Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 60 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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00 lich wieder Sonne wird in unserem Kreis, Sonne, die überall hinscheint, in die entferntesten Winkel und verborgensten Ecken, Sonne,- deren Strahlen uns begleiten auf all unseren Wegen, bei all unseren Handlungen, leuchtendes Zentrum, das jeden Schritt und Tritt unseres Lebens beeinflußt. Und wenn ich Ihnen nun mit wenigen Worten nur die Hauptaufgabe unserer Jugendorganisation vor Augen geführt habe, so werben Sie mir alle sicherlich zugeben, daß Jugend, die so denkt und so fühlt, daß solche Jugend ganz selbstverständlich den Forderungen nachkommt, die Pflichten erfüllt und die Ideale als die ihren anerkennt, die Agudas-Iisroel uns gesetzt hat. Das ist eben das Wesen unserer Jugendorganisation, daß sie ihre Mitglieder erst vorbereitet, erst allmählich dahin zu bringen versucht, daß sie gute, brauchbare und tüchtige Mitglieder der großen Agudas-Iisroel werden, oder besser ,gesagt, werden könne n. Aber da werden Sie mir alle zugeben, daß wir bei dieser Erziehung unserer Jugend viel schärfer und viel exklusiver Vorgehen müssen, als die große Agudas Jisroel das tun muß oder auch nur tun kann. Die große Agudas Jisroel hat natürlich keine Erziehungsaufgabe für ihre Mitglieder, sie hat selbstverständlich nur mit Leuten zu rechnen, die sie schon als aktive Mitglieder ihrer Bewegung ansehen können muß. Aus all dem ׳ergibt sich ganz klar, daß wir in der jüdischen Jugendbewegung Deutschlands ׳eine ganz besondere Stellung einnehmen und einnehmen müssen. Für uns gibt es ja kein Programm, das wir uns selbst setzen Könnten, u n s e r e i n z i g e s P r o g r a m m i st und bleibt eben die Thauro. Und damit ist erstens gesagt, daß wir nichts Neues bringen, daß wir nicht mit einer neuen Art der Jugenderziehung aufwarten׳ können, und damit ist zweitens betont, daß es uns natürlich absolut unmöglich ist, auch nur irgendwie von diesem unserem Weg um ein Iota abzuw eichen. Daraus ergibt sich dann selbstverständlich unsere Stellungnahme zu der Frage der Arbeits- und der Verständigungsgemeinschaft. Eine Verständigungsgemeinschaft birgt unbedingt in sich ein Nachgeben, eine Konzession. Sonst wäre ja eine Verständigung unmöglich, wenn man nicht von allen beteiligten Seiten etwas in seinen Forderungen zurückginge, und sich dadurch der Gegenpartei nähern würde. So etwas können w i r selbstverständlich nicht mitmachen, aber so etwas wollen wir auch nicht mitmachen. Auch wenn wir nicht durch die unumstößlichen Prinzipien, die die Thauro uns setzt, gebunden wären» auch dann wollten wir so etwas nicht mitmachen. Es ist das Recht der Jugend, und sie soll überall von diesem Rechte nach Möglichkeit Gebrauch machen, daß sie die Ideale, die sie in ihrem Herzen trägt, daß sie die Gedankengänge und die Lebensanschauung, die sie für die richtige Hält, daß sie diese immer und überall verficht, daß sie sie, überall vertritt, und für sie kämpft, und sie verteidigt bis ins Extrem hinein. Das ist jugendlich! Und dieses jugendliche begeisterte Vertreten einer Idee, das sollte Keine Jugend sich nehmen lassen. Jugend sollte froh sein, daß sie den kritischen Kopf des Alters eben noch nicht hat, daß sie geistige Kämpfe noch rein durchführen kann, ohne darauf zu achten, wie diese Kämpfe auf ihre Widersacher rechts und links wirken und wirken können, daß sie rücksichtslos einen Kampf für ein Ideal, das sie beseelt, durchführt, ungeachtet der. Schwierigkeiten und Unannehmlich-