Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 72 (sequence 74)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6467833-8970266-8970284--0676-8963896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mittwoch, nachmittag 444 Uhr. Vorsitz: Direktor Dr.-Lange. Die T h es e n von Max Cohen werden Zur Debatte gestellt. 1. These. ״Wir können keine großzügige Propaganda treiben nach außen und uns an solche Kreise wenden, die im Leben all das mit Füßen treten/was uns heilig ist, vielmehr haben wir dafür zu sorgen, daß all die, die sich zu uns!gehörig fühlen, die Wahrheit anerkennen, daß wir eine Gesetzesnation sind, daß all die in unserer Organisation zusammengeschlossen werden." Die Debatte über den Wortlaut der These wird eröffnet: Klein- Norden: Die These soll nicht negativ, sondern positiv gefaßt sein. Dr. Rothschild-Dinslaken: Meine Damen und Herren, ich möchte nicht so ohne weiteres raten, diese These anzunehmen. Der .Referent hat ganz recht betont, daß es der Jugend erlaubt ist, ihrem Gefühl zu folgen unddaß aus Gefühl heraus die Jugend auch einmal über die Stränge schlagen darf. Und wenn es etwas Herzerfreuendes gegeben hat, so ist es die Wahrnehmung, daß tatsächlich die Agudas- Jisroel-Bewegung eine Bewegung ist, denn wo Gegensätze auseinanderplatzen, da ist Leben. Wir sinduns bewußt, daß in allen, die hier versammelt sind-, der Wunsch lebt, etwas zu leisten. Was man draußen am meisten vermißt, ist, daß sich dieses Leben und diese Bewegung nur aus Kongressen zeigt, und in einzelnen Gemeinden und Organisationen wenig Leben ist. Wir wollen lernen, aber nicht nur begeistern, wir können nicht mit Schlagworten arbeiten. Es fehlen die Mittel zur Massenbegeisterung, insofern muß man großzügig Propaganda nach außen Zurückweisen. Dr. Kahn hat bei Gelegenheit einer V.J.A.-Sitzung hinsichtlich der Propaganda gesagt: ״Wir dürfen sie nicht als zwecklos bezeichnen. Die Kreise, die für den Scheker Kämpfen, tun das mit einer solchen Begeisterung und haben Erfolge, daß man staunen muß. Wir, die wir für den Emes Kämpfen, müssen der festen Ueberzeugüng ׳.sein, daß alle letzten Endes zu ihm sich bekennen werden." Also ist es verkehrt, die!Propaganda für weite Kreise abzuschneiden. Zum Schluß bitte ich, mindestens das Wort ״im wesentlichen" einzuschalten, dennnie und nimmer dürfen wir es unterlassen, die andern zu gewinnen. Rabbiner Blum!-Pieschen: Ich wende mich gegen diese These: Sie verkennt Ziel und Aufgaben unserer Gruppen. Ich gehe dann aufs Lernen ein: Wir müssen uns da an die fernstehenden Kreise wenden und sie heranziehen. Wir können meiner Meinung nach um-!gekehrt sagen: wir dürften unsere Propaganda nicht treibenin den Kreisen, die schon lernen. Die andern müssen wir zu diesem Zweck zusammenschließen, und wenn sie es zuerst nicht Lischmo tun, so sollensie Geschmack daran!gewinnen, um schließlich Lischmo zu lernen. Und wenn auch in einer Mädchengruppe von 50 nur eine ist, die dazu kommt, eine wahrhaft jüdische Frau und Mutter zu werden und ein jüdisches Haus zu führen, dann hat die A.J.J.O. schon segensreich gewirkt, und diese Hoffnung dürfen wir uns nicht nehmen lassen, darum meine ich, daß wir nicht engherzig sein dürfen, sondern überall wo Aussicht aus Erfolg ist, die Propaganda einsetzen lassen und niemanden zurückweisem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.