Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 82 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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82 von Thauroh und dem persönlichen Einfluß und das Beispiel der Jugendpfleger und Führer. Geeignete Vorträge werden eine wertvolle Ergänzung bieten. Ueberhaupt ist der Vortrag als eins der vornehmsten Mittel der Jugenderziehung anzusprechen, zumal dann, wenn es sich um Darstellung von Problemen der Weltanschauung handelt. In dieselbe Reihe gehört der Aussprache-Abend, welcher Tagesfragen oder dergl. gewidmet ist. Lektüreberatung kann auch hier von ausschlaggebender Bedeutung sein. Das dafür zur Verfügung stehende Material ist groß, nur vielfach nicht recht bekannt. Ein sehr wichtiges Arbeitsgebiet ist das der Pflege des Verantwortlichkeits- und des Gemeinschaftsgefühls, die in der Kürze zu behandeln eigentlich unmöglich ist. Handelt es sich doch hier, fast könnte man sagen, um die eigentliche Ausgabe des Jugend Vereins, gleichwie das Einwirken der einzelnen Mitglieder aufeinander sein stärkstes Erziehungsmittel darstellt. Ich will, ohne den geringsten. Anspruch auf Vollzähligkeit meiner Ausstellung zu machen, kurz einzelne Punkte erörtern. In das Gebiet der Verantwortlichkeit gehört die Sorge für den einzelnen. Z. B. die Unterbringung Ortsfremder. Ich kenne einen Fall, wo ein zunächst bei einem Pfarrer untergebrachter Schüler schließlich bei einem streng orthodoxen Pädagogen landete. -Den Eltern war der ganze Vorgang gleichgültig, ebenso, daß der Junge heute am Schabbes nicht mehr trägt. Des ferneren gehört hierher die staatsbürgerliche Erziehung, die Belehrung über die soziale, wirtschaftliche und politische Stellung der Juden in Deutschland und in der Welt. Von höchster Bedeutung wird eine Beratungsstelle für Eltern, ferner Elternabende sein, da der Jugendpfleger seine Jungens und Mädels sicherlich vielfach besser kennen wird, als dies bei den Eltern der Fall ist. Als ein vielleicht auch nicht von der Hand zu weisender Vorschlag dürfte die Einrichtung von Sparkassen zu werten sein. Den älteren Schülern und deren Eltern gilt die Einrichtung von Stellenvermittelungen resp.. die Schaffung einer Berufsberatung. Statistiker, Kausleute und Gelehrte werden zusammenwirken müssen, nm den großen Schwierigkeiten wenigstens einigermaßen zu begegnen, die in der unglücklichen sozialen Schichtung der Juden ihre Erklärung finden. Auch der Pädagoge muß seinen ganzen- Einfluß geltend machen. Hier wird sein Werk gekrönt, denn der Beruf bedeutet Vollendung der Persönlichkeit, die Berufswahl ist der Schlußstein der Erziehung. ' Nun zur Ausprägung des Gemeinschaftsgefühls. Ich verspreche mir viel durch Pflege des Briefwechsels, wozu vielleicht hier auf diesem Bundestage die ersten Fäden gesponnen werden können. Heimabende im eigenen. Jugendheim, ferner etwa einzurichtende Ferienheime, sowie kleinere und größere Feste werden das Gemeinschastsgesühl ebenso stärken wie bewußte planmäßige Arbeit in diesem Sinne. Auch von der Zusammenfassung mehrerer kleinerer Orte in einen Bezirk ist eine Stärkung der Idee der Zentralisation zu erwarten. M. D. u. H>! Bis hierher sprach ich im Aufträge der Bundesleitung. Meine folgenden Ausführungen finden in dem Wunsch meiner Heimatstadt Breslau, resp. des dortigen ״Feschurun" ihre Ursache. Denn wenn ich vorhin sagte, daß der Esragedanke aus dem ׳ Kreise der Kölner Ortsgruppe herrühre, so hat dies nur bedingte -