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Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 56 (sequence 58)
Language
German
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56 Bevor ich auf die einzelnen Organisationen eingehe, möchte ich zuerst diese 4 Gruppen in zwei große Klassen teilen, nämlich: 1. in destruktive, negative Organisationen'und 2. in positive. Berücksichtigen Sie immer wieder, was ich Ihnen gesagt hake über den Ausbau einer Bewegung. Bei einer Bewegung muh ich immer verlangen, daß sie von innen heraus, durch die Wirkung einer Kraft, entstanden ist, daß sie explosiv hervorging aus einer Gruppe von Menschen, ohne Zutun von außen, daß sie lediglich die Wirkung von geistigen Prozessen ist,, die sich innerhalb einer bestimmten Gemeinschast abspielen. Eine Bewegung kann man nicht gründen, sie muß sich eben selbst bilden. Und so werden wir gleich sehen, daß die erste der eben genannten 2 Organisationsklassen gar nicht zur Jugendbewegung gerechnet werden kann. Wir verlangen eben von einer Jugendbewegung, daß Jugend selbst sich zur Erreichung irgenb׳ eines Ideals Zusammengesunden hat, und daß sie keine Mühen scheut, und״ daß ihr keine Anstrengung zu groß ist, um dieses Ideal nach Möglichkeit zu verwirklichen. Sie lebt eben für diese ihre Idee und nichts, besonders keine Nützlichkeits- oder Praktischkeits-Ermägungen können sie von dem einmal als richtig erkannten Wege abbringen; denn das, meine Damen und Herren, ist gerade dasjenige, was man einer Jugend niemals nehmen sollte, daß sie noch ein Ideal hat, daß sie noch fähig ist, sich für Ideale zu begeistern und diese Ideale bis ins Extrem hinein zu verfolgen. Kommen wir nach dieser Abschweifung zu unseren Organisationen zurück, so will ick Ihnen mit wenigen Worten die Hauptgrundsäße der einzelnen Verbände darlegen. Zuerst der liberal-jüdische Jugendverband. Dieser Verband, der von den liberalen Rabbinern Deutschlands zu der Zeit,gegründet wurde, als sie ihre Richtlinien in die Welt setzten; dieser Verband ist natürlich kein Stück der Jugendbewegung. Hier handelt es sich eben lediglich darum, für die Thesen, aus denen nach Ansicht dieser Herren das Judentum berubt, für diese Thesen eine Jugend zu finden, eine Jugend zu finden, die sich ihrer annimmt, und die glaubt, daß tatsächlich in diesen Thesen das Judentum verkörpert sei. Diese Rabbiner hatten so etwas nötig. Sie!gingen von dem durchaus richtigen Gesichtspunkt aus, daß es nur dann möglich sei, die Richtlinien populär zu machen und sie zu einem dauernden Bestandteil der deutschen Iudenheit werden zu lassen, wenn es ihnen gelänge, die Jugend für dieses neue Judentum zu erwärmen, und so eine größere Anhängerschaft sich zu erwerben. Also von einer Bewegung keine Spur! Und wir sehen auch tatsächlich, daß es fast durchweg liberale Rabbiner sind, die der Leitung der liberal-jüdischen Iugendveveine angshören, ja die den ganzen Verband noch am. Leben erhalten. Denn, daß tatsächlich keine innere Lebendigkeit in. dem Verband sprühen kann, ist ganz selbstverständlich. Es ist ja kein Ideal da, an dem die Jugend sich erwärmen könnte: es handelt sich ja lediglich darum, ein Judentum das Seine zu nennen, wie es in einem Augenblick in unserer modernen Zeit gut und richtig zu sein scheint. Dieses selbe Judentum der Richtlinien dürfte heute den Ansorderungen einer durch den Krieg stark veränderten Welt und Menschheit kaum mehr standhalten, und so ist es heute sicherlich schon nötig, eine zweite verbesserte Auslage der Richtlinien herauszugeben. So etwas wird sich eine denkende Jugend überhaupt nicht mehr gefallen lassen. Sie

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