Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 78 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Organisation und Betätigung in ihr unbedingt zur Folge. Es leidst die Möglichkeit des Denkenlernens unter der bloßen Einprägung der Schlagworte und Parteidogmen. Statt der notwendigen Richtung des Denkens wird eine Gedankenrichtung erzielt, ein Stellung haben an Stelle des Stellungnehmens. Im besonderen! weise ich jedoch auf die Schädigung des Niveaus einer . Organisation hin, wenn in ihr unreife und unkritische Denk- und Geistesprodukte zum besten gegeben werden!. Die ungeheuere Gefahr des Halbwissens und Halburteils kann nicht oft genug betont werden. Aber auch wenn wir die Massen, die zu Führern nicht geeignet, zu Geführten nur erziehen wollen und ihnen mit Energie Formeln einpauken, dieselben mögemso richtig sein wie sie wollen, wer sichert uns, daß nicht der Gegner für sein unjüdischles Ziel noch mehr Energie aufbringt? Kurz es hieße Bildungsideal vor Erziehungsziel setzen, wollten ׳ wir unsere Jugendpflege durch Politisierung derart falsch einstellen. In richtiger Erkenntnis dessen, ist man denn auch innerhalb der rührigen Ortsgruppe Köln daran gegangen, den Grundstein zu einer Schülerorganisation zu legen,' die den Namen Esra trägt. Ihnen die Art ihres!Aufbaus und zumal das Wesen der jüdischen Jugendpflege systematisch darZustellen ist meine Aufgabe in folgendem: Seien wir uns zunächst einmal'über den Begriff der Jugendpflege klar. Jugendpflege bedeutet ein bewußtsystematisches Schaffen i n der Jugend und s ü r die Jugend. Das Grundprinzip bleibt stets, daß die größte Klarheit der Handlung das beste Handeln bedeutet. Erreicht soll werden das denkbar höchste Niveau a) der Gesamtheit als solcher b) der einzelnen als ihrer Glieder. Was ich darunter verstehe, und wie ich es zu erreichen versuche, wird in kurzem klar werden. Zunächst noch ein Grundprinzip der Organisation. Ich teilte bereits vorhin die Schuljugend in eine solche zwischen 8—12 und 13—18 Jahren. Diese Trennung ist für den Aufbau der Arbeit festzuhalten. Nicht nur weil die Barwizwoh eine umfassende Veränderung der Stellung des Einzelnen zu Thauroh und Mizwaus zur Folge hat, sondern weil die geistige Struktur mit dem Ablauf des 12. Jahres eine tiefgehende Wandlung erfährt. Diese in dem. ״Denken an sich" nachzuweisen, dürste schwer fallen, jedoch läßt sie sich für das ״G e d ä ch t n i s" leicht fassen und in eine klare Formel bringen!. Sie lautet: Das Alter von 8—12 Jahren besitzt ein mechanisches, das Alter von 13—18 ein assoziatives Gedächtnis, das heißt der Knabe von 8—12 Jahren merkt sich mechanisch den einzelnen Vorgang, der Schüler von 13—18 registriert die Tatsachen vergleichend, nimmt daher die Prinzipien>wahr. Die Folge ist: für dieses Lebensalter, eine leichte Beeinflussung! durch das Milieu, häufig durch direktes Nachahmen älterer Personen der Umgebung charakterifiert. Es bildet sich die Persönlichkeit. Die Wichtigkeit dieser psychologischen Erkenntnisse ist so evident, daß niemand erstaunen wird, wenn ich die aus ihr soigende Einteilung für alles Kommende ausnehme, nämlich für den Versuch eines umfassenden planmäßigen logischen Ausbaues der jüdischen Jugendpflege. Dieser Grundriß ist nun eigentlich weniger gedacht für den praktischen Gebrauch des einzelnen Jugendvereinlers, sondern für etwas wichtigeres. Wir dürfen nämlich in Zukunft nicht mehr das