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Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 62 (sequence 64)
Language
German
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nicht immer und immer wieder Vorbeigehen!sollen an den Fragen, die uns gerade am meisten bewegen, und mit denen wir in den einzelnen Gruppen am meisten uns beschästigen müssen. Wir sollen nicht immer feige Vorbeigehen an solchen Dingen, wo die Ansichten auseinander gehen, wo die Meinungen geteilt sind. Und damit wir uns endlich einmal hier in breitester Oefsentlichkeit aussprechen können über diese Dinge, damit wir endlich einmal aus dieser Unsicherheit und Unklarheit herauskommen, darum hübe ich diese Worte in die Versammlung hineingeworfen. Und wenn Sie mir faßen,, daß wir mit Durchführung dieser meiner Forderung manche Mitglieder verlieren, so antworte ich Ihnen, daß es mir lieber ist, wenn wir hundert und zweihundert und noch mehr Mitglieder einbüßen, als daß wir eine Bewegung ausbauen, als daß wir unsere Jugend eventl. einen Weg führen lassen, den wir nicht für den rechten ansehen. Wir müssen unbedingt, und das ist eine Forderung, von der wir niemals abgehen sollten, wir müssen unbedingt daraus achten, daß es bei uns nur einen Weg gibt, und daß niemand, aber auch niemand um Haaresbreite von diesem Weg abschwenkt. Und noch ein Zweites ergibt sich daraus und zwar für unsere Propaganda. Wir dürfen -keine Massenpropaganda treiben, wir können uns nicht an alle Kreise wenden, die sich noch Juden nennen. Es Hat gar keinen Zweck, wenn wir unsere Ideen hinaustragen in Gemeinschaften, die gar kein -Verständnis haben für das, was wir wollen, zwischen deren Ueberzeugung und der unsvigen eine Welt ist, eine unüberbrückbare Kluft. Ich gebe wohl zu, daß es möglich ist, auch aus diesen Kreisen den einen oder den anderen zu uns herüberzuziehen,׳ aber, ich bin davon überzeugt, daß wir aus, zwei Gründen diesen Weg in der Regel nicht gehen sollen: 1. bekommen wir durch -diese -Art der Arbeit eine große Anzahl von Mitgliedern, die, trotzdem sie vielleicht einen großen Mitgliedsbeitrag bezahlen, und trotzdem sie Lei allen Veranstaltungen zugegen sind, die trotzdem sicherlich nicht als Agudisten bezeichnet wevd-en können. Wir setzen dadurch unser Milieu- . herunter, das Milieu, das für unser Arbeiten so eminent wichtig ist. Wir wollen ja gerade wieder ein jüdisches Milieu schassen, und das kann ich selbstverständlich nur, wenn ich dieses Milieu aufbaue Mit!guten, echten Jehudi-m. Und 2., meine verehrten Anwesenden, und darin werden Sie mir sicher alle -Recht!geben, haben wir noch soviel mit uns selbst zu tun, müssen wir noch soviel -an uns seilen und hobeln und bessern, haben wir selbst noch einen so weiten Weg Zurückzulegen, bis wir das Ziel erreicht haben, das uns Allen als Hochziel vorschw-ebt, daß wir sicherlich keine Zeit mehr haben, um -Mission zu treiben, sondern daß wir jede freie Minute und jeden unbenutzten Augenblick dazu gebrauchen sollen, uns selbst 'mal erst zudem zu machen, wozu wir uns alle heranbilden wollen. Auch das ist meines Erachtens eine selbstverständliche Forderung, die j-ede junge Organisation, die aber besonders jede geistige Bewegung unbedingt von ihren Bekennecn verlangen kann und verlangt. So sehr ich mich, nun gegen jede Verständigung verwahrt habe, so sehr ich mich davor wehre, daß wir die Kreise unserer Organisation zu weit spannen aus der einen Seite, wie auch, daß wir uns in Arbeitsgemeinschaft-enbegeben aus der anderen Seite, gerade so be-, stimmt fordere ich aber eine andere Verständigung, und das ist

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