Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 104 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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104 , Erich I r o m m - Frankfurt a. M.: Meine Damen und Herrenk Ich möchte zunächst ׳bemerken, baß ich das, was ich hier sagen möchte, nicht im Aufträge des Vereins Tiferes Bachurim vorbringe, sondern, daß Las meine, ganz persönlichen Ansichten-sind. Es ist im Laufe der Diskussion von gegnerischer Seite so viel darüber gesprochen worden, daß Zionismus und gesetzestreues Judentum sich nicht vereinigen lassen, Latz ich mich gezwungen sehe, auf diese prinzipielle Frage mit ganz wenigen Worten zurückzukommen. Da haben zunächst meine Herren Vorredner die Äeußerungen einzelner Zionisten angeführt, die im Gegensatz zum gesetzestreuen Judentum stehen und haben gesagt: ״Seht Ihr, das ist der׳ Zionismus!" Das ist nun die verkehrteste Methode, die man sich denken kann. Sie können eben nicht unterscheiden zwischen der Auffassung des Zionismus als solchem und den ganz unverbindlichen Privatmeinungen einzelner Zionisten׳. Ebensogut wie Sie sagen, die Ansicht Mossinsohn'S, die im Gegensatz zu unserer Auffassung des Judentums steht, ist der ״Zionismus", können sie auch die Ansicht eines Misrachiften zitieren und nun sagen: ״Das ist der Zionismus". Und der wäre Ihnen doch wohl sicher nicht unsympathisch. Aber die Sache ist eben die, der Zionisnms ist überhaupt keine geistige Bewegung, sonst gäbe es überhaupt keinen ״Zionismus", sondern tausenderlei Zionismen. Er bedeutet vielmehr nur die Bestrebung zur Verwirklichung des Baseler Programmes, und liegt nur auf dem Gebiete praktisch politischer Arbeit. Wenn hier gesagt morden ist, daß das Baseler Programm Religion als Privatsache erklärt, so muß ich mich wirklich fragen, ob Sie das Baseler Programm gelesen haben, oder ob Sie einen solchen einfachen Satz nicht verstehen können. Es erklärt überhaupt nichts, ebensowenig wie etwa ein Verein zur Beschafsung von Geld für die Ostsuden, dem auch Sie sicherlich mit Neologen zusammen angehören würden, die Forderungen der Thauroh als das Maßgebende in sein Programm aufzunehmen brauchte, und ebensowenig wie Sie dann sagen würden, dieser Verein erkläre Religion für Privatsache. Ich mutz mich endlich entschieden dagegen wenden, wenn gesagt worden ist, wir Gesetzestreuen spielten im Zionismus nur eine untergeordnete Rolle und dürften dort auch keine Vorstandsmitglieder werden; das ist einfach den Tatsachen völlig widersprechend. Ich führe Ihnen z. B. nur die Frankfurter Verhaltnisse an (Renommierjuden! Zwischenruf von Dr. Birnbaum). Dort ist sowohl der Vorsitzende der zionistischen Ortsals auch Jugendgruppe ein streng׳ gesetzestreuer Jude. Ich komme nun zu der speziell hier vorliegenden Frage, ob Zionisten Vorstandsmitglieder der Agudohgruppen werden können, oder nicht. Da muß ich zunächst erklären, daß wir einen Unterschied zwischen Mitgliedern, die Vorstandsmitglieder werden dürfen, und solchen, die es nicht dürfen, auf keinen Fall anerkennen können; wir lassen uns nicht zu Mitgliedern 2. Klaffe machen, und das würde unzweifelhaft ein solcher. Beschluß bedeuten. (Zwischenruf Dr. Birnbaum: Füchse haben doch in einer Verbindung auch nicht alle Rechte und sind doch nicht Mitglieder 2. Klasse.) Aber, Herr Dr. Birnbaum, Sie als Akademiker sollten doch wirklich wissen, daß dieser Vergleich ebenso unzutreffend als unlogisch ist. Wir können nur Mitglieder mit vollen Rechten und vollen Pflichten an- . erkennen, und ein solches muß jeder gesetzestreut Jude, welcher , politischen Richtung er auch angehört, werden können. Meine Damen und Herren, vor allem aber schassen Sie Klarheit, das sind Sie sich selbst, aber auch uns Zionisten׳ schuldig, fürchten Sie sich nicht, einen