Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 55 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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55 Mittwoch, den 31. Juli, morgens 9 Uhr. Vorsitz: Direktor vr. Lange. Der Vorsitzende eröffnet unter größtem Beifall der Anwesenden die Verhandlungen mit der Verlesung des Antworttelegramms S. M. des Deutschen Kaisers. Darauf erteilt er das Wort Herrn Armeerabbiner vr. Heinrich A. Cohn zu seinemReferat: Der Aguöas-Iisroel-Gedanke bei unseren Arlegern. ('Erscheint demnächst in den Blättern.) Reicher Beifall lohnt die Ausführungen des Redners, und der Vorsitzende bittet die Versammlung, soweit es möglich ist, dem Wunsche des Herrn Rabb. vr. Cohn um Versorgung der Soldaten mit geeigneter jüdischer Lektüre nachzukommen. Nach einer Pause von 10 Minuten erhält Herr Max Cohen- Cöln das Wort zu seinem Referat: Unsere Stellung innerhalb -er jüdischen Jugendbewegung in Deutschland. (Nach dem Gedächtnis ausgezeichnet.) Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Agudoijugend! An die Jugend wende ich mich in erster Linie, an die Jugend mit Dingen, die gerade die Jugend interessieren und bewegen. Ich wende mich jugendlich an Sie und bitte Zu bedenken, daß man in jugendsicher Begeisterung gar Manches sagt, was man in älteren, bedachtigeren Jahren in dieser schroffen Form vielleicht nicht kundgeben würde. Aber ich!glaube, daß gerade das ein großer Vorteil der Jugend ist, daß sie eben dadurch die Möglichkeit hat, für eine Idee bis zur letzten ״Konsequenz einzutreten, und sie, die Idee, unbehindert durch Einflüsse von rechts oder von links bis ins Extrem hinein durchzusetzen. Ich will sprechen von unserer Stellung innerhalb der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland. Da!gilt es zuerst die Frage zu erörtern: Was ist überhaupt eine Bewegung, was verstehe ich unter Bewegung, wenn ich von einer Bewegung innerhalb einer Gemeinschaft spreche? Eine Bewegung ist eine Zusammensetzung aus Kraft und Richtung. Und auch die jüdische Jugendbewegung beruht aus derselben Synthese. Ich will gleich von vornherein zugeben, daß die Kraft bei allen Organisationen, die zur jüdischen Jugendbewegung, gehören, oder aber die sich zu ihr rechnen, daß die Kraft überall die gleiche ist. Ueberall versucht man sich dem Judentum zu nähern!, sich einzustellen zum Judentum, seine Mitglieder in irgend ein Verhältnis zu den jüdischen Fragen zu bringen. Aber die Richtung ist selbstverstündlich verschieden, verschieden je nach der!Stellung der ״Beweger", d. h. der Leute, die Führer in der Jugendorganisation sind. Und!geradeso wie wir in der deutschen Judenheit verschiedene Richtungen unterscheiden müssen, gerade so müssen diese Richtungen sich auch innerhalb der Jugendbewegung bemerkbar machen. Wir haben also 4 Richtungen^ zu verzeichnen, vier Richtungen, die sich auswirken in vier großen Jugendorganisationen, 1. In der Liberal-jüdischen Jugendorganisation, 2. in der neutralen, 3. in der zionistisch-nationaljüdischen, 4. in der!gesetzestreuen, also in unserer Agudas-Iisroel-Jugen-d- Organisation.