Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 84 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Diskussion zum Referat Simonsohn. Dr. Silberberg-Posen: Auch die Gesamtheit kann durch Jugendwandergruppen erzogen und der jüdische Geist und das jüdische Interesse durch sie wieder erweckt werden. Wir besuchen z. B. auf unseren Wanderungen alte verlassene Synagogen in Orten, in denen kein Minjan mehr ist und erfüllen damit die Bewohner dieser Orte mit neuem Interesse für die verlassenen heiligen Stätten. Es ist auch nicht gering anzuschlagen, daß unsere Jugend gewöhnt wird, auch da ihre Mizwaus zu erfüllen, wo es nicht so bequem geht. G. F rän k el-München will zur Sache sprechen, macht aber nur eine persönliche Bemerkung betreffs der gestrigen Hinausweisung der Angehörigen des Blau-Weiß aus dem Saale und gibt eine längere Er- Klärung über die'Stellung des Blau-Weiß, die nicht zur Sache gehörte. Der Vorsitzende läßt ihn ausreden und gibt dann eine Er- Klärung des gestrigen Vorfalls ab. Die jungen Herren seien ziemlich geräuschvoll in den Saal gekommen und hätten sich ohne Kopfbedeckung auf der Seitengalerie niedergelassen. Er habe jemanden hingeschickt und sie bitten lassen, ikre Kopfbedeckungen aufzusetzen, daraus sei ihm eine ziemliai ungezogene Antwort erteilt worden. Ebenso sei die Frage, woher die jungen Leute ihre Eintrittskarten bekommen hätten, durch ein Mißverständnis nicht richtig geklärt gewesen; man habe ihm mitgeteilt, es sei aus Veranlassung des Herrn Dr. Elias-Leipzig geschehen, Dr. Elias habe das bestritten. Tatsächlich sei der Fehler aus eine der Damen an der Saaltüre Zurückzuführen. Darüber sei er dann aufgeklärt worden. Keinesfalls seien die jungen Leute, die der Agudo nicht angehörten, mit Zustimmung eines der Leiter des Bundestages in den Saal gekommen. Indessen sei keines dieser. Momente ihm schwerwiegend ,genug gewesen, die Ausweisung vorzunehmen, wenn die Blau-Weiß-Organisation uns nicht den Fehdehandschuh hingeworsen hätte. In Straßburg habe man nicht geduldet, daß Mitglieder des Blau-Weiß in die Jugendgruppe der A.J. einträten. Die oberste Leitung des Blau-Weiß habe das ausdrücklich bestätigt und ebenso sei an anderen Orten verfahren worden, vor allen Dingen in Berlin, wo eine Dame vor die Alternative gestellt sei: entweder Blau-Weiß oder Agudo! Bei solchem Vorgehen der Blau-Weiß-Organisation hätten wir keinen Grund gehabt, uns Ungezogenheiten und Störungen gefallen zu lassen. Die Versammlung nimmt diese Erklärungen zur Kenntnis und drückt durch ihren Beifall ihre Zustimmung zum Vorgehen ihres Vorsitzenden aus. - Joseph Ca r l eb ach-Köln weist aus die Verheerungen hin, die die deutsche Schule, namentlich der von Atheisten geleitete naturwissenschaftliche Unterricht angerichtet habe. Der Religionsunterricht kann dem nicht entgegenwirken, nur die jüdische -Schule. Diese Forderung ist bisher von orthodoxen Deutschen auch nicht abgewiesen worden. Aber der einzige Weg, um das zu erreichen, verlangt eine geeignete Lehrevvorbildung einzurichten. Noch eins zu Simonsohn: Den Grundsatz der Allianze: Das G e m e i n s ch a f t s g e s ü h l auch! über Vereinsstunden hinaus, das müssen wir aufnehmen-. Lehrer Cahn-Alsfeld tritt für Errichtung von jüdischen Volksschulen ein, erwidert Herrn Carlebach, daß die allerjüngste Jugend zur A. I. herangezogen werden muß. Seckbach: Jeschiwoth in Deutschland sind noch eine Utopie, aber ״Esra" muß hier Bindeglied sein und zwar sollen wir Kinder