Mannheim
Compact Memory

Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress · 1911-08-09 · X (1911) · p. Seite 80

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
Volume
X (1911)
Date
1911-08-09
Page
Seite 80 (sequence 97)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9038125-9038126--0100-9038223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 80 — verseuchten Gregenden nach Möglichkeit keine Wohnhäuser gebaut werden, und daß der einzelne, der dort zu wohnen gezwungen ist, Mosquitonetze und andere Schutzmaßregeln gebraucht. Eine geringere Eolle spielt das Maltafieber und die Orientbeule, deren Bekämpfung auch nicht so umfangreiche Aufwendungen erfordert wie die der Malaria. Nicht selten sind in Palästina Seuchen, die aus Persien, Mesopotamien oder andern östlich gelegenen Ländern eingeschleppt werden, vor allem Pest und Cholera. Da ist es die Aufgabe des hygienischen Instituts, Quarantäne und Isolierungen anzuordnen, um ein Umsichgreifen der Seuchen zu verhindern. Bisweilen nehmen auch Typhus und Kühr einen epidemischen Charakter an; man kann beide nicht nur auf demselben Wege an der weitern Verbreitung hindern, sondern es muß auch der Ansteckungsstoff außerhalb des infizierten Körpers vernichtet werden. Das hygienische Institut muß dafür sorgen, daß das Trinkwasser frei von Infektionserregern ist, und daß die Dejekte der Erkrankten derart beseitigt werden, daß eine Ansteckung Gesunder unmöglich wird. Eine gute Kanalisation empfiehlt sich schon aus diesem Grunde. Von Krankheiten, deren Übertragung im allgemeinen direkt von Mensch zu Mensch erfolgt, sind außer den auch bei uns öfters einen epidemischen Charakter annehmenden (Masern, Scharlach) vor allen Dingen die Pocken zu erwähnen. Ihre Übertragbarkeit ist ungeheuer, so daß selbst die größte Peinlichkeit keinen zuverlässigen Schutz gewährt. Seit Jenners Entdeckung kennen wir den Wert der Impfung gegen die Pocken, und es ist deshalb die Aufgabe des hygienischen Instituts, einwandfreie Lymphe herzustellen und die Bevölkerung durchzuimpfen. Vielleicht eine ebenso große Rolle spielt das Trachom (Granulöse, ägyptische Augenkrankheit). Das hygienische Institut hat durch Belehrung der Bevölkerung und eventuelle Isolierung der Patienten während des Stadiums größter Ansteckungsfälligkeit für den Schutz der Gesunden zu sorgen. Die Lepra (Aussatz) erfordert in jedem Ealle die lebenslängliche Isolierung des von der Krankheit befallenen Unglücklichen, da wir zurzeit ein Mittel, diese Erkrankung mit Sicherheit zu heilen, leider noch nicht besitzen. Eine Reihe von weitern Krankheiten spielt teilweise gegenüber den genannten keine Rolle, teilweise gehört ihre Bekämpfung nicht in das Ressort eines hygienischen Instituts. Aber schon bei den erwähnten haben wir gesehen, daß die Bekämpfung nicht von dem guten Willen des einzelnen abhängig gemacht werden kann, sondern daß eventuell eine äußere Gewalt den Erkrankten oder Gefährdeten zwingen muß, sich dem Wohle der Gesamtheit zuliebe Beschränkungen seiner persönlichen Freiheit gefallen zu lassen. Weder die Impfung noch die Isolierung oder Quarantäne läßt sich ohne die Mittel der Gewalt durchführen, welche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.