Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 76 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Die Kultur, bk nach den Bestimmungen der Schule die ihre werden soll ebenso wie die Zivilisation, welche die Umwelt von ihnen fordert, ist ajüdisch nicht nur, sondern antijüdisch. So zerrieben zwischen den scharfen Mahlsteinen Hellenistisch-christlichen Schulwesens und christlich oder areligiösen Umgangs mit ihren Kameraden, bleibt ihnen bestenfalls von jüdischem Wesen die Halbheit, die ein jeder Aufrichtige von uns an sich beklagt. Nicht als ob nicht auch für die christlichen Schüler gleiches drohe oder nicht in früheren Epochen ähnliche Gefahren für unsere Jugend mächtig gewesen wären! — In Aegypten war es die jüdische Frau, die das Judentum erhalten hat, die jüdische Familie erzog ein neues jüdisches Geschlecht. Heute haben wir von dem jüdischen Haus allein eine Regeneration nicht mehr zu erwarten. Zunächst ist ja ein großer Teil der Eltern gar nicht fähig oder auch nur gewillt ihre Kinder im jüdischen Ideale zu erziehen. Zwar wird es nicht an Stimmen fehlen, die sich dahin äußern, daß es nicht unsere, des thoratreuen Judentums Aufgabe sei, die Jugend dieser dem Thoraideal entfremdeten Kreise zurückzugewinnen. Aber, meine Damen und Herren, wenn, wofür wir unsere Persönlichkeit einfetzen, wenn es wahr ist, daß das Judentum der Thora das Judentum, der K' l l a l l ist, dann resultieren aus dieser Stellung auch!Ausgaben. Dann find die Nöte der jüdischen Gesamtheit, die Forderungen, die an sie herantreten, unsere Nöte, die Assimilation die Krankheit an unserem Körper, und wer wird den Schaden, den er an -seinen, Organen genommen, nicht zu heilen versuchen? Die Jugend der der Thauroh entfremdeten Kreise ist auch unsere Jugend, unser Herz spricht zu ihr und unsere Tat soll auch ihr gellen. Aber selbst die vom echten Geist durchdrungenen Eltern sind nur in seltensten Fällen und auch dann nie vollkommen fähig, das Werk der jüdischen Vollendung an ihren Kindern zu tun. Sehr treffend ist, was Schleiermacher über Elternerziehung bemerkt. Er sagt, daß die Familie lauter fragmentarische Momente für die Pflege der Gesinnung schaffe, demgegenüber gelte es ein Kontinuum der Gesinnung hervor- Zurufen. Die Jugend müsse daher ein gemeinsames Leben für sich haben, worin die Kontinuität der Gesinnung sich manifestiere, und in dem die Jugend beständig tätig erscheine. Ich betone, daß mir selbstverständlich nichts ferner liegt, als die wertvollen Erziehungsmomente des jüdischen Hauses und seine ewige Bedeutung für das Judentum leugnen zu wollen. In gleichem Sinne schlägt Fichte einen Schülerstaat vor, dessen Verhältnisse er genau beschreibt. Diese Utopie hat für uns natürlich nur Historisches Interesse. Es klingt davon jedoch etwas in dem praktisch durchaus durchführbaren Vorschlag von Herrmann Lietz durch, der sich auf die Schaffung von Landerziehungsheimen bezieht. In solchen dem Einfluß der Umwelt entzogenen Alumnaten könnte tatsächlich ״eine Kontinuität der!Gesinnung" hervorgerusen werden; ein gemeinsames Leben, in dem die Jugend beständig tätig erscheint. Der Vorschlag entspricht in kleinem also der Forderung- Nathan Birnbaums für das gesamte thorotreue Judentum. So lange wir jedoch solche Landerziehungsheime im besten .Falle nur als Einzelerscheinungen besitzen können-, werden wir mit ihnennicht als wichtigen Faktor rechnen dürfen. Bliebe noch die jüdische Schule. Auch sie ist leider nur eine Einzelerscheinung und gewisse ihr anhaftende Mängel nur zu offenbar״ vor allem jedoch absorbiert sie die freie Zeit der