Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 57 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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will eben in geistiger und religiöser Beziehung nicht mehr Spielball der Augenblicksströmungen׳ sein. Und nun die zweite Organisation der ersten Klasse. Hier handelt es sich um den größten aller bestehenden Jugendverbände, um Len neutral-jüdischen Jugendverband. Erstlich einmal -sollte es in einem jüdischen Verein überhaupt keine Neutralität gebend Eine Neutralität ist einfach unmöglich in einem jüdischen Verein. Mög-!ich ist sie höchstens in einem Verein von Juden, un>d um einen solchen handelt es sich hier. Was ist der Hauptgrundsatz dieses neutralen Ver- Landes? Er behauptet, die Leitung ist neutral. Der Vorstand eines jeden Vereins darf Heine bestimmte Richtung innerhalb des Judentums zu der seinen machen. Er muß seinen Mitgliedern bieten von allem und von jedem, auf daß die einzelnen Mitglieder dann aus Grund des im Verein Gehörten Partei ergreifen, sich zu einer bestimmten Richtung des Judentums bekennen können. Um diesen theoretischen Grundsatz Ihnen -einigermaßen plausibel machen zu können, muß ich Ihnen sagen, wie man in einem derartigen Verein glaubt, die Neutralität Hochhalten zu müssen. Man läßt heute einen orthodoxen Redner, nächste Woche einen liberalen, übernächste Woche einen zionistischen und in der vierten endlich einen antizionistischen zu Worte kommen. Jeder spricht nun mit dem ganzen Feuer, das ihm zu Gebote steht, für seinen Standpunkt-und die Jugend, die diese vier Ergüsse über sich hat ergehen lassen müssen, soll nun aus Grund des Gehörten Partei -ergreifen, d. h. sich für eine der gehörten vier Richtungen entscheiden. Welch unglaubliche Erziehungsmethode! Jugendvereine sind doch Selbst e -rz i e h u n g.s - Vereine, in denen doch jedenfalls die Erziehung nach einer bestimmten Richtung hin erfolgen muß. Wie kann ich einen jungen Menschen von 16 oder 17 Jahren, und um solche sollte -es sich in erster Linie bei Jugendvereinen handeln, wie kann ich einen solchen Menschen im Zickzack durch die verschiedenen Gedanken- Komplexe der nun -einmal leider in der Judenheit bestehenden Richtungen hindurchführen? Ist es überhaupt möglich, daß ein junger Mensch, der ohne viel Kenntnisse in jüdischen Dingen in diesen Jugendverein kommt, die Urteilskraft und die Urteilsmöglichkeit hat, sich zu entscheiden? Kann es geduldet werden, daß man eine Jugend, die noch unbeschriebenist, dis sich noch nie tiefere Gedanken um's Judentum gemacht hat, daß man sie so falsch erzieht, daß man sie beinahe zwingt, sich dem zuzuwenden, der ihr seinen Standpunkt in der schönsten, in der äußerlich besten Form dargeboten hat? Wir wollen -doch nicht vergessen, daß wir es mit Jugend zu -tun haben-, und daß wir bei der Erziehung der Jugend unbedingt auf die Psyche des Jugendlichen Rücksicht nehmen müssen. Man sollte doch ehrlich sein und Jugend in einer bestimmten Richtung erziehen, man sollte ihr ein Ideal aufzeigen, dieses Ideal als Hochziel hinstellen und die Jugenddahin bringen, daß dieses Ideal sich in ihren Herzen verwurzelt, daß sie mit all ihren Kräften und all ihrem Vermögen für dieses Ideal -eintritt, und daß sie immer und überall ein inniges, herziges Streben beseelt, dieses Ideal nach Möglichkeit zu verwirklichen. Mißbrauchen wir doch nicht die guten Kräfte, die in jedem jugendlichen Gemüte -liegen! Erziehen wir die Jugenddoch nach einer Richtung, aus daß nicht unnötiger Weise die schweren Kämpfe, die ohnehin jeder denkende junge Mensch durchzukämpsen hat, kompliziert und vergrößert werden. Ich habe ja nichts dagegen, eine liberale Jugend in liberalen Vereinen zu erziehen, aber man führe