch unsere Betätigung auf hygienischem Gebiete die Türkei am ehesten von den loyalen Absichten der Zionisten überzeugt und ihr das Verständnis für die Vorteile aufgehen wird, welche ihr durch unsere Arbeit erwachsen. Diese Pinsicht könnte auch die übrigen zionistischen Arbeiten fördern. Aus diesem Grunde soll das hygienische Institut sich zunächst die Aufgabe setzen, die im Lande praktizierenden Ärzte durch solche Avissenschaftlichc Hilfsmittel zu unterstützen, deren Anwendung für den modernen Arzt unerläßlich, deren Handhabung aber dem einzelnen unmöglich ist. Es handelt sich dabei um chemische, anatomische, bakteriologische und aerologische Untersuchungen eingesandter Proben von Geschwulsten, Eiter, Blut usw. Auf diese Weise wird nicht nur dem behandelnden Arzt die Diagnose erleichtert oder erst ermöglicht, sondern es wird auch der Allgemeinheit ein Dienst geleistet. Werden z. B. in einem eingesandten Stuhl Typhusöder Cholerabazillen gefunden, so kann der behandelnde Arzt direkt oder besser durch Vermittlung des Instituts die Regierung darauf aufmerksam machen und durch zweckmäßige Vorschläge die Verhütung der Weiterverbreitung veranlassen. Das Institut kann auch selbständig Arbeiten vornehmen, welche dem Interesse der Allgerneinheit dienen, z. B. die Untersuchung des Brunnenwassers, die Ausarbeitung von Kanalisationsvorschlägen usw. So bieten sich Gelegenheiten genug, mit den Behörden Fühlung zu bekommen. Es wird natürlich Sache des Institutleiters sein, Beziehungen in taktvoller und unaufdringlicher Weise anzubahnen und auszubauen. Ist auf diese Weise erst eine Verbindung hergestellt, so wird auch die Erteilung der Regierungsmachtvollkommenheiten für besondere Fälle an das Institut nicht ausbleiben. Auch bei uns zu Lande beschränkt sich die Regierungsgewalt der hygienischen Amter auf besondere Fälle, für welche jedesmal ein Erlaß des Reichskanzlers notwendig ist. Das wichtigste Erfordernis ist, daß die Ottomanische Regierung sich von der Nützlichkeit eines derartigen Instituts überzeugt, und daß politische Aspirationen irgendwelcher Art von Seiten der Beamten des Instituts vermieden werden. Es dürfte zweckmäßig sein, in dem Institut Arbeitsplätze einzurichten, um jüngern Ärzten die Möglichkeit zur Ausbildung zu geben. Derartige Kurse können die Grundlage für eine spätere medizinische Akademie, den Grundstock einer Universität abgeben. Was die für das Institut notwendigen Mittel anlangt, so werden wir solcher nur für die Gründung bedürfen, da anzunehmen ist, daß 6